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Warum immer weniger Franzosen Deutsch lernen wollen

29.10.2014 | 17:33 Uhr
Warum immer weniger Franzosen Deutsch lernen wollen
Trotz der anhaltenden deutsch-französischen Freundschaft wollen immer weniger Franzosen Deutsch lernen.Foto: dpa

Paris.   Immer weniger junge Franzosen lernen die Sprache des größten Nachbarlandes. Sie nehmen lieber in Kauf, sich mit Händen und Füßen zu unterhalten – oder auf Englisch. Dabei unterschätzen sie, dass die deutsche Sprache auch aus wirtschaftlichen Gründen eine große Bedeutung hat.

Der Elysee-Vertrag, auf den die deutsch-französische Freundschaft gründet, ist ein halbes Jahrhundert alt und die Aussöhnung der ehemaligen „Erbfeinde“ Geschichte. Doch wenn Deutsche und Franzosen sich ihre Zuneigung zeigen wollen, so geschieht das zumeist mit Händen und Füßen. Oder auf Englisch. Die Sprache des Partners beherrschen besonders in Frankreich nur wenige.

Während Anfang der 50er-Jahre gut die Hälfte der französischen Schüler Deutsch paukten, interessiert die Sprache Goethes heute nur noch 15 Prozent. Ein neuer Tiefpunkt, der viel mit dem eher schlechten Ruf des Deutschen zu tun hat. Links des Rheins gilt die Sprache als schwierig, klanglich unschön und überdies im Vergleich mit Englisch oder Spanisch als weniger nützlich.

Deutsch ist zweitwichtigste Sprache im Internet

Dabei ist das Deutsche in Westeuropa die am weitesten verbreitete Muttersprache und die zweitwichtigste Sprache im Internet. Ganz zu schweigen davon, dass das Erlernen der Sprache Goethes für Franzosen schon aus wirtschaftlichen Gründen eine strategische Bedeutung hat.

Beinahe händeringend suchen französische Firmen nach deutschsprachigen Arbeitskräften für ihre Exportabteilungen. Schätzungen zufolge sollen mehrere Zehntausend Jobs in der Industrie wegen mangelnder Deutschkenntnisse nicht besetzt werden können.

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Franzosen lernen lieber Englisch oder Spanisch

Leider haben solch rationale Argumente größte Mühe, in Frankreich durchzudringen. Das Resultat: Heute rangiert das Deutsche an französischen Schulen nach Englisch und Spanisch an dritter Stelle und selbst Béatrice Angrand, die Generalsekretärin des Deutsch-Französischen Jugendwerks, glaubt nicht, dass sich das noch rückgängig machen lässt. Deutsch droht auf Dauer zu einer ebenso exotischen Fremdsprache wie Chinesisch oder Russisch zu werden.

Ein kleiner Silberstreif am Horizont könnte die zunehmende Bildung von „classes bilingues“ sein. Gemeint sind jene Klassen, die das Erlernen von zwei Fremdsprachen gezielt fördern. In diesen Klassen nimmt das Interesse für die deutsche Sprache seit 2005 wieder leicht zu – und zwar zum ersten Mal seit 25 Jahren.

"Rammstein" wirbt für die deutsche Sprache

Französischen Lehrern zufolge ist diese Stabilisierung übrigens zu einem guten Teil der Popularität deutscher Musikbands wie „Tokio Hotel“ und „Rammstein“ geschuldet.

Eine weitere gute Nachricht: Rechts des Rheins erlahmt das Interesse für die Sprache des Nachbarn nicht. In Deutschland liegt die Zahl der Schüler, die Französisch lernen, relativ stabil bei über 26 Prozent. Vielleicht, weil „Je t’aime“ in vielen Ohren einfach besser klingt als „I love you“.

Peter Heusch

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2014-10-29 17:33
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