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Musiktheater

Der kleine grüne Kaktus sticht noch immer

15.01.2012 | 19:08 Uhr
Der kleine grüne Kaktus sticht noch immer
Schöne Stimmen, elegantes Auftreten: Die „Comedian Harmonists“ im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier. Foto: Pedro Malinkowski

Gelsenkirchen  Diese Boygroup bleibt zeitlos schön: Im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier sorgen die „Comedian Harmonists“ mit ihren unvergesslichen Evergreens für minutenlangen Applaus und ein volles Haus.

„Mein kleiner grüner Kaktus“ sticht noch immer. Und „Veronika, der Lenz ist da“ hat an frivoler Frische nichts eingebüßt. Spätestens seit Joseph Vilsmaiers Film- Hommage an die erste deutsche Boygroup feiern die frechen Songs aus den Goldenen Zwanzigern eine Renaissance.

Das Gelsenkirchener Musiktheater im Revier bringt jetzt mit der musikalischen Revue „Die Comedian Harmonists“ Lieder und Leben der sechs Berliner Jungs brillant auf die Bühne: komisch, berührend, bittersüß. Ein Glücksgriff mit Erfolgsgarantie. Das Premierenpublikum honorierte die stimmliche und schauspielerische Leistung der wunderbaren Darsteller ebenso wie die stimmige Inszenierung von Sandra Wissmann mit langem Jubel.

Oft ausverkauft

Die Produktion im Kleinen Haus nach der Vorlage von Franz Wittenbrink und Gottfried Greiffenhagen blättert ein nostalgisches Fotoalbum auf. Die Bühne von Britta Tönne bietet riesige Bilderrahmen, in denen die ersten Szenen in vergilbten Farben an die Zeiten im krisengeschüttelten Deutschland der 20er erinnern. Ob die tatsächlich golden glänzten, untersucht auch die zweite Produktion, die am Wochenende im Musiktheater Premiere feierte, der Opern-Tanz-Abend „Großstadt-Triptychon“.

Die „Comedian Harmonists“ erzählen episodenhaft von der Gründung des A-Capella-Sextetts über den kometenhaften Aufstieg bis hin zum jähen Ende durch den Nazi-Terror im Jahre 1935. Die Karriere spiegelt sich in den Kostümen wider, erst Strickpulli, dann Glitzerfrack und am Ende der nüchterne Abschieds-Trenchcoat.

Der Reigen startet mit komödiantischem Tempo durch, wenn sich Kriegsversehrte, Tunten und unbegabte Trottel bei Harry Frommermann (Michael Dahmen) um den Musikerjob bewerben. Die Leichtigkeit der Inszenierung hat auch bei zunehmender Tragik und Brüchigkeit der Geschichte bestechend Bestand.

Als Ari Leschnikoff (Mark Weigel), Erich Collin (Markus Schneider), Roman Cycowski (Piotr Prochera), Robert Biberti (Ralf Rhiel) und Pianist Erwin Bootz (Askan Geisler) begeistern die Darstellern mit pomadig stilechten, geschmeidig-eleganten und humorvollen Interpretationen der unsterblichen Evergreens. Vokalartistik mit dem „Onkel Mumba aus Kalumba“, wehmütiger Wohlklang mit „Irgendwo auf der Welt“. Genial zusammengehalten werden die Szenen vom Erzkomödianten Lutz Reichert, der als Conférencier mit schmierigem Charme und 16 unterschiedlichen Rollen punktgenau besetzt ist.

Elisabeth Höving

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