Das Leben endet

Das Karfreitagsgeschehen hat nicht Wundervolles - weder im buchstäblichen noch im übertragenen Sinne: Jesus wird gefoltert, ans Kreuz geschlagen, und er stirbt schließlich einen wahrlich erbarmungswürdigen Tod. Als Verfolgter, als Mensch, offenbar auch als ein Gott-Verlassener. Nein, das ist wirklich nichts Wundervolles, da gibt es nichts zu freuen.

Ein Wunder passiert nicht in diesen Stunden auf dem Berg Golgatha, auch wenn der sterbende Jesus schreit: „Mein Gott, mein Gott! Warum hast du mich verlassen?“ Und so ist der Karfreitag ein durch und durch düsterer Gedenktag. Ein Feiertag, bei dem uns die Lust am Feiern gründlich verdorben wird.

Anders als die Zeugen damals aber ist natürlich unser Blick auch am Karfreitag schon auf das Ostergeschehen gerichtet. Wir wissen also in der Stunde des Todes, dass es eine Auferstehung geben wird. Die Bibel belegt dies mit dem leeren Grab. Darauf können, darauf müssen wir unsere Glaubenszuversicht bauen.

Historische Wahrheit?

Wobei die historische Wahrheit in diesem Zusammenhang gar nicht so eine wesentliche Rolle spielt. Für die einen ist es eine unumstößliche, faktische Tatsache, für die anderen vielleicht lediglich eine bildliche Darstellung, eine erzählerische Interpretation zum einfacheren Nachvollziehen. Fest steht in beiden Fällen: Mit Karfreitag endet das rein irdische Leben. Stellvertretend, demonstrativ und auch grausam.

Der evangelische Theologe und Dichter Jochen Klepper (1903-1942) hat ein bewegendes „Trostlied am Abend“ geschrieben. Die letzte Strophe darin lautet:

„In jeder Nacht, die mich

umfängt,

Darf ich in deine Arme fallen.

Und du, der nichts als Liebe

denkt,

Wacht über mir, wacht über

allen.

Du birgst mich in der Finsternis.

Dein Wort bleibt noch im Tod

gewiss.“
Jochen Klepper schied in der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 1942 freiwillig aus dem Leben. Gemeinsam mit seiner Frau und seiner Tochter, denen die Deportation ins Konzentrationslager drohte. In sein Tagebuch notierte der bezeugende Glaubensmann dazu die letzten Worte:

„Wir sterben nun – ach, auch das steht bei Gott – Wir gehen heute Nacht gemeinsam in den Tod. Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des Segnenden Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben.“