Das Lebensgefühl einer Epoche eingefangen

Hallenberg..  Wer ist eigentlich Linda McCartney? Als jemand, der das Flair der sagenumwobenen sechziger Jahre nicht selber erlebt hat, denkt man bei diesem Namen an die verstorbene Ehefrau von Ex-Beatle Paul McCartney; vielleicht auch noch an eine engagierte Tierschützerin oder die Keyboarderin der Band „Wings“. Stimmt. Unter anderem. Denn Linda McCartney ist noch viel mehr als das.

Durchbruch mit den Rolling Stones

In den „Sixties“ war sie als begnadete Fotografin bekannt. Ein Termin bei den Rolling Stones, bei dem sie bis heute legendäre Aufnahmen machte, verhalf ihr 1966 zum Durchbruch, ein Jahr später traf sie bei der Vorstellung des „Sergeant-Pepper-Albums“ auf die Beatles – danach standen berühmte Rock-Größen der Goldenen Sechziger wie Bob Dylan, Janis Joplin, Jimi Hendrix, Jimi Morrison und viele mehr förmlich Schlange, um sich von ihr ablichten zu lassen.

Dank ihres künstlerischen Talents schuf sie dabei unnachahmliche und ganz private Eindrücke aus einer damals noch unbefangenen Zeit, die erst später den etwas verruchten und gleichzeitig glanzvollen Nimbus von Sex, Drugs and Rock’n’Roll erhielt.

85 dieser Schwarzweiß- und Farbfotos von Linda McCartney sind nun unter dem Titel „The Sixties: Porträt einer Ära“ in Hallenberg ausgestellt. Wenn Hallenbergs Bürgermeister Michael Kronauge nicht die Stadtgeschäfte führt, dann frönt er gerne seinem Hobby, der Förderung von Kunst. Er schafft es immer wieder, teilweise weltbekannte Ausstellungen und Künstler in die kleinen, aber feinen Räume im historischen „Kump“ direkt am Marktplatz zu holen. Jetzt ist ihm mit der Ausstellung von Linda McCartney wieder ein „Coup“ gelungen.

Viele ihrer Bilder wirken beim Betrachten so vertraut und natürlich, als seien sie aus dem eigenen Familien-Album entnommen. Sie zeigen die bis heute verehrten Stars nicht in perfekt für die Kamera inszenierten Posen, sondern in ganz authentischen, ungekünstelten Alltags-Situationen: mal erschöpft oder gelangweilt, ungeschminkt oder sogar verletzlich, mit Freunden am Tisch oder in Pausen, aber auch fröhlich, albern, ausgelassen, erotisch oder in voller Konzentration und leidenschaftlicher Ekstase auf der Bühne.

„Linda hatte ein Gespür dafür, im richtigen Moment den Kamera-Auslöser zu drücken“, hat Paul McCartney einmal über seine Frau gesagt, „sie konnte die Menschen entspannen und hat oft nur einen einzigen Schnappschuss gebraucht.“

Beim Gang durch die Ausstellung springt genau dieser Funke über – zum einen durch Besucher, die die Sixties selber noch als Lebensgefühl in Erinnerung haben und mit glänzenden Augen von ihren Jugenderinnerungen schwärmen. Aber auch auf jüngere Betrachter und nicht so versierte Musikkenner, denn die bislang nur vage bekannten Namen der Stars bekommen nun auf einmal sympathische Gesichter, die Lust darauf machen, sich mit ihnen und ihrer einmaligen Ära zu beschäftigen.