Der Rundumgestalter Peter Behrens

Das GHH-Gebäude in Oberhausen hat Peter Behrens entworfen.
Das GHH-Gebäude in Oberhausen hat Peter Behrens entworfen.
Foto: Digitalisierung: Medienzentrum R Kerstin Bögeholz
Was wir bereits wissen
Heute vor 75 Jahren starb der Architekt und Designer Peter Behrens. Eine Ausstellung im Düsseldorfer NRW-Forum widmet sich seinem Werk.

Düsseldorf.. Peter Behrens konnte alles, weil er sich alles zutraute – auch Dinge, die er gar nicht gelernt hatte. Als er vor 75 Jahren starb, galt er als bahnbrechender (Industrie-)Architekt, er hatte das imposante Zentrallager und die Verwaltungszentrale für die Gutehoffnungshütte in Oberhausen entworfen, die Verwaltung der Farbwerke Höchst in Frankfurt, die Mannesmann-Zentrale am Düsseldorfer Rheinufer, die Zentrale der Continental AG in Hannover, eine Tabakfabrik in Linz und Dutzende von Fabriken und Verwaltungen für AEG.

Dabei war der 1868 in Hamburg geborene Gutsbesitzerssohn eigentlich Maler, der in Karlsruhe, Düsseldorf und München studiert hatte. Als er 1899 eine Berufung an die Darmstädter Künstlerkolonie Ma­thildenhöhe erhielt, hatte er gerade angefangen, Trinkgläser und Porzellangeschirr zu entwerfen. Sein Wohnhaus auf der Mathildenhöhe entwarf sich Behrens selbst, noch ganz im Geschmack des Jugendstils. Fortan war er ein gefragter Architekt (obwohl er im eigenen Haus so gut wie gar nicht gewohnt hatte), und Karl Ernst Osthaus erteilte ihm den Auftrag zum Bau des Eduard-Müller-Krematoriums in Hagen, wo in späteren Jahren auch das im Krieg zerstörte Wohnhaus Schröder entstand, die Villa Cuno und auch das Haus Goedecke.

Kunst Behrens gestaltete aber auch Schriften, die Behrens Antiqua ist ebenso nach ihm benannt wie die Behrens Mediäval und die Behrensschrift – und den Schriftzug über dem Berliner Reichstag („Dem deutschen Volke“) entwarf Behrens auch. Manch einer hält ihn gar für den Erfinder des Corporate Designs, der rundum durchgestalteten Firma vom Briefbogen bis zur Werksuhr. Denn für die „Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft“ in Berlin, die ihn 1907 zu ihrem „künstlerischen Berater“ ernannte, entwarf Behrens das später weltweit bekannte „AEG“-Logo genauso wie er zahllosen Produkten vom Heizlüfter bis zum Elektrokessel eine Form gab. „Aber ein echtes Corporate Design“, sagt Thorsten Scheer, „war das eigentlich noch nicht – die Dinge hatten eigentlich keinen durchgängigen Stil, sondern waren einfach so funktionell wie möglich gestaltet.“

Behrens wollte die Welt mit Design verbessern

Der Kunstgeschichts-Professor Scheer lehrt Architekturtheorie an der „Peter Behrens School“ in Düsseldorf. Die wird künftig nicht nur eine Fachhochschule für Architektur sein, sondern, wie es der Namensgeber verbürgt, auch eine Design-Abteilung haben. Thorsten Scheer hat mit Studenten eine ausgesprochen kluge und in den Bau-Modellen spektakulär schön geratene Ausstellung über Peter Behrens erarbeitet, die ab Samstag im Düsseldorfer NRW-Forum zu sehen ist.

Museen Deutlich wird hier die Verwurzelung des Werkbund-Mitbegründers Peter Behrens in der Reform-Bewegung der Jahrhundertwende: Die Welt sollte eine bessere werden, indem man alle Gebrauchsgegenstände verbessert – also auch die ungesunde Korsett-Mode ersetzte durch schmiegsam-schwungvolle Reformkleider, von denen Behrens natürlich auch eines entwarf – heute durchaus wieder tragbar, wie in der Ausstellung zu sehen ist.

Und neben den vielen Fakten und Entwicklungssträngen, die hier präsentiert sind, gibt es auch eine kleine architekturgeschichtliche Sensation: Erstmals sind die vor zehn Jahren wiedergefundenen Baupläne öffentlich zu sehen, die Behrens für ein Kino am Rand des Berliner Alexanderplatzes bereits fertig hatte, als die US-amerikanischen Investoren Ende 1932 absprangen – sie ahnten, dass es Hollywood-Produktionen in Deutschland auf absehbare Zeit schwer haben würden.