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Der Spargel vor der Tür

06.05.2011 | 19:12 Uhr

Ist es in Zeiten weltumspannender Warenketten nicht ein Traum, wenn Sie im Restaurant sitzen und gleich nebenan das Lebensmittel aus der Erde schießt? Näher dran geht es nicht als in jenem Modell, das Peter und Judith Wiemer praktizieren.

Das junge Paar steht dort nicht allein dem Gut Kuhlendahl in Velbert-Nevigesvor, nein, es hat ebenda auch eine Saison-Gastronomie angesiedelt. Im alten Kuhstall ist sie, heißt „Spargelrestaurant“ und hält sich konsequent an den Namen: Wenn die letzte Stange gestochen ist, ruht sich das Restaurant bis nächsten Frühling aus.

Der frischeste Spargel, den man sich denken kann

Während wir aus dem Auto klettern, ziehen die letzten wackeren Landarbeiter vom Hof. Des einen Leid, des anderen Freud: Die Jungs müssen hundemüde sein, uns erfrischt der frischeste Spargel, den man sich denken kann. Tatsächlich ist die Qualität erstklassig, der Preis bei guten Portionen fair. Die Küche greift nicht nach den Sternen, macht ihre Sache aber weitgehend gut. Fabelhaft die Vorspeise: eine Kombi von reichlich Spargelspitzen mit butterzartem Roastbeef, dazu eine zarte Vinaigrette, eine gehaltvolle Kräutercreme, frischer Salat – für 8,90 Euro unschlagbar.

Hauptgerichte nach Baukastensystem

Alle Hauptgerichte um den Spargel funktionieren nach dem Baukastensystem. Die weißen Stangen (ohne alles: 12,50 Euro) gibt’s mit Rührei oder Poulardenbrust, Kochschinken oder Räucherlachs. Dazu wahlweise Gratin oder Salzkartoffeln. Ich rate zu Kartoffeln. Das Gratin kam deutlich zu dunkel, mit zu viel Eiermasse und nicht ganz garen Erdäpfelscheiben auf den Tisch. Unsere Nachfrage, ob die Hollandaise hausgemacht sei, bejaht der eben erst angelernte Herr vom Service. Konsistenz und Aroma kamen uns nicht sonderlich selbstständig vor – also beim nächsten Mal einfach die zerlassene Butter ordern.

Stoffiger Silvaner

Trotz kleiner Mäkeleien eine feine Sache, diese Spargelküche vor Ort. Dazu empfiehlt sich ein prachtvoll stoffiger Silvaner aus Rheinhessen (Flasche 15,60) – ein Wein, der äußerst schmackhaft das hysterische Gequatsche ad absurdum führt, deutsche Winzer hätten 2010 nichts Trinkbares erzeugt.

Preise: Im guten Mittelfeld. Spargelsüppchen mit Kerbel 4,90. Sehr schön das Dessert mit warmen, gebutterten Klößchen zu Grand-Marnier-Erdbeeren für 6,50 Euro.

Ambiente: Bis auf den Betonboden, der nicht weiter stört, durchaus ansprechend, nicht überladen, hübsche kleine Terrasse.

Service: Hatte im Test seinen ersten Tag, fällt unter Welpenschutz.

Adresse: Gut Kuhlendahl, Kuhlendahler Straße 248, 42553 Velbert, Tel: 02053-923456. www.spargelgastronomie.de

Lars von der Gönna

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2011-05-06 19:12
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