Der Kumpel unter den Diven
11.12.2011 | 17:25 Uhr 2011-12-11T17:25:00+0100
Dortmund. Der Chansonnier Tim Fischer nähert sich in seinem Programm auch wenig bekannten Seiten der Knef. Im Gespräch schwärmt er für ihre Gedichte und ihre Freundlichkeit im Umgang mit Menschen.
86 Jahre alt wäre Hildegard Knef am 28. Dezember geworden. Im Februar jährt sich ihr Todestag zum zehnten Mal. Der Chansonnier Tim Fischer verneigt sich kommenden Samstag im Konzerthaus in seinem Programm vor dem deutschen Star, der in keine Schublade passt. Lars von der Gönna sprach mit Tim Fischer vor dessen Dortmunder Konzert über den Mythos, den Menschen und die kaum bekannte Lyrikerin Knef.
Sie werden in Dortmund einen ganz schlichten Knef-Abend gestalten. Sie treten nicht etwa „als Knef“ auf.
Hildegard Knef ist eine Ikone, wie Elvis oder Zarah Leander. Und natürlich hat das immer wieder dazu geführt, dass sich die, die ihre Lieder gesungen haben, regelrecht verkleidet haben, also Perücke, Brille und so weiter. Aber mir geht es nicht um eine Travestieshow. Auch keine Parodie. Es geht um eine ganz große Lyrikerin, die leider kaum einer so wahrgenommen hat. Hildegard Knefs Gedichte, die kennt kaum jemand, es sind wunderschöne Texte. Auch darüber möchte ich dem Menschen Knef nah kommen.
Hildegard Knef hat das Publikum zuverlässig gespalten…
Ja, und oft kommen nach dem Konzert – wir sammeln dann immer noch für Aids-Kranke in Zimbabwe – die älteren Zuhörer, die sagen: „Eigentlich mochten wir die Knef nicht, das war für uns eine Sexnudel aus den 60ern, leicht schmuddeliges Milieu und so. Und wir müssen unser Bild korrigieren.“ Das nehme ich als Kompliment – aber ich gebe es auch gerne an Hildegard Knef weiter.
Können Sie sagen, was sie für ein Mensch war?
Ungeheuer begeisterungsfähig, dazu ein unglaubliches Arbeitstier, bis zur Erschöpfung, ja bis zum Tod. Sie hat gerade die einfachen Menschen ganz ernst genommen. Sie hatte eine unglaubliche Liebe, obwohl sie oft enttäuscht und getäuscht worden ist. Hildegard Knef, das ist für mich: menschliche Größe – und das ist in vielen Texten zu spüren. Manches ist zugleich richtig visionär: Sie hat in den 70ern ein Lied mit dem Namen „Fragebogen“ geschrieben, da steckt die ganze Befragungswut schon drin, die das Internet uns heute beschert.
Haben Sie persönliche Erinnerungen?
Hildegard Knef hat sich einmal zur Premiere eines Programms von mir angemeldet. Dann wurde sie krank und konnte nicht kommen. Sie hätte sich dann nicht mehr melden müssen, hat mir aber einen ganz wunderbaren Brief geschrieben, sie hat sich sogar entschuldigt, ganz warmherzig, sehr liebevoll. Ich freue mich, dass ich einen Teil dieser Persönlichkeit dem Publikum wieder zugänglich machen kann.
Was ist, was war an der Knef anders?
Die Knef war ja der Kumpel unter den Diven, sie stand ja für einen Bruch mit Frauenidolen der Vorkriegs- und Kriegszeit wie Marlene Dietrich oder Zarah Leander. Sie war die Ungekünsteltste, natürlich, schnoddrig, lässig, bestimmt auch oft unbequem. Glücklicherweise hat sich das durchgesetzt im Frauenbild, dass es nicht bei diesem Eingeschnürten oder dem Heiligen und Mütterlichen blieb. Die Knef war eine moderne Frau, ihre Texte spiegeln das ganz stark.
Sie loben die Lyrik der Knef. Haben Sie eine Lieblingszeile für uns?
„Kaum abgenabelt gleichen wir Schnittblumen/aufblühend bei guter Temperatur/sterbend auf jeden Fall.“ Die Euphorie neben der Abgeklärtheit, das ist typisch Knef, das haut mich um.
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