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Dendemann rockt Münster in den Mai

01.05.2010 | 16:38 Uhr
Dendemann rockt Münster in den Mai

Münster. Zu Rap’n’Roll ließ Dendemann seine Fans im Skaters Palace in den Mai tanzen. Neu war dabei nicht nur der ungewohnte Rock-Anteil in seiner Musik. Denn das Outfit erweckte eher den Anschein, als wolle der aus Menden stammende Reimreiter seine Anhänger in den April schicken.

Vielleicht ist es der Tatsache geschuldet, dass er 2007 zu „Die Pfütze des Eisbergs“ mit den Beatsteaks auf Tour war. Genau kann er das wohl nur selbst sagen. Jedenfalls hat Dendemann offensichtlich seine Liebe zur Gitarre entdeckt. Und da der Dende keine halben Sachen macht, hat er sein neues, nunmehr zweites Soloalbum „Vom Vintage verweht“ gleich lückenlos mit diesem Instrument angereichert. Herausgekommen ist dabei eine Platte, die sich irgendwo zwischen den alten Beastie Boys, Deichkind, Run D.M.C. und Such a Surge bewegt. Ein gewagtes Experiment, aber geblieben sind seine eingängigen, rotzfrechen Texte, die vor Redewendungen, Wortspielen und Metaphern nur so strotzenden Reime und natürlich die unverkennbare Reibeisenstimme. Und solange die Fans sich darauf verlassen können, kann eigentlich gar nichts schiefgehen.

Outfit: Strumpf ist Trumpf

Wer eine solche musikalische Kehrtwende hinlegt, so wird sich Dendemann wohl gedacht haben, der muss auch optisch eine Metamorphose durchlaufen. Und so entdeckte das Deutschrap-Urgestein neben seiner neuen Vorliebe für Gitarrenklänge auch seine alte Liebe zum Trash der Achtziger Jahre wieder - immerhin die Zeit, in der die hiesigen Avantgardisten des Sprechgesangs, die Vertreter der ersten Generation deutschen HipHops ihre Kindheit verlebt haben. Wer nun allerdings an Baggys und Daunenjacken denkt, irrt gewaltig. Denn Dendemanns neuer Style erinnert eher an Manta als an Fanta Vier: Hellblaue Jeansweste, überdimensioniertes Baseball-Cap sowie Schnurrbart und Vokuhila-Frisur (vorne kurz, hinten lang) - so erschien Dendemann am Freitagabend um Viertel nach Zehn auf der Bühne und hielt dem derzeitigen 80er-Retro-Hype sein grausiges Spiegelbild vor. Getreu dem Motto seiner ersten Single-Auskopplung „Stumpf ist Trumpf“.

Kopfnicken und Ausflippen

Ab Zehn Uhr hatte bereits DJ Maxi, der ebenso wie der Rest der Band mit Schnurrbart, Trainingsjacke und Unterhemd auflief, dem Publikum an den Plattendrehern mit alten HipHop-Stücken eingeheizt. Dann endlich betrat Dendemann höchstselbst (oder das, was von ihm übrig geblieben ist) die Bühne und begrüßte seine Anhängerschaft bekannt unverblümt mit den Worten „Ladies und Gen...italien“. Spätestens da wusste man, dass es sich trotz des Outfits tatsächlich um Dendemann handelte. Was folgte, waren vorerst ein paar Stücke aus dem neuen Album, die gleich unter Beweis stellten, dass die Fans sich auch vom neuen Dende-Style mitreißen lassen, der neben dem üblichen Kopfnicker- nun auch noch Pogo-Potential birgt. Trotz der ungewohnten Gitarren-Klänge war es aber jederzeit unverkennbar und zu hundert Prozent Dendemann, der da auf der Bühne stand, der seine Raps wie ein Rohrspatz schimpfte und wort- wie geistreich allen Lebensbereichen seine Abreibung verpasste. Um den alten Dende aber nicht zu kurz kommen zu lassen, baute Daniel Ebel, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, natürlich auch immer wieder frühere Tracks mit ein oder präsentierte seine Interpretationen von Stücken wie „Steady as she goes“ (White Stripes), über die er seinen Leitspruch „Nein, ich sing’ nicht gut, aber ich tu’s gern“ rappte.

Und es hört und hört nicht auf

Nach gut anderthalb Stunden zeigte der schweißgebadete Dendemann dann erste Ermüdungserscheinungen und erbat sich beim Publikum fünf Minuten Pause. Gewährt wurden sie ihm nicht. Also ging es nahtlos weiter. Und selbst nachdem er bereits die Bandmitglieder ihre Soli hatte spielen lassen und den zeitlich akzeptablen Rausschmeißer „Stumpf ist Trumpf“ folgen ließ, war noch nicht Schluss. Weiterhin hieß es „Wenn Diggi Dende sagt, es hört nicht auf, dann hört es verdammt nochmal nicht auf“. Drei weitere Stücke später verließ der aus Menden stammende Wahlhamburger dann aber wirklich die Bühne. Zwar ließ er sich nochmals zu einer letzten Zugabe erweichen, konnte danach aber die Fans ruhigen Gewissens entlassen. Schließlich hatte er fast zwei Stunden die Masse zum Kochen gebracht, und es war schon nach Zwölf - der Tanz in den Mai also vollbracht.

Matthias Kiesel

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