Das sind die besten 100 Selbsthilfe-Videos auf Youtube

Wollen Sie wissen, wie man eine Zitronenbatterie bastelt? Ein Video gibt Auskunft.
Wollen Sie wissen, wie man eine Zitronenbatterie bastelt? Ein Video gibt Auskunft.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Der Dortmunder MedienKunstVerein zeigt die 100 besten Selbsthilfe-Videos – vom Angelwürmerzüchten übers Bierbrauen bis hin zu Tipps, wie man auf High Heels läuft. Zugleich sind die Filme eine Anleitung, die moderne Welt zu verstehen – in all ihren Widersprüchen.

Dortmund.. Als das Wechseln eines Autoscheinwerfers vor der heimischen Garage geschah, der Kuchen ganz ohne Backmischung gelang und der Strickpullover nicht in Bangladesh, sondern von Oma Bochum gefertigt wurde, da war das Selbstmachen selbstverständlich. Heute, im Zeitalter der Fließbandprodukte, aber ist daraus „Do it yourself“ geworden: Eine Bewegung, deren Anhänger fleißig am eigenen Kultstatus basteln – und ihre Fertigkeiten per Internet-Filmchen (mit-)teilen.

Die 100 schönsten, skurrilsten, eindrücklichsten Video-Tutorials zeigt jetzt der Hartware MedienKunstVerein im Dortmunder U-Turm. Der Titel der Schau erinnert an die legendäre Buchreihe, die einst Autofreunden Trost und Beistand spendete: „Jetzt helfe ich mir selbst“.

Vom Würmerzüchten bis zum Bierbrauen

Ein 20-Minuten-Strip darüber, wie man Würmer zum Angeln züchtet. Wer schaut denn so etwas? Fast 50 000 Menschen bisher. Oder möchten Sie wissen, wie man eine Zitronenbatterie fertigt? Ei­nen Bleistift richtig anspitzt, sein Haar in der Schwerelosigkeit wäscht? Auf kleinem Raum präsentiert das HMKV die „How to“-Videos, ein Chor des (meist) Überflüssigen, Unnützen – und doch ein Spiegel dessen, was in der Welt und in ihren Bewohnern vor sich geht. Das Team um Kuratorin Inke Arns, darunter Studierende der Universität Witten-Herdecke, hat die Videos gesichtet und informiert auch darüber, wie oft sie bisher gesehen wurden.

Müssen wir uns noch darüber wundern, dass die Kategorie „Styling“ Millionen Klicks zählt? Wie schießt man das perfekte Selfie, wie läuft man auf High Heels – von der Reichweite dieser lebenswichtigen Tipps könnte selbst ein Jean Pütz nur träumen. Der televisionäre Vorläufer der Heimwerkervideos darf aber in Dortmund nicht fehlen: aus der Hobbythek ist „Bier selbstgebraut Teil 1-3“ unter den Top 100.

Über die reine Handwerkskunst hinaus geben viele der ausgewählten Filme Anleitung, die Welt zu verstehen. Da zeigen zwei, „wie man küsst“ – zwei Jungs mit Ohrringen und rasanten Haarschnitten. Das Video „Ev Yapimi Gaz Maskesi“ erläutert den Bau einer Gasmaske aus einer Plastikflasche, Ort und Zeit: Istanbul 2013. Im Hintergrund ist jene Musik zu hören, die die Demonstranten auf dem Taksim-Platz befeuerte.

Oder: Ein Amerikaner „kocht“, indem er zwei verschiedene Nacho-Dips in der Mikrowelle erwärmt, Kategorie „Bildung“. Und tatsächlich lernen wir ja etwas: darüber, was Amerikaner unter Esskultur verstehen. Oder treibt dieser mittelalte, müde aussehende Mann vor seiner Mikrowelle da einen Scherz mit uns?

Eine Anleitung, die moderne Welt zu verstehen

Die Grenzen zwischen freiwilliger und unfreiwilliger Komik, zwischen entlarvender Nabelschau und bewusster Provokation scheinen nicht nur hier fließend. Da gibt eine junge Frau Tipps, wie man glücklich wird – in 4 Minuten und 14 Sekunden versammelt „How to be happy“ die schlimmsten Weisheiten der Hab-dich-Lieb-Ratgeberliteratur. Da plappert ein perfekt zurechtgemachtes Mädchen affektiert daher, kündigt mit kokettem Augenaufschlag ihren ganz persönlichen Schminkkurs an. Und schockt ihre Zuschauer in der nächsten Sekunde mit dem Anblick ihres ungeschminkten Gesichts, das von Aknepickeln entstellt ist. Sie werde sich beeilen, verspricht sie, „damit ihr euch das nicht so lange anschauen müsst“. Dabei ist ihr Video zugleich ein Aufschrei: gegen den Zwang, schön sein zu müssen, um gemocht zu werden.

23 Millionen Menschen haben das Video bisher gesehen: Selbsthilfe für eine Gesellschaft, die an den eigenen Idealen krankt.