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Solomon Burke

Der Hohepriester des Soul

02.07.2008 | 18:09 Uhr
Der Hohepriester des Soul

Bischof Burke verkauft fast alles: von der Bibel über Popcorn, von letzten Ruhestätten bis zu kraftvollem R&B. Und das seit über 40 Jahren. Dies macht die füllige Frohnatur, die beim „Traumzeit”-Festival in Duisburg (6.7., 20.30 Uhr) aufspielt, zum ersten Mogul der Musikgeschichte.

Eine Audienz bei Solomon Burke im kalifornischen Woodland Hills ist dementsprechend ein Erlebnis, der Hausherr selber eine echte Erscheinung: ein rundlicher, älterer Herr mit grauem Bart, der auf einem waschechten Thron sitzt und eine goldene Krone samt rotem Umhang und Zepter trägt. Seine Amtskleidung. Allerdings nicht für seinen Hauptberuf als geistiges Oberhaupt der „First Church of the Nazarene of Pasadena”, sondern für sein Hobby als „King of Soul”. Dem geht der 68-Jährige dieser Tage wieder verstärkt nach. Und sei es nur, um als Sänger ähnliche Anerkennung zu erlangen wie als Mann Gottes.

Info
"Traumzeit" - Das Programm:

Freitag, 4. Juli: 18.30 Uhr Turtle Island Quartet; 19.45 Uhr Ghazal; 21.15 Uhr, Brad Mehldau Trio.

Samstag, 5. Juli: 14.30 Uhr Bellowhead; 16 Uhr Trabuco; 18.30 Uhr Toto Bona Lokua; 20 Uhr Radio String Quartet Vienna; 21.30 Uhr, John McLaughlin & 4th Dimension.

Sonntag, 6. Juli: 14 Uhr No Tango & Strings; 15 Uhr Source Direct; 18 Uhr „Jaadu” (Titi Robin) mit Faiz Ali Faiz und Ensemble; 19.30 Uhr „Music For Silent Movies” mit Rita Marcotulli; 20.30 Uhr Solomon Burke.

„Offbeats” (4.-6.7.): Auf dem Platz vor der Kraftzentrale wird es an allen drei Festivaltagen wieder ein kostenloses Live-Programm geben.

„Traumzeit” im Landschafspark Duisburg-Nord (Emscherstr.): Festival-Tickets (72 €) sowie Tagestickets (41 €) sind an der Abendkasse erhältlich.Infos: 0203/2832614, www.traumzeit-festival.de

Seine letzten drei Alben wurden jeweils für einen Grammy nominiert – die späte Krönung einer Achterbahn-Karriere. Die kochte nach anfänglichen Erfolgen mit Top-30-Hits wie „Everybody Needs Somebody To Love” (1964) oder „Got To Get You Off My Mind” (1965) auf immer kleinerer Flamme. „Aber die Nominierungen sind der Lohn dafür, dass ich nie aufgegeben habe”, so Burke stolz. „Und jetzt will ich da weitermachen. Ich will Millionen von CDs verkaufen und erneut auf Tour gehen.” Wofür er sich sogar einer Diät unterzieht. „1500 Kalorien am Tag – wer soll davon satt werden?”, schnauft er. „Das sind ja gerade mal zwei Donuts!”

Dafür fiel ihm das neue Album „Like A Fire” vergleichsweise leicht: Zehn Stücke zwischen Rock, Blues, Soul und Country, die der Altmeister mit einer Reibeisenstimme intoniert, die vor Leidenschaft, Schmerz und Verlangen bebt. Und die er mit Steve Jordan, Keb Mo, Ben Harper und Eric Clapton eingespielt hat. „Das sind nette Jungs, die wissen, wem sie ihren Erfolg verdanken”, sagt er lächelnd.

Dass Burke ein wahrer Pionier ist, verdeutlichen allein die Anekdoten, die er erzählt. Etwa die, wie er in den 60ern mit einem Zwerg und halbnackten Tänzerinnen auftrat („Eine tolle Nummer!”). Und die, wie er Hausverbot im legendären New Yorker Apollo Theater bekam, weil er sein eigenes Popcorn feilbot. Oder die, wie er auf einer gemeinsamen Tour mit Wilson Pickett eine ganze Wagenladung Bibeln verschacherte. „Das war nicht ganz legal”, sagt er verschämt. „Aber ich habe immer versucht, ein bisschen Geld nebenbei zu machen. Was zu meiner Zeit nicht so einfach war wie heute.”

Da drängt sich ein Vergleich mit modernen Mogulen wie P. Diddy, Dr. Dre oder 50 Cent auf, die Burke für ihren Geschäftssinn bewundert. „Sie machen das wirklich clever. Und ich würde gerne bei denen einsteigen. Vielleicht als 25 Cents oder Fat Daddy – sie sollen mich einfach anrufen.”

Dabei ist er selbst auch nicht schlecht im Geschäft. Die Kirche stellt ihm Haus und Personal, er hat einen neuen Plattenvertrag und leitet zudem ein Bestattungs-Unternehmen. „Absolut krisensicher”, sagt er. „Ich bin der erste, der dich in der Welt begrüßt, und der letzte, der dich verabschiedet.” Außerdem ist da noch seine Familie, die ihm das Altenteil sichern soll. „Nach indischem Prinzip”, kichert er. „Ich habe 21 Kinder und 88 Enkel. Wenn du mich fragst, habe ich meinen Job getan”, spricht er und hält kurz darauf inne.

Denn ein Wunsch ist für Burke noch unerfüllt: „Ich will unbedingt ein Album mit Aretha Franklin aufnehmen. Das wäre mein Traum.” Der wird jäh unterbrochen: Seine Haushälterin erinnert ihn an die Herztropfen – und den Besuch aus Deutschland erwartet ein gedeckter Tisch mit Bratwurst, Sauerkraut und Kuchen-Platte. „Die habe ich früher alleine verdrückt”, stöhnt er. Kleine Sünden eines großen Mannes.

Marcel Anders

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