Das Paradox wächst

Je weiter die Arbeiten am Berliner Stadtschloss voranschreiten, desto klarer wird der Widersinn: Als Schutzschild gegen den Vorwurf preußenseliger Rückwärtsgewandtheit ziehen im künftigen Humboldtforum nicht nur exotische Sammlungen ein. Es soll ja laut Ankündigung insgesamt ein „einzigartiges Zentrum für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Bildung“ werden, „dem Dialog zwischen den Kulturen der Welt“ verpflichtet sein und sich „um historische wie aktuelle Themen von globaler Relevanz“ kümmern.

Bei einem solchen Programm fragt sich mit jedem Tag, den die Umsetzung näher rückt, ob dafür nicht ein Gebäude angemessener gewesen wäre, das die architektonische Sprache unserer Zeit spricht. Ja, es hätte die Maße des Schlosses haben müssen. Und es hätte auch keiner jener Solitäre werden dürfen, wie sie selbstverliebte Architekten mit dem Vornamen Star allerorten in die Welt setzen. Aber es gibt durchaus Baumeister, die in der Lage sind, moderne Architektur in eine historische Umgebung einzupassen; mit David Chipperfield hat einer von ihnen sogar schon auf der Mu­seums­insel einige einfühlungsstarke Ar­beitsproben abgeliefert.