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Der Wunderglaube stirbt nicht aus

17.03.2009 | 06:45 Uhr
Der Wunderglaube stirbt nicht aus

Essen. Jeden Tag geschehen Wunder, und der Glaube daran stirbt nicht aus. Das Kulturwissenschaftliche Institut veranstaltet in Essen die Tagung: „Wunder im 20. Jahrhundert”.

Eigentlich glauben wir an nichts mehr. Die Wissenschaft hat alle Rätsel gelöst, meinen wir – das des ersten Menschen, der Entstehung der Welt und des Lichts. Ja, sogar die Liebe lässt sich als biophysikalischer Vorgang im Gehirn erklären. Wo der Glaube herrschte, regiert das Wissen.

Und was ist mit Wundern? Auch ausgestorben und wegerklärt?

Politologe Claus Leggewie. (Foto: WAZ/Matthias Graben)

Unser aufgeklärtes Jahrhundert ist voll davon. Wolkenkratzer, Brücken, Waffen, Mondraketen, Sportwagen, Büstenhalter – vieles verleitet uns, von Wundern zu sprechen, bis hin zu den „Wundern provençalischer Würzkunst”. Um gar nicht erst zu reden von der wundersamen Marien-Erscheinung an stiller Quelle.

„Der Wunderglaube stirbt nicht aus”, sagt der Kulturwissenschaftler Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI) in Essen. Wie das vermeintlich Unvereinbare zusammengeht, welche Rolle das Wunder in unserer rationalen Welt- und Wissensordnung spielt, versucht die internationale Tagung „Unbegreifliche Zeiten. Wunder im 20. Jahrhundert” (18. bis 21. März, Essen) zu beschreiben. „In einer Welt, die alles erklären kann, die entzaubert ist, haben Wunder doch ihren Platz”, sagt Leggewie und zitiert eine Umfrage, nach der die Mehrheit der Deutschen an Wunder glaubt.

Opel-Arbeiter und Bankmanager mögen seufzen in diesen Zeiten: Nur ein Wunder kann uns retten. Man sprach vom „Wunder von Lengede”, vom Wirtschafts- und Fräuleinwunder, man staunt über Wunderkinder und nennt erfolgreiche Ärzte Wunderheiler. Es scheint kein Tag zu vergehen, an dem für empfängliche Zeitgenossen nicht ein Wunder geschieht.

»Wunder haben nichts mit Kirche zu tun«

„Wunder haben nichts mit Kirche zu tun”, stellt Leggewie klar, „aber viel mit Spiritualität und Alltagsgläubigkeit. Das nimmt womöglich sogar noch zu.” Doch warum benötigen wir sie? Wunder machen uns auf angenehme Weise die schnöde Realität wieder ein wenig fragwürdig. „Davon leben die bunten Seiten in der Zeitung”, sagt Leggewie. Loch Ness, das gerettete Baby, der Flugzeugabsturz ohne Verletzte, das Weltall und die Außerirdischen – täglich steht es in der Zeitung. Wunder geben der Welt etwas von dem Zauber zurück, den die Wissenschaft ihr nahm. Denn bliebe nichts Unerklärliches übrig, hielte das Leben keine Abenteuer mehr bereit, keine noch ungelösten Fragen, Staunen und Glauben fehlte der Halt.

Doch die Verunsicherung darf auch nicht zu groß werden. „Der Wunderglaube ist eine Operation, um das Unverständliche verstehbar zu machen”, sagt Leggewie. „In einer modernen Welt haben wir ja im Prinzip alles im Griff. Dennoch passiert ständig etwas Unbegreifliches. Durch den Glauben an Wunder bauen wir dies in unser Leben ein, machen es kompatibel mit unserem Alltag. Es wird so eingeordnet, dass es ein Wunder bleibt und doch in unsere Welt passt.” Auf diese Weise wird das Unfassbare, das über uns und unser Leben hinausweist, wieder klein und auf Menschenmaß gebracht. Leggewie: „Sonst würden wir aus der Welt herausfallen.” Und müssten angesichts all' dieser Wunder schier verrückt werden.

»Wunder gibt es immer wieder«

Der Fußballfan glaubt an Wunder – sonst wäre er keiner. Und der Computerspieler. Ein Vortrag der Tagung befasst sich mit der „Verknüpfung von Magie, Glaube und Technik in der World of Warcraft”. In einem Fantasy-Spiel? Leggewie: „Reale und virtuelle Welt verschieben sich hier. Der Spieler taucht in die Szenerie ein, in eine Welt, in der auch Tote wieder lebendig werden können. Das ist doch die höchste Form des Wunders – die Wiederauferstehung.” Dieses christliche Leitmotiv erlebe im Computerspiel eine Re-Inszenierung.

Die Expertentagung in Essen, die sich überdies mit Naturwundern, Wunderwirkern, Medienwundern und politischen Wundern befasst, will zeigen, dass das Unerklärliche Teil unserer rationalen Weltordnung ist. „Die beiden Dinge gehören auf vertrackte Art zusammen”, meint Leggewie.

So hätte der einfältige Schlager am Ende Recht? Wunder gibt es immer wieder ...

Christopher Onkelbach

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Kommentare
18.03.2009
01:19
Der Wunderglaube stirbt nicht aus
von mausefritzchen | #9

#7 hat sich schon mal jemand totgelacht...siehe auch: irres Gelächter!

17.03.2009
16:47
Der Wunderglaube stirbt nicht aus
von Bürgerfreund | #8

Für WUNDER braucht man nicht die KIRCHE, man braucht den GLAUBEN!

17.03.2009
14:02
Der Wunderglaube stirbt nicht aus
von lange_nicht_mehr_so_gelacht | #7

Es soll ja sogar Leute geben, die glauben, dass Oskar Lafontaine ernsthaft politische Verantwortung übernehmen würde und zur Steigerung des Wohlstandes beitragen und nicht nur heiße Luft verbreiten könnte.

17.03.2009
13:31
Der Wunderglaube stirbt nicht aus
von kuba4711 | #6

Kein Wunder ,dass es mit der Presselandschaft immer mehr runter geht.

17.03.2009
12:54
Der Wunderglaube stirbt nicht aus
von waldelfe | #5

Wie wär es mit einem Weltwirtschaftswunder? Wäre langsam mal Zeit.

17.03.2009
08:46
Der Wunderglaube stirbt nicht aus
von mannderarbeit | #4

penaten ist auch sehr gut bei sowas...oder diese creme die auch für babys ist...ach wie heißt das zeug noch...

17.03.2009
00:32
Der Wunderglaube stirbt nicht aus
von mausefritzchen | #3

Besonders um diese Jahreszeit kann ich täglich in meinem Garten viele kleine Wunder beobachten. Man muss nur offen dafür sein!

17.03.2009
00:22
Der Wunderglaube stirbt nicht aus
von james connolly | #2

etwas körperpflege wirkt da wie ein wunder...

16.03.2009
23:14
Der Wunderglaube stirbt nicht aus
von GebenSiedasverzerrteWortein | #1

Mein Hintern ist heute auch schon wieder wunder !

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