Der Phillesoph aussem Pott
01.07.2008 | 06:59 Uhr 2008-07-01T06:59:00+0200
"Boh glaubse, ich sach Sie” – wo dieser Satz fällt, ist Knebel nicht weit. Seit 20 Jahren treibt der renitente Rentner aus dem Ruhrgebiet sein Unwesen auf der Bühne. Zur Feier des Jahres gibt's ein neues Programm: „Love is in Sie Er”. freizeit sprach vorab mit dem Essener Kabarettisten Uwe Lyko.
Hallo, Herr Lyko. Glückwunsch zum Bühnenjubiläum. Können Sie sich noch an die Umstände der Geburt von Herbert Knebel erinnern?
Lyko: Aber selbstverständlich! Wir haben damals mit ein paar Leuten zusammengesessen, weil ich eine Musiktheatergruppe ins Leben rufen wollte. Wir hatten aber keine Ideen, sondern haben stattdessen literweise Kaffee getrunken und meterweise Zigaretten geraucht. Irgendwann guckte ich auf meine Finger und sagte mit so 'ner knarzigen Stimme: „Boh, leck mich am Arsch – die ganzen Knochen sind gelb.” Dann fing ich an zu improvisieren, und daraus entwickelte sich praktisch die erste Knebel-Nummer.
Wie haben Sie die Figur denn dann weiter ausgearbeitet?
Lyko: Das war erst einfach so'n älterer Herr. Wie es der Zufall wollte, lag in dem Proberaum diese blaue Kappe auf der Heizung. Dann kamen noch die Brille und die Klamotten dazu.
Und wie sind Sie auf den Namen gekommen?
Karten für ca. 19-28 € gibt es noch für folgende Termine (bis Ende 2008):
29.8. Olfen (Stadthalle, 02595/389141)
6. & 9.9. Wuppertal (Rex-Theater, 0202/441159)
21.9. Werl (Stadthalle)
14.10. Dorsten (Gemeinschaftshaus, 02369/93450)
17.10. Olpe (Stadthalle)
19.10. Marsberg (Theater)
23.-26. & 28.10. Mülheim a.d. Ruhr (Stadthalle)
6.11. Geldern (Aula Lise-Meitner-Gymnasium,02831/80008)
21.11. Voerde (Mehrzweckhalle)
27.11. Schwerte (Rohrmeisterei)
28.11. Düsseldorf (Robert-Schumann-Saal, 0211/373070)
3. & 4.12. Velbert (Forum Niederberg)
7.12. Unna (Erich-Göpfert-Stadthalle)
19.12. Herne (Kulturforum)
Karten (auch für weitere Termine in 2009) gibt es – sofern oben nicht anders angegeben – unter www.DerWesten.de/tickets und in unseren TICKET-SHOPs, 01805/280123.
Lyko: Wir wollten keinen typischen Ruhrgebiets-Namen wie Horst Koslowski oder Erwin Schaberniak, sondern was anderes. Wir haben dann ins Telefonbuch geguckt, wirklich, Finger reingehalten, einer hat „stopp” gesagt, wir haben nachgeguckt – und da stand „Knebel”. Den Vornamen haben wir selbst ausgesucht.
Wie alt ist Herbert eigentlich?
Lyko: Ich sag immer Anfang 60. Aber eigentlich ist das egal.
Sie sind mit 33 erstmals in die Rentnerrolle geschlüpft, heute also 53 Jahre alt. Sehen Sie jetzt selbst den Knebel, wenn Sie in den Spiegel schauen?
Lyko: Ne. Ich hatte eher einen Wiedererkennungseffekt, als wir in die Rollen der Frauen geschlüpft sind. Ich war also Guste. Und ich weiß noch ganz genau: Als ich mir diese Omma-Perücke aufgesetzt hatte und so 'ne Damenbrille, da hab ich beim Blick in den Spiegel sofort gesagt: „Ach du Scheiße, ich seh' ja aus wie meine Mutter!”
Ich glaube ja, fast jede echte Ruhrgebietsfamilie hat einen wie Herbert in ihren Reihen...
Lyko: Stimmt, und das macht, glaube ich, auch den Erfolg dieser Figur aus. Das ist übrigens nicht nur im Ruhrgebiet so. Ob ich in Norddeutschland spiele oder in Berlin: Es kommen nach dem Auftritt immer Leute, die sagen: „Also, Herr Knebel, wenn ich Ihnen das sagen darf: Sie sind wie mein Onkel!”
Diente Ihnen denn auch ein Familienmitglied als Vorbild?
Lyko: Nein, da gab es kein Vorbild. Auch nicht Jürgen von Manger mit seinem Adolf Tegtmeier, wobei ich verstehen kann, dass der Verdacht naheliegt. Ich hatte schon als Kind ein Faible für Komiker, aber eher für so Typen wie die Marx Brothers oder Woody Allen. Ich fand Jürgen von Manger zwar auch klasse, aber als ich zum ersten Mal mit ihm verglichen wurde, war ich wie vor den Kopf gestoßen. Ich glaube, die Kappe macht da viel aus.
Inwiefern ist der Querulant mit Kassengestell denn Ihr persönliches Alter Ego?
Lyko: Uwe Lyko ist genauso ungeduldig wie Herbert Knebel, eine Leidenschaft zum Sport ist bei beiden da – und auch eine Ablehnung Spießern gegenüber. Komischerweise wird der Knebel ja von manchen Kritikern selbst als Spießer bezeichnet, was meiner Meinung nach völliger Blödsinn ist. Er ist eher einer, der sich über solche Typen mokiert. Nicht jeder, der eine Popelinejacke anhat, muss auch ein Spießer sein. Der Knebel hat durchaus anarchistische Züge, derer er sich natürlich nicht bewusst ist.
Können Sie sich vorstellen, noch mal einen neuen Bühnencharakter zu entwickeln?
Lyko: Ja. Ich würde den Knebel dann nicht sterben lassen, sondern neben ihm andere Figuren etablieren. Das scheitert nur an meiner Faulheit, wenn ich ehrlich bin. Ich kann eigentlich viel mehr, aber ich schlafe auch gerne, gehe gerne ins Kino oder lecker essen...
Apropos essen: Geben Sie uns doch mal einen Vorgeschmack aufs neue Programm.
Lyko: Wie zuletzt bei „Nix wie weg!” haben wir wieder nach einem Thema gesucht, also einem roten Faden, der die einzelnen Nummern miteinander verbindet. Irgendwann meinte einer: „Wie wäre es denn, wenn wir was zu 'Liebe' machen?” Da hab ich erst gesagt: „Och, Liebe, bähh.” Aber wenn man den Begriff mal weiterfasst, kommen auf einmal ganz viele Ideen. Es gibt ja die Liebe zum Sportverein, die Liebe zum Tier, die Liebe zur Frau, gleichgeschlechtliche Liebe usw. Also haben wir einfach angefangen zu schreiben und ganz viele witzige Nummern zusammengekriegt. Natürlich gibt's auch wieder viele Songs. Kurzum: Wer zu „Love is in Sie Er” kommt, wird ein typisches Affentheater-Programm sehen – zum Thema Liebe.
Der Knebel-Slang ist auch ein wichtiges Element: Ob „Hömma”, „Samma” oder „Dat mit scharfet S” – Sie setzen sich lautstark für die Bewahrung des Ruhrdeutschen ein. Welches ist Ihr Lieblingsausdruck?
Lyko: Ach, so'n Lieblingssatz... (lacht) Den sagt natürlich keiner, aber die Idee finde ich total klasse – zu sagen: „Du, hömma, weisse, wat du bis'? Du bis' grade voll deinen Absatz am verlieren.”
11:06
Herbert for President
08:56
Wennze mich frachs, den Herbert hat datt Ruhrpott von mich jelernt, aber datt is dem nich klar. Jedenfalls kannze hier an diese Stelle ma lesen tun, watt ich zu den euen Raucherjesetzen sagen tu. Un zwar in Ruhrpott:
http://www.derwesten.de/community/donjon/stories/226238
donjon
07:15
mal eben noch n t nachreicht
07:14
die Sonne schein auf unsa Omma ihren Hühnerstall sein Dach drauf. Aber voll
Weiter so Herbert (Uwe)