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Der lange Krieg der Worte

18.07.2008 | 20:35 Uhr

"Der Wagner-Clan. Geschichte einer deutschen Familie" ist ein brillant geschriebenes Buch

Lügen und Intrigen, Verleumdungen, Manipulation von Quellen oder ihre Vernichtung - das klingt nach Fernseh-Soap. Doch im Falle der Familie Wagner geht es nicht um Fiktion, sondern um harsche Realität. Einer der bedeutendsten Komponisten und seine Sippe zankten seit jeher, was das Zeug hielt. Eitelkeiten waren im Spiel, Machtgelüste und die Gier nach dem Bayreuther Erbe.

Dies alles hat Jonathan Carr zu Papier gebracht. "Der Wagner-Clan" ist brillant geschrieben, voller Ironie, ja, bissigen Spötteleien. Doch es geht dem Autor nicht um Voyeurismus. Die Quellen, soweit zugänglich, hat er minutiös studiert, Unklarheiten benannt. Carr beweist Mut zum Zweifel. Im Wagnerschen Krieg der Worte, dokumentiert nicht zuletzt in Autobiografien, im Geflecht der Beleidigungen und Unterstellungen, ist es schwer, die Wahrheit herauszuschälen.

Vor allem gelingt es, die Geschichte einer Dynastie als Spiegel der deutschen Historie zu zeichnen. Richard Wagner war ein politischer Mensch mit revolutionären Gedanken, später durchzogen von antisemitischem Geist. Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain war ein Rassist reinsten Wassers, die unrühmliche Rolle von Winifred im Dritten Reich ist bekannt. Carr zeigt: Höhen und Tiefen der deutschen Nation machen vor den Festspielen nicht halt.

Die Politik, von Ludwig II. bis zum Stiftungsrat, hatte immer ihre Finger im Spiel. Auch deshalb, weil's in Bayreuth eben nicht nur der Kunst gilt. Geld regiert die Welt, und so nahmen es die Wagners auch von Hitler. Bei Carr schwebt deshalb über vielem das Thema Schuld. Seine Forderung nach Freigabe aller Quellen scheint indes ein hehres Ziel.

Jonathan Carr: Der Wagner-Clan. Hoffmann und Campe, 496 S., 25 E

Von Martin Schrahn

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