Die andere Alice Schwarzer - eine Autobiografie
13.09.2011 | 17:43 Uhr 2011-09-13T17:43:00+0200
Essen.In ihrer Autobiografie „Lebenslauf“ schreibt die Journalistin und Feministin Alice Schwarzer über ihre Anfänge. Sie entwirft dabei ein ganz anderes Bild von sich selbst - und erlaubt erstmals Einblicke in ihr Privatleben.
„Man glaubt zu wissen, wer ich bin“: Nämlich wahlweise eine „Hexe“, „frustrierte Tucke“ oder „Nachteule mit dem Sex einer Straßenlaterne“. Tatsächlich könnte die Kluft zwischen Selbst- und Fremdbild der Alice Schwarzer kaum größer sein; das macht ihre Autobiografie zu einer kleinen Sensation. Entblättert die 68-Jährige doch, getrieben von „Neugier auf sich selbst“, Seiten ihres Lebens, die sie bisher bewusst verborgen hielt.
Da ist das kleine Kind, das unehelich und unerwünscht zur Welt kam und bei den Großeltern am Waldrand von Wuppertal-Elberfeld aufwuchs: bei einem liebevoll sorgenden Großvater und einer labilen Großmutter. Da ist das „rebellische Mädchen“, das von Schule zu Schule gereicht wird und sich nur im Kreis der Freundinnen so recht wohl fühlt. Da ist die „strenge junge Frau“, die als Volontärin bei der Westdeutschen Zeitung erste journalistische Schritte geht – mit launigen Karnevalstexten. Da ist die Jungredakteurin einer Frauenzeitschrift, die sich wider besseren Wissens mit Diäten und Quarkmasken quält...
Wie wurde Alice zu „der Schwarzer“? Sie ist ehrlich um eine Antwort bemüht, das macht sie ungewohnt sympathisch. Sie öffnet sich. So weit, dass sie erstmals über ihr Liebesleben Auskunft gibt. Die wahre Überraschung dabei ist nicht, dass sie seit sehr langen Jahren mit einer Lebensgefährtin das Beziehungsideal von „Freiheit in Vertrautheit“ lebt. So gar nicht zu ihr zu passen scheint die langjährige Liebesbeziehung zu Bruno, ein Pariser aus gutem Hause, den sie 1964 am Strand von Saint-Maxime kennenlernt. Er spricht sie an – umgekehrt wäre es ja für sie undenkbar gewesen! Gemeinsam leben sie in Paris, Schwarzer arbeitet als freie Korrespondentin und knüpft erste Kontakte zu feministischen Frauengruppen.
Der Kampf Frau gegen Frau prägt Alice Schwarzers Leben
Hier beginnt ein Kampf, der ihr Leben prägen soll: der Kampf Frau gegen Frau. Denn schon in Paris zeichnen sich die Konfliktlinien ab. Schwarzer ist Minirock-Trägerin und hetero, was viele ihrer Mitschwestern nicht verstehen. Später, als sie längst sackartige Kleider trägt und in Berlin mit der Psychologin Ursula zusammenlebt, wird die Kampfschrift „Der kleine Unterschied“ sie berühmt machen – und erneut aus dem feministischen Kollektiv herausheben. Was ihr damals noch unangenehm war, obschon sie bereits in Frankreich erkannte, dass der Kampf um Gleichberechtigung Gesichter braucht.
In Paris war es die 61-jährige Simone de Beauvoir, die sich für die Sache der „filles“, der „Mädchen“, stark machte. Ihre erste Begegnung verlief grotesk: Da interviewt Schwarzer, ganz „28-jährige Blondine“, im Minikleid den großen Sartre – und wird von Beauvoir mit eisigem Schweigen bedacht. Später werden die beiden Freundinnen.
Und wenn Schwarzer die 1986 gestorbene Beauvoir eine „Leitfigur“ nennt und sich eine „Tochter“, dann schwingt da eine Achtung mit, die Alice Schwarzer von ihren „Töchtern“ verwehrt wird. Mehr als einmal fällt der Name Kristina Schröder : Die CDU-Ministerin hatte Schwarzer nicht nur in aller „Unbedarftheit“ falsch verstanden – sie hatte ihr Vermächtnis geleugnet.
Bis heute sitzt sie zwischen allen Rollen
Nun macht Schwarzer noch einmal eindrucksvoll deutlich, was sie geleistet hat. Erteilt uns Nachgeborenen eine Lektion in Feminismusgeschichte, die uns nervös den Lippenstift wegknabbern lässt. Haben wir ihr Erbe verprasst? Wie sie 1971 die Stern-Kampagne „Ich habe abgetrieben“ initiierte, wie sie im TV mit Esther Vilar stritt – das sind Meilensteine. Was immer man heute über Sätze wie diesen denkt: „Das Klima in Sachen Abtreibung ist Anfang des 21. Jahrhunderts in Deutschland vom christlichen Fundamentalismus geprägt.“ Auch an vielen anderen Stellen – von Kopftuch bis Kachelmann – schießt sie oft übers Ziel hinaus.
Alice Schwarzer schreibt in „Lebenslauf“ (Kiepenheuer & Witsch, 464 S., 22,99 €, erscheint am Donnerstag) über ihre frühen Jahre; das reich bebilderte Buch endet mit der ersten Ausgabe der „Emma“ 1977. Im Anhang finden sich Text-Dokumente von und über Alice Schwarzer.
Vielleicht könnte man es so sagen: Sie kam aus dem Kämpfen einfach nicht mehr heraus. Die Spiegel-Redaktion lehnte sie ja einst ab, als Augstein sie holen wollte – zu feministisch, zu kämpferisch. Die Frauenzentren beschimpften sie, als sie „Emma“ gründete und ein Interview mit Romy Schneider führte – zu wenig feministisch, zu glamourös.
Ambivalenz ist ihr Schicksal. Im Privaten weiß sie die Uneindeutigkeiten zu schätzen. „Mich interessiert der Rollenbruch“, heißt es einmal: „Frauen mit einem Schuss Männlichkeit – und Männer mit einem Schuss Weiblichkeit. Hundertprozentige Frauen bzw. Männer finde ich öde. Ich habe es am liebsten dazwischen.“ Da sitzt sie ja selbst, bis heute: zwischen allen Rollen.
23:52
Die Frau hat leider den Zeitpunkt zum Absprung verpasst und erweist mit ihrem unerträglichen Gequatsche der Emanzipation einen Bärendienst.
21:24
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20:46
Ohne sie wäre es um die Frauen in der BRD, deren Lebenswirklichkeit, berufliches Fortkommen etc. sicher schlechter bestellt. Aber was sie jetzt seit einigen Monaten abzieht, sollte sie sich sparen.
15:32
Alles richtig was über ihre Verdienste geschrieben wurde, nur... sie hätte sich vor zehn Jahren zurückziehen sollen. Was seit dem von ihr zu hören war, ihre Arbeit und Werbung für die Bildzeitung, ihre Meinung zu Birma ist mehr als grenzwertig. Man kann nur für sie selbst hoffen, dass sie sich nicht noch weiter demontiert.
13:36
Einige der Kommentare hier kann ich getrost als diffamierend,diskriminierend und beleidigend beurteilen. Deshalb seid lieber still,solange ihr von Hass u. Neid getrieben, nur Sinnloses zu sagen habt!
Fakt ist aber: Alice Schwarzer ist und bleibt die Größte Persönlichkeit in der deutschen Frauenbewegung. Eine Feministin der ersten Stunde, die bis zum heutigen Tag den Schreiberlingen in aller Welt etwas voraus hat, ihre ungetrübte Sicht für die Rechte der Frauen dieser Welt.
Da hat sie und wird sie weiterhin viel bewegen.
Auch wenn es einigen hier nicht passt, wird über Alice noch gesprochen werden, wenn ihr euch die Radieschen schon von unten anseht.
Sie gehört zu den unbestreitbaren Geistesgrößen! Sie trägt zur Befreiung der Frauen in unvergesslicher Weise bei.So wie keine andere gesellschaftliche Institution.
Wir Aufgeschlossenen und Aufgeklärten wissen das!
Respekt, dieser großartigen und mutigen Frau!
11:51
@ 16
Alles Ansichtssache. Wir, meine Frau und ich, leben seit mehr als 30 Jahren glücklich zusammen. Wir hoffen auf die nächsten 30 Jahre guter Partnerschaft.
11:46
# 14 Es wird keiner beschimpft und die Rechte von Frauen ist wahrlich wichtig nur das selbstherrliche Auftreten einer solchen Egomanin kann nicht kommentarlos hingenommen werden. Diese Frau hat sich zur Aufgabe gemacht gegen Jeden und Alles zu sein was sie nicht will. Ihr Auftreten in dem Kachelmannprozess und der Versuch die angeblich Vergewaltigte zu instrumentalisieren und zu beeinflussen war schon hart. Sie ist immer da wenn sie keiner will. In Talkrunden versucht sie immer wieder das Ruder an sich zu reißen. Man kann sagen , das 95 % der Menschen hier in Deutschland sie nicht mehr im Fernsehn sehen möchten....das schrille, laute und exentrische Auftreten reicht. Sie kann nicht tolerant anderer Gesprächspartner sein. Ich habe schon oft umgeschaltet wenn Madame wieder glaubte sie wäre Chef im Ring.....
Ihre Zeit ist vorbei oder die Altersweisheit setzt ein...was ich nicht glaube!!!!!!
Warum flüchten alle Frauen die als Chefredakteurinnen bei Emma eingestellt wurden? Es waren gute Frauen dabei...weil Schwarzer immer domonieren will......
10:05
Man muss Schwarzer wirklich nicht lieben (und sie selbst erwartet das wohl am wenigsten) – jedoch zeigen einige Kommentare an, dass die Arbeit längst noch nicht getan ist: Familienstruktur als Fundament eines funktionierenden Staates … das biedermeierliche Idyll der bürgerlichen Kleinfamilie (Vater, Mutter, Kind – die gesellschaftliche Erfindung des 19. Jahrhunderts schlechthin) hat sich doch schon längst als Illusion erwiesen, theoretisch (als demaskierte Zwangsgemeinschaft) wie praktisch (Zahl der Alleinlebenden, Zahl der aufgelösten Ehen, Lebensabschnittsgemeinschaften, Patchwork usw.).
09:52
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09:21
Welche neuen Freiheiten der Lebensgestaltung und des Lebensgefühls, der moralischen und gesetzlichen Veränderungen die bundesrepublikanische Gesellschaft, insbesondere ihr weiblicher Teil, Alice Schwarzer zu verdanken hat, wird wohl erst später einmal deutlich und dargestellt werden.
Die Verlogenheit der Familienstrukturen als Fundament eines funktionierenden Staates, erzwungenen vom Staat (Erfüllung der ehelichen Pflicht) und von Arbeitgebern (Da kann man keinen Handwerker reinlassen, da muß erst mal ne Frau saubermachen), von Schule und Kirchen, stank zum Himmel und ging überwiegend zu Lasten der Mädchen und Frauen. Alles schon vergessen?
Heute werden diese mühsam erkämpften Freiheiten selbstverständlich gelebt und genossen, und zugleich werden ihre Initiatoren, Vorkämpfer und Aktivisten beschimpft. Verstehe das, wer will.