Dem Peiniger der Kindheit auf der Spur

Sandrone Dazieris neuer Thriller „In der Finsternis“ (Pieper, 560 S., 19,99 €) ist ein düsterer Kriminalroman, der ohne Italo-Folklore auskommt, also ohne nervige Kochrezepte und epische Schilderungen sattsam bekannter Sehenswürdigkeiten. Ein guter Anfang.

Und auch die Story ist zunächst spannend und mit Tempo erzählt: Dante Torre, der als Kind jahrelang von einem unbekannten Peiniger in einem fensterlosen Kerker gefangengehalten worden war, erfährt viele Jahre später, dass erneut ein Junge verschwunden ist. Traumatische Erinnerungen werden in ihm wach. Er glaubt an einen Zusammenhang und gemeinsam mit der eigenwilligen Ermittlerin Colomba Caselli macht er sich an die Ermittlung. Aus dieser Ausgangslage entwickelt Dazieri routiniert einen fesselnden Psycho-Thriller mit immer neuen Wendungen. Man spürt, dass Dazieri gelernter Drehbuchautor ist.

Leider, und das ist ein dicker Wermutstropfen, mündet die Story aber in waghalsige Volten und immer neue „Enthüllungen“ – statt ein klares Finale zu inszenieren, verläuft sich der Autor in eine Verschwörungstheorie, die etwas überkonstruiert wirkt.

So endet ein über weite Strecken gekonnt komponierter und spannend erzählter Krimi letztlich dort, wohin der Titel weist: in der Finsternis. Schade.