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Der Geburtsort Jesu - und es war doch Bethlehem

23.12.2011 | 18:58 Uhr
Der Geburtsort Jesu - und es war doch Bethlehem
(Foto: Speckenwirth)

Essen.   Der Geburtsort Jesu beschäftigt immer noch die Wissenschaft. Die Mehrheit der Forscher glaubt heute, dass Jesus in Nazareth zur Welt kam - der Bochumer Theologie-Professor Thomas Söding ist aber von der judäischen Stadt Bethlehem überzeugt

In wenigen Stunden, an Heiligabend, im Gottesdienst oder zu Hause unter dem Tannenbaum, werden es wie schon seit Generationen die Christen mit warmem, von zarten Kindheitserinnerungen beseelten Herzen singen: „Zu Bethlehem geboren ist uns ein Kindelein…“ Und sie werden vielleicht neben dem Altar in der Kirche auf eine einfache Krippe blicken, ausgelegt mit Tüchern und einer Puppe darin. Es ist eine Krippe, die an jenen Stall erinnern soll, in dem Jesus vor gut 2000 Jahren geboren wurde.

Jedenfalls erzählt der Evangelist Lukas in seiner Weihnachtsgeschichte davon. „So zog auch Josef von der Stadt Nazareth in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. (…) Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.“ Auch bei Matthäus schickt König Herodes, der dem Kind nicht wohl gesonnen war, die Sterndeuter aus dem Osten nach Bethlehem. Sie wollen dem neugeborenen König der Juden huldigen. Aber wie war das – wurde Jesus tatsächlich in Bethlehem geboren? Oder stammt er aus Nazareth, wie es Markus im ältesten der vier Evangelien nahelegt?

Die Stadt Davids

Der Geburtsort Jesu ist für Christen hoch emotional besetzt, aber in der Wissenschaft umstritten. Für beide Orte gibt es Argumente. Und doch: Thomas Söding, Professor für Neues Testament an der Ruhruniversität Bochum, ist überzeugt, dass alle, die heute „Zu Bethlehem geboren“ singen, auch den Kern des Weihnachtsgeschehens treffen. „Ich halte Bethlehem als Geburtsort historisch für nicht unwahrscheinlich und theologisch für hoch bedeutsam.“

Was dafür spricht? „Eine uralte jüdische Geschichte.“ Bethlehem sei innerhalb des Judentums ein extrem wichtiger Ort gewesen, erläutert der Wissenschaftler. „Es war ,der’ Identifizierungs-Ort für den erwarteten Messias, es war die Stadt Davids.“ David stammt aus Bethlehem, dort habe Samuel ihn zum König gesalbt. „Es gibt einen zentralen Punkt, an dem sich das Judentum festhält: Das ist die Ankündigung, David werde einen Sohn bekommen.“

Dessen Geburt wird im Alten Testament angekündigt. „Aber du Bethlehem-Efrat, so klein unter den Gauen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll.“ Kurz vor der Zeitenwende, also um die Zeit Jesu Geburt, als die Römer über Judäa herrschten, sei die Ankündigung des Messias für die Juden plötzlich wieder interessant geworden. Maria, die Mutter Jesu, ihre Cousine Elisabeth, Josef, Marias Verlobter, fromme Juden, sie alle hätten diese Vorstellung geteilt. „Und daran knüpft das Neue Testament an“, erläutert der Theologie-Professor. Aber der erwartete Messias kommt nicht als König eines Gottesstaates. Er kommt im Kleinen, in Bethlehem in einer Krippe. „Bethlehem hat also theologisch einen tiefen Sinn. Das Neue Testament stellt sich damit in diese uralte judenchristliche Tradition.“

Historisch nachweisbar jedoch sei das alles nicht. Im Gegenteil, sagt Söding. Die starke theologische Deutung wecke eher den Verdacht des Historikers. Und die Mehrheit der Wissenschaftler glaube an Nazareth. Gegen Bethlehem spräche ihrer Meinung nach, dass nur die Evangelisten Matthäus und Lukas den Ort nennen. Bei Markus komme Bethlehem gar nicht vor. Er spricht nur von „Jesus von Nazareth“.

Jüdische Tradition

Die Weihnachtsgeschichte – eine Legende? Nicht für den Neutestamentler Söding. Er hält die Gegen-Argumente nicht für überzeugend. Der Namenszusatz „Jesus von Nazareth“ etwa bezeichne die Herkunft, nicht den Geburtsort, hält er Kritikern entgegen. Für ihn bleibt die judenchristliche Überlieferung das stärkste, das ausschlaggebende Argument. „Die Bethlehem-Geschichte zeigt die Verwurzelung Jesu im Judentum. Sie verknüpft die alte Heilsgeschichte mit der neuen Jesus-Geschichte, das Alte mit dem Neuen Testament.“ Das alte Lied „Zu Bethlehem geboren“ erzählt also nicht nur vom Weihnachtsgeschehen, von einer der berühmtesten Geburten der Menschheitsgeschichte, es erzählt auch von jüdisch-christlicher Tradition.

Angelika Wölk

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Kommentare
24.12.2011
12:32
Der Geburtsort Jesu - und es war doch Bethlehem
von mariolandblog.blogspot.com | #5

Dieser "journalistische Artikel" scheint die Bedeutung der Wörter "Wissenschaft" und "Forscher" nicht zu kennen. Wissenschaftler beschäftigen sich mit Fakten, nicht mit Spekulationen und ideologischer Propaganda.

1 Antwort
Der Geburtsort Jesu - und es war doch Bethlehem
von msdong71 | #5-1

Nur weil es ideologische Propaganda ist muss es ja noch lange nicht ohne Fakten sein. Man muss ja nicht an die Dreifaltigkeit und so Glauben um über Jesus zu forschen. Allerdings geb ich dir recht das das nix mit demartikel zu tun hat ;)

24.12.2011
09:46
Der Geburtsort Jesu - und es war doch Bethlehem
von donfernando | #4

Schade, dass die Wissenschaftler kein geeignetes Material zu Verfügung haben, um durch Gentests festzustellen, wer oder was ihn gezeugt hat.
Die dazugehörige Überschrift könnte womöglich lauten: "Und es war doch Josef".


24.12.2011
07:09
Der Geburtsort Jesu - und es war doch Bethlehem
von msdong71 | #3

Als wenn es darauf ankommen würde. Der Streit, wenn man ihn denn so nennen will hat einfach einen wirtschaftlichen Hintergrund - wer bekommt die meisten Touristen/Pilger wie immer man sie nennen mag. Ein richtiger Christ glaubt an den Mann und seine Taten unabhängig von kosmetischen Details. Kann natürlich auch sein das ich keine "richtig" religiösen Leute kenne.

24.12.2011
07:05
Der Geburtsort Jesu - und es war doch Bethlehem
von goderhard | #2

Liebe WAZ Redaktion,
ich finde es beschämend am Heiligen Abend das Hauptaugenmerk auf die möglichen Geburtsorte Christi zu legen, und dies auf der Titelseite. Was würde Frau Brost dazu sagen?
Können Redakteure an an solch hohen Feiertagen nicht mal diesen wissenschaftlichen Blick sein lassen.
Es scheint Ihnen ein Anliegen zu sein, gläubigen Menschen die Freude an das Fest der Geburt Christi zu nehmen
Sie scheinen keine Schamgrenzen mehr zu kennen. Schade!

1 Antwort
Der Geburtsort Jesu - und es war doch Bethlehem
von FranzGerber | #2-1

#2
Sie bringen es auf den Punkt! Besser kann man es nicht ausdrücken. Frohe Weihnachten

23.12.2011
22:33
Na ja,
von RupertAD | #1

alles nur Spekulation. Leider gab es damals keine Einwohnermeldeämter.

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