"Der Auftrag" - trockenes Müller-Stück bei Ruhrfestspielen

Zwischen Harlekinade, Südstaatenschinken und überhaupt allem, was reingeht: Szene aus „Der Auftrag“ bei den Ruhrfestspielen. Links: Corinna Harfouch.
Zwischen Harlekinade, Südstaatenschinken und überhaupt allem, was reingeht: Szene aus „Der Auftrag“ bei den Ruhrfestspielen. Links: Corinna Harfouch.
Foto: Katrin Ribbe
Was wir bereits wissen
Plattes Performance-Vokabular, strohtrockene Synchronszenen: Trotz Corinna Harfouch ist Heiner Müllers „Auftrag“ kein starker Abend der Ruhrfestspiele.

Marl.. Auch das lehren Festspiele: Ein hinzuengagierter Star macht noch keinen Kunstsommer. Deprimierend zu sehen bei der Ruhrfestspielpremiere von Heiner Müllers „Der Auftrag“. Der Star ist Corinna Harfouch, das Stück – dem Frankreich-Motto der Festspiele 2015 geschuldet – ein Reflex auf die napoleonische Aushöhlung der Französischen Revolution. Drei Abgesandte sollen Jamaikas Sklaven das Aufbegehren lehren. Doch die historische Wende demontiert den „Auftrag“:

Ruhrfestspiele Es ist traurig viel Schieflage in dieser Hannoveraner Inszenierung von Tom Kühnel und Jürgen Kuttner (Sarahs Vater und ermüdend Volksbühnen-erfahren). Das Debakel fußt wesentlich auf der Idee, Heiner Müllers monotone Stimme den Ton angeben zu lassen.

Dramatiker Heiner Müller spricht aus dem Grab

Mehr als die Hälfte dieser 90 Minuten legt sich die Aufzeichnung einer knochentrockenen „Auftrag“-Lesung des Dramatikers über stumme Schauspielermünder. Müller synchronisiert aus dem Grab: Blue Men Group und Copperfield, Zirkuspudel und tänzelnde Kaffeekannen. Dieser Platitüden-Zirkus (Bühne Jo Schramm) ist der szenische Ausgleich zur spröden Verbal-Akustik des Abends – eine von postpubertärer Effektfreude genährte Bilderflut. Sorry, aber was hier an Performance-Vokabular abgespult wird, ist Avantgarde von gestern, mindestens.

Theater: dramaturgisch unterernährt, optisch aber geradezu adipös. Und Corinna Harfouch? Tänzelt tapfer als Weißclown durch den Abend, den großen „Auftrag“-Monolog versächselt sie in ratloser Komik. Am Ende ein Lichtblick, da erzählt Harfouchs schönes Tragödinnengesicht von Müllers Anti-Illusion. Doch der Moment ist: eine Filmprojektion, ist Kino. Tragisch, dass wir das Theater nicht einmal vermisst haben.