Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Kino im Museum

Der Spion, den sie klebten - 50 Jahre Bond in 200 Plakaten

08.11.2012 | 18:17 Uhr
Das Plakat zur Erstaufführung von „Der Morgen stirbt nie“ in Hongkong 1996 aus der Sammlung Thomas Nixdorf.Foto: © 1997 Danjaq LLC and United Artists Corporation

Essen.   007 auf Thailändisch oder im Retro-Schick der smarten 1960er: Eine Ausstellung im Deutschen Plakat Museum Essen erzählt, wie plakativ mit Bond geworben wurde. Aber sie zeigt auch Mode und Moral rund um den berühmtesten Agenten der Welt.

Es gibt Dinge, die klingen auf Italienisch einfach besser. „Dalla Russia con Amore“ zum Beispiel hört sich fast so sinnlich an wie Tiramisu. Es steckt aber doch bloß ein Männerfilm mit weiblichen Dekor dahinter. Deutsche kennen ihn als „Liebesgrüße aus Moskau“. Die verbale Italienreise James Bonds ist eine von vielen Entdeckungen, die man ab Samstag im Deutschen Plakatmuseum machen kann.

„Bond, ... James Bond“ nimmt Litfaßsäule und Kinovitrine zum Leitmotiv. 50 Jahre Bond heißt: 200 Filmplakate, Fotos, Entwürfe. Wie sehr der Superagent stets Kind seiner Zeit war, ist in eingefrorener Plakatpose nicht weniger spannend sichtbar als in der berühmtesten Filmreihe aller Zeiten.

Die ersten Plakate wurden noch von Malern gemalt

Von Moden und Mätzchen erzählen die großzügig über die Folkwang-Räume verteilten Sammlerstücke charmant. Und von Zeiten, als ein Connery und seine Girls nicht wie gemalt, sondern tatsächlich Leinwand und Farbe die Antwort waren auf: Legenden der Leinwand. Filmkunst eben.

50 Jahre James Bond-Plakate

Bond 50 Jahre lang plakativ zu bewerben, das ist auch eine Reise zu kulturellen Unterschieden. Fing man deutsche Männer eher mit Zahlen („1000 neue Gags. 10 000 PS Tempo. 100 000 Volt Spannung“), lockte beim gleichen Film den brasilianische Kinogänger eine wüste Kolorierungs-Orgie, die Bond in „Moonraker“ vor allem beim Karneval von Rio die Welt retten ließ, jedenfalls sehen die Raketen deutlich nach lustigem Samba-Feuerwerk aus.

Augenweide für Nostalgiker

Nostalgikern geht das Herz auf, wenn sie liebe alte Schurken wiedersehen (man darf dazu im Kinosesseln Platz nehmen!). Freunde handgemachter Illusion entdecken Fotos der legendären, wirklich gebauten „Sets“ vor den Zeiten von Animation und Digitalhokuspokus. Und auf Themenräume wie „Gentlemen“, „Gegenspieler“, „Architektur“ folgt, was passiert, wenn man es soweit bringt wie „007“: Parodie und Imitat.

Video
Berlin, 31.10.12: Am Dienstagabend präsentierten Hauptdarsteller Daniel Craig und Regisseur Sam Mendes das neue 007-Abenteuer "Skyfall" in der deutschen Hauptstadt. Der Hingucker auf dem roten Teppich war aber das neue Bond-Girl Bérénice Marlohe.

Sogar von Moral ist in dieser Ausstellung die Rede – in Form jener Sittsamkeit, die Deutschland zu Zeiten Kanzler Erhards kultivierte. Es war das Jahr 1965, als die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft mit 5:0 Stimmen das Plakat für „Feuerball“ als zu „freizügig“ ablehnte. Es lief dann wie bei der kreativen Zensur der Kirchenmalerei: Jemand vergrößerte mit dem Pinsel die Bikinis. Für die Ikone Bond konnte danach mit Anstand geworben werden.

Bis 13. Januar im Museum Folkwang, Museumsplatz 1, Essen, Tel. 0201-8845444. Eintritt 8€ (erm.5). www.museum-folkwang.de Zur Ausstellung ist ein hervorragendes Katalogbuch erschienen, Steidl, 322 Abb., 256 S., 28€

Lars von der Gönna



Kommentare
Aus dem Ressort
Heiße Ware aus dem kühlen Norden
Lesetipps
Finnland ist diesjähriges Gastland der Frankfurter Buchmesse – und hat eine beachtliche Anzahl lesenswerter Schriftsteller. Hier ein paar Lesetipps für gedankliche Reisen.
Ostwall-Museum, das verkannte Dortmunder Juwel
Architektur
Das alte Museum ging vor 103 Jahren aus dem Landesoberbergamt von 1875 hervor. Und wurde nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs so umgebaut, dass es bis heute wie ein 50er-Jahre-Bau wirkt. Noch droht dem ältesten Denkmal des Strukturwandels der Abriss. Kommt das Baukunst-Archiv für NRW?
Orchester  der  Essener Goetheschule  spielt  mit  Manowar
Metal-Konzert
Joey DeMaio, Kopf und Bassist der amerikanischen Metal-Legenden Manowar, schaute am Mittwoch im Chorforum vorbei, um seine Idee für das Konzert in der Grugahalle während der Welttournee vorzustellen: 102 Schüler treten im Januar vor 7000 Metal-Fans auf – am Abend besucht er die Probe in Bredeney.
Wie der Königs-Schrein nach Arnsberg kam - Packender Roman
Literatur
„Die Könige von Köln“ heißt das gut 450 Seiten starke Buch des Bestsellerautors Tilman Röhrig. Der Roman dreht sich um die Rettung des Kölner Domschatzes mit dem Schrein der Heiligen Drei Könige. Dabei spielt auch Arnsberg eine wesentliche Rolle. Hier wurde der Schrein mehrere Jahre aufbewahrt.
Tote Hosen werden mit jüdischer Auszeichnung geehrt
Rockband
Seit Jahrzehnten kämpfen die Toten Hosen gegen Rechtsextremismus, dafür wird die Band nun mit einer hohen Auszeichnung geehrt. Die jüdische Gemeinde ihrer Heimatstadt Düsseldorf verleiht den Rockern am Mittwochabend die Josef-Neuberger-Medaille, die auch schon Angela Merkel und Johannes Rau tragen.
Umfrage
Fastfood-Ketten wollen den Mindestlohn aushebeln - verstehen Sie die Empörung der Angestellten?

Fastfood-Ketten wollen den Mindestlohn aushebeln - verstehen Sie die Empörung der Angestellten?

 
Fotos und Videos
Brigitte Bardot wird 80
Bildgalerie
Film-Star
1500 Folgen Lindenstraße
Bildgalerie
Fernsehen