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Der Barbier greift wieder zur Brennschere

02.12.2012 | 15:28 Uhr
Szene aus der gelungenen Neuinszenierung von Mozarts „Figaro“ an der Rheinoper.Foto: Hans Jörg Michel

Duisburg.  Viel wird Mozart an den Bühnen von Rhein und Ruhr gespielt, der „Figaro“ gleich drei Mal. Die stärkste Produktion bietet die Rheinoper. Die gefeierte Premiere zeigt, dass man nicht zwanghaft modernisieren muss, um ein Meisterwerk lebendig zu erhalten.

„Figaro“ hier, „Figaro“ dort. An Rhein und Ruhr schwelgt man in Mozart-Klängen. Zumindest quantitativ. Ausgerechnet „Altmeister“ Michael Hampe rückt nach blassen „Figaro“–Erfahrungen in Köln und Gelsenkirchen die Akzente zurecht.

Hampe versteht sein Handwerk, kennt nicht nur Libretto und Partitur in- und auswendig, sondern vermag auch, anders als der Nachwuchs in Köln und Gelsenkirchen, auf die Musik zu hören. Große Überraschungen sind zwar nicht zu sehen. Aber spannend bleibt selbst ein dreieinhalbstündiger Mozart-Abend, wenn man nur der alles erklärenden Musik und dem Libretto vertraut. Und da zeigt sich bei Hampe in filigraner Feinarbeit, was in und zwischen den Figuren vor sich geht. In keinem Takt inszeniert Hampe an der Musik vorbei. Keine aufgesetzten Gags, kein Leerlauf. Zu sehen ist nicht mehr und nicht minder als der ausgefeilte Ablauf eines komplexen Beziehungs-Dramas, das um ein Haar in eine Katastrophe zu schlittern drohte.

Figaro hat endlich wieder Bett und Brennschere

Auch Bühnenbildner German Droghetti verschwendet keinen Ehrgeiz, Mozart in eine spektakulär neue Perspektive zu rücken. Die ersten drei Akte spielen in einem schlichten höfischen Salon, der letzte in einer pittoresken Gartenlandschaft aus dem Bilderbuch. Man sieht ein Bett im ersten Akt, Figaro tritt mit vollem Equipment samt Brennschere auf. Das hatten wir lange nicht mehr.

Musikalisch stimmte fast alles an dem „Figaro“. Ein erfrischend jugendliches Ensemble, viele Rollen-Debütanten, und ein Orchester wie die Duisburger Philharmoniker, das keinen bundesweiten Vergleich zu scheuen braucht, bilden die Kraftzentrale des musikalischen Erfolgs. Generalmusikdirektor Axel Kober leitet recht lautstark und nicht immer mit dem sensibelsten Händchen durch den langen Abend, sorgt aber für orchestralen Glanz und versteht es, die überwiegend jungen Sänger behutsam zu führen.

Viele exzellente Sänger

Dass sich Laimonas Pautienius als Graf in seinen cholerischen Attacken gegen die massive Orchesterfront nicht immer durchsetzen konnte, gehört zu den wenigen Abstrichen der Aufführung. Anett Fritsch: Eine Susanna von Anmut und Koketterie, taufrisch und hinreißend. Sylvia Hamvasi: Eine Gräfin mit großer, in den Spitzentönen nicht immer butterweicher Stimme, gesegnet mit einer beglückenden Legato-Kultur. Annika Kaschenz: Der blutjunge Neuzugang verkörpert einen idealen Cherubino ebenso wie die nicht minder junge Anna Lucia Richter eine Barbarina von entwaffnender Verschlagenheit. Stimmlich allesamt in voller Blüte. Adam Palka vereinigt als Figaro Stimmkultur und Spielfreude aufs Beste.

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Essen. Mehr als 1500 Teilnehmer beteiligten sich bei der Demonstration der TuP-Mitarbeiter gegen die Sparpläne der Stadtspitze. Wenn Kulturschaffende demonstrieren, ist das nicht alltäglich: Durch die City liefen Philharmoniker im Frack mit Instrumenten, Tänzerinnen und Chorsänger, Schauspieler.

Kurzum: Eine in ihrer konservativen Klarheit überzeugende Inszenierung auf hohem musikalischem Niveau. Damit gebührt die derzeitige „Figaro“-Palme der Deutschen Oper am Rhein.

Die nächsten Aufführungen im Duisburger Theater: am 1., 12., 15., 18., 20., 23., 26. und 29. Dezember. Infos: www.operamrhein.de.

Pedro Obiera


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