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Das Museum Folkwang bietet viel Raum für ein Wunder

27.01.2010 | 21:09 Uhr
Das Museum Folkwang bietet viel Raum für ein Wunder

Essen.Das Museum Folkwang wird am Samstag neu eröffnen: einladend, offen nach allen Seiten, transparent, großzügig in seinen Maßen. Ein Anziehungspunkt für die Menschen in Essen, im Ruhrgebiet und weit darüber hinaus. Das noble Haus und seine exquisite Sammlung sind nun eine Adresse von nationalem, ja internationalem Rang.

So fest der Name „Folkwang” in Essen auch mit der Kunst und seinem Museum verbunden ist – so sinnbildlich hat man seine Bedeutung lange nicht erlebt. Folkwang, der nordischen „Edda“-Sage entlehnt, steht für „Halle des Volkes”. Und so soll das neue Museum Folkwang an diesem Samstag nach gut zweijähriger Bauzeit auch wieder für das Publikum eröffnet werden: einladend, offen nach allen Seiten, transparent, großzügig in seinen Maßen. Ein Anziehungspunkt für die Menschen in Essen, im Ruhrgebiet und weit darüber hinaus.

Foto: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPoolEssen

Gemessen am öffentlichen Interesse muss das Museum ein Publikumsmagnet werden. Mehrere hundert Journalisten und ein Stab von Kamerateams waren gestern angereist, um das neue Folkwang in Augenschein zu nehmen. Heute kommen NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Kulturstaatsminister Bernd Neumann zur Besichtigung, bevor das Haus am Wochenende der Öffentlichkeit gehört – bei freiem Eintritt.

Die elegante Architektur des britischen Stararchitekten David Chipperfield, von Kunst- und Architekturkritik gleichermaßen gelobt, steht dabei ebenso glänzend da wie die Museums-Macher und Stadt-Väter, die sich über eine Gabe freuen können, die einmalig ist in der Museumslandschaft. Die 55 Millionen Euro, mit denen die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung den Neubau als alleinige Förderin möglich machte, sprengen jeden Sponsoring-Rahmen. Und wer die Dimension dieses einzigartigen Mäzenatentums erfassen will, ließ sich vom glückseligen Museumschef Hartwig Fischer gestern noch einmal erzählen, wie Kuratoriums-Vorsitzender Berthold Beitz auf Sylt in Gedanken an seine Lieblingsmaler Nolde und Schmidt-Rottluff, an das damals so marode Museum und die desolate Finanzlage der Stadt den entscheidenden Gedanken dachte: „Warum machen wir das nicht selbst?”

Berthold Beitz versteht den Neubau als Geschenk an die Stadt, aber natürlich sind das noble Haus und seine exquisite Sammlung nun eine Adresse von nationalem, ja internationalem Rang. Und weil man in solchen feierlichen Momenten nicht kleinlich sein kann, beschwor man gestern gar das „Wunder von Essen”. Ein Sieg für die Kunst ist es in jedem Fall, die schrittweise wieder einzieht, weil der Altbau bis April für weitere elf Millionen saniert wird. Dort werden die Kunst des 19. Jahrhunderts und der Klassischen Moderne zu Hause sein, allen voran Renoirs berühmte „Lise mit den Sonnenschirm”, nach der in den nächsten Wochen zunächst mancher vergebens Ausschau halten wird. Dazu natürlich van Gogh, Gauguin, Monets und Cezanne.

Einige Hauptwerke finden schon ab 20. März in die Ausstellung zurück, wenn Folkwang „das schönste Museum der Welt” wieder aufleben lässt, eine Rückschau auf die Zeit vor 1937, als die Nazis zahllose Bilder als „entartete Kunst” entfernten.

Ein Haus des Lichts

Bis dahin präsentiert sich das Museum als Haus der Vielfalt. Denn auf 7000 Quadratmetern Ausstellungsfläche kommt endlich wieder zusammen, was wegen Raumnot lange nicht zusammenging: Eine der größten Plakat-Sammlungen in Europa, die das Deutsche Plakat Museum seit Jahren nicht präsentieren konnten, die Graphische Abteilung mit ihren 14 000 Zeichnungen und Grafiken, die von Ute Eskildsen vorzüglich auf- und ausgebaute Fotografische Sammlung, die mit einer Porträt-Schau von August Sander bis Stefan Moses aufwartet.

Die Zukunft Folkwangs, auch das soll die Eröffnung zeigen, liegt dabei nicht nicht allein in der Präsentation alter Meisterwerke, sondern im Erweitern der Sammlung, im Abbilden der Gegenwart.

Neuerwerbungen des 21. Jahrhunderts gesellen sich da zu modernen Klassikern von Mark Rothko, Frank Stella und Gerhard Richter. Sein „Wolkenbild“ atmet nun Luft und Licht dank Chipperfields Architektur, die allein der Kunst gilt. Ein Haus, das selbst leer fasziniert, in Korrespondenz mit der Kunst nun aber mit meisterlicher Zurückhaltung überzeugt. Und wunderbar passt die eiswassergrüne Hülle des klaren, geometrischen Chipperfield-Baus dieser Tage zum Schnee. Folkwang, das ist nun ein Museum, das selbst im Winter zum Haus des Lichts wird.

Martina Schürmann

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