Der Westfale vor 3000 Jahren
16.10.2008 | 08:46 Uhr 2008-10-16T08:46:00+0200
Herne. Die Welt vor gut 3000 Jahren. Im Mittelmeerraum wird um Troja gekämpft. Heldenepen berichten davon. Tut-Anch-Amun, Pharao in Ägypten, stirbt im Prunk. Was aber haben uns unsere Vorfahren aus jener Zeit hinterlassen? Eine Ausstellung in Herne legt Zeugnis vom Westfalen in der Bronzezeit ab.
150 Wissenschaftler aus ganz Europa kommen ab heute im Museum für Archäologie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Herne zusammen, um Forschungsergebnisse über die Bronzezeit auszutauschen. Was unsere Vorfahren der Nachwelt vorzuweisen haben, ist zeitgleich in einer Sonderausstellung im Museum zu sehen.
Gute Kontaktein ganz Europa
Erzählt wird dabei von Menschen, die eine erste Phase der Globalisierung erlebten. Für die neuen Bronze-Werkzeuge der Zeit wurden Kupfer und Zinn benötigt. Der Mensch an Ruhr, Weser und Ems hatte beides nicht. Er begann zu handeln - man weiß nicht so recht, mit was. Der Westfale war arm. „Wir müssen uns eine bäuerliche Bevölkerung vorstellen, die vom Land gelebt hat. Aber sie hatte Kontakte in ganz Europa”, sagt Dr. Josef Mühlenbrock, Leiter des LWL-Archäologiemuseums in Herne.
Während andere Völker in der Bronzezeit erstmals Reichtümer anhäuften, die noch ins Hier und Jetzt funkeln, handelte der Westfale wahrscheinlich mit landwirtschaftlichen Gütern. Einzelne Wissenschaftler glauben auch, dass er erstmals Salz aus den Solequellen des Hellwegraums gewann. Doch die archäologischen Funde aus Westfalen sind - mit einzelnen Ausnahmen - bescheiden. Der bislang gefundene Goldschatz der Region besteht nur aus vier Ringen. Westfälische Urnengefäße der Bronzezeit waren meist schlicht aus Ton, schief und krumm. „Emsgurken” werden sie liebevoll spöttisch von Archäologen genannt.
Es gab nicht viel zu rauben
Die Welt in Westfalen vor 3000 Jahren. Kaum eine Siedlung war befestigt. Es gab nicht viel zu rauben. Nur wer Glück hatte, wurde über 25 Jahre alt. Gehuldigt wurde Göttern, die wir nicht kennen. Bestattet wurden die Menschen zum Teil mit großem Kraftaufwand. Die frühen Westfalen gruben die weit und breit rätsel- und riesenhaftesten Grabanlagen. Die Umrisse eines kleineren „Langgrabs” sind im Museum in Herne auf dem Fußboden markiert.
Sie ergeben die Form eines überdimensionalen Schlüssellochs. Es gibt Belege, dass an solchen Gräbern Totenfeiern mit Trinkgelagen abgehalten wurden. Die Trauernden warfen ihre Becher anschließend ins Grab. Auch solche Scherben hat der frühe Westfale der Nachwelt hinterlassen. Als bedeutendstes Stück aus der Bronzezeit, das jemals in Westfalen gefunden wurde, gilt ein zur Urne zweckent-fremdetes Luxus-Trinkgefäß aus dem Hochsauerlandkreis. Die Bronzeamphore von Gevelinghausen (Olsberg), 1961 gefunden, stammt ausgerechnet aus einer Region, die in der Bronzezeit fast gar nicht besiedelt war. Sie ist ein handwerkliches Meisterstück, an dem bis zu vier Wochen gearbeitet worden sein dürfte.
Wie also steht er da, der Westfale vor 3000 Jahren im Völkervergleich?
„Er war konservativ”, sagt der LWL-Archäologe Dr. Christoph Grünewald. Der Westfale lebte nicht im Zentrum seiner Zeit. Er war Neuerungen entsprechend wenig aufgeschlossen. Man findet noch Steinwerkzeuge von ihm, als alle Welt längst in Bronze machte. Daniel Bérenger, LWL-Archäologe mit französischen Wurzeln, hat den bronzezeitlichen Westfalen aber durchaus lieb gewonnen: „Er lebte in einer armen Region, die es schwer hatte, sich in der Welt zu behaupten”, sagt er. Und: „Er war zivilisiert. Aber eben nicht Mercedes.”
10:12
Kein Kommentar D:
22:43
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
21:35
Hat sich da viel geändert???? :-)