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Musical

Die 80er: Wir waren Helden

24.04.2008 | 07:36 Uhr

Essen. Am 5. Oktober schwappt die Neue Deutsche Welle ins Colosseum: Ein Musical mit gut 20 Hits der schrillen Achtziger.

Fräulein Menke hat längst Familie, Markus gehört mit 48 zu den spät-erblondeten, und die ohnehin schon hohe Stirn von Hubert Kah ist noch ein gutes Stück höher geworden. Aber die Neue Deutsche Welle, die die drei einst so groß gemacht hat, die trägt sie und so manchen Wegbegleiter noch immer auf ihrem Kamm durch manches Festzelt dieser Republik.

Und nicht nur dort: Auf den 80er-Jahre-Parties landauf landab wird neben 99 Luftballons mit Remix-Versuchen mancher alte Hit von damals aufgeblasen, und neben den Helden in Zeiten der aufkommenden Kohl-Ära auch das Lebensgefühl eines ganzen Jahrzehnts gefeiert: zwischen Spaßgesellschaft und Abrüstungsdemo, Dallas im Fernsehen und der Grünen-Premiere im Bundestag.

Die damals jung waren, haben es heute hin und wieder schon mal im Kreuz und zählen als Wohlstandskinder zu einer ebenso zahlungskräftigen wie unterhaltungsverwöhnten Kundschaft. Eine, die - wenn es sich lohnt - auch schon mal 50 Euro und mehr für einen Musical-Besuch hinblättert.

Zum zweiten Mal eine Eigenproduktion

Info
Das neue Musical

Zahlen und Fakten

  • Rund 20 bis 24 Hits der Neuen Deutschen Welle begleiten eine Geschichte, für die Pieter van de Waterbeemd das Buch geschrieben hat. Die deutsche Fassung stammt von Ruth Deny.
  • Insgesamt stehen 21 Darsteller auf der Bühne, darunter je vier männliche und weibliche Hauptrollen. Die Castings haben bereits begonnen.
  • Die sechsköpfige Live-Band steht ebenfalls auf der Bühne und wird in die Spielhandlung einbezogen.
  • Wenn "Mamma Mia!" am 27. Juli die Bühne räumt, beginnen wenige Tage später der Bühnenumbau sowie die Proben für "Ich will Spass!", ab September wechselt man in das Originalset auf die Musicalbühne.
  • Fürs Bühnenbild stand Rubik's Cube, der Zauberwürfel, Pate, neun mit Treppen verbundene Würfel"wohnungen" mit 7 Metern Kantenlänge.
  • Premiere von "Ich will Spass!" ist für Sonntag, 5. Oktober 2008, geplant. Wöchentlich stehen sechs Shows auf dem Spielplan, eine weniger als bei "Mamma Mia!". Tickets zu Preisen zwischen 35 und 95 Euro (zzgl. VVK- und Systemgebühr) gibt's unter Tel: 01805-4444.

Ein Potenzial also, das geradezu danach schreit, entdeckt zu werden, so dachten sich die Hamburger Musical-Macher von Stage Entertainment und packen nun 24 Hits der nicht mehr ganz so Neuen Deutschen Welle in eine mal schrille und spaßige, mal anrührende und nachdenkliche Story von Pieter van de Waterbeemd.

Heraus kommt "Ich will Spass!", das Musical fürs moderne Musik-Antiquariat, auf dessen Werbeplakat ein Mann im Nadelstreifenanzug sein Hemd zerreißt und das schrille T-Shirt zum Vorschein kommt: Ein Auf- und Ausbruch für die Angepassten, ab Herbst im Colosseum, wenn "Mamma Mia" die Bühne geräumt hat.

Nach all den unvermeidlichen angelsächsischen Musical-Kopien ist dies die zweite Eigenproduktion der Stage-Truppe (neben "Ich war noch niemals in New York") - ein Projekt, das so nur in deutschsprachigen Landen funktionieren kann und auf eine Gesellschaft trifft, die oberhalb von, na, sagen wir 35 Jahren, die Refrains von damals Wort für Wort mitsingen kann. Mit einer in Essens Fußgängerzone gefilmten Umfrage lieferte Stage gestern den Beweis: Man schwärmt vom Sternenhimmel und Fliegern, die die Sonne grüßen, von Codo dem dritten aus der Sternenmitte und einer Zeit, da man noch Bruttosozialprodukt sagte und den Skandal um Rosie besang.

Die zur gestrigen Präsentation ausgelegten Plomben-Zieher aus schokoladeüberzogenem Karamel hießen damals natürlich nicht "Curlywurly", sondern "Leckerschmecker", aber die süße verklärende Erinnerung ist die gleiche. Für Joop van den Ende, Chef und Eigentümer des Unterhaltungskonzerns Stage Entertainment, ist das Musical aus hauseigener Fertigung, bei dem die Holländerin Carline Brouwer Regie führen wird, auch ein Versuch, kulturelles Selbstbewusstsein zu dokumentieren. Und dazu eine Geschichte "voller Energie, voller Power" zu erzählen, bei dem es Tiefgang, "aber auch viel zu lachen gibt".

Das signalisiert ja schon der Name: "Ich will Spaß", ein Klassiker der Achtziger, der seinen Schöpfer Markus (ergänze: Mörl) fast ein bisschen verlegen macht: "Ich will nicht alle Lorbeeren für die Neue Deutsche Welle einheimsen, es gab ja viele Titel in der Zeit".

Mag sein, aber welcher hatte schon seine prophetischen Gaben? In "Ich will Spaß" sang Markus 1982: "Und kost' Benzin auch Drei Mark Zehn, scheiß egal, es wird schon geh'n". Wo er Recht hat...

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt: Ursprünglich hatte Sänger Markus (Mörl) für seinen Titel den Refrain "Ich will Tanz! Ich will Tanz!" im Kopf - und dazu ein ergänzendes "Rosie, spürst du mich". Bis er bei einer Fahrt ins Aufnahmestudio auf der Autobahn Richtung Frankfurt die Spider Murphy Gang im Radio hörte - und deren Sperrbezirks-Skandal um Rosie seine eigene Rosie ausbootete. Und wie er so fährt, überholt ihn ein Mann, der über Walkmann-Kopfhörer Musik hört - offensichtlich mit reichlich Spaß in den Backen. "Autofahren! Das lieben die Deutschen, dachte ich." Eben Gas geben und Spaß haben. In dieser Nacht wurde die Zeile geboren, die es bis auf Platz 1 der deutschen Hitparade schaffte - und jetzt dem neuen Stage-Musical seinen Namen gibt.

Wolfgang Kintscher

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Kommentare
24.04.2008
10:50
Die 80er: Wir waren Helden
von daisyblue | #1

Ich will doch hoffen, dass CODO dort landet.....

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