Das Gothic-Magazin "Sonic Seducer" feiert 20. Geburtstag

Der Chef des Sonic Seducer: Verlagsgründer Thomas Vogel.
Der Chef des Sonic Seducer: Verlagsgründer Thomas Vogel.
Foto: Hanja Litzba
Was wir bereits wissen
Schwarz in allen Schattierungen: Die Erstausgabe von "Sonic Seducer" ist vor 20 Jahren erschienen. Gründer Thomas Vogel aus Oberhausen blickt zurück.

Oberhausen.. Manche Subkultur ist schon so lange und weit aus der eigenen Nische herausgewachsen, dass sie längst eigene Stadionfüller hervorgebracht hat. Im Falle der Gothic-Szene etwa Rammstein, Unheilig oder Depeche Mode. Das auflagenstärkste Musikmagazin für Musik mit schwarzem Stempel stammt aus Oberhausen: Der „Sonic Seducer“ feiert in diesen Tagen seinen 20. Geburtstag.

Nun muss man wissen: Wenn man von „Gothic“ redet, umfasst das eine hirnverknotende Vielzahl düsterer Stile. EBM, Industrial, Futurepop, Gothic-Rock, Gotic-Metal, Post-Punk, Düsterpunk, Horrorpunk, New Wave, Darkwave, Coldwave, Neofolk, Mittelalter-Rock, Batcave, Neue Deutsche Härte – und damit sind nicht einmal die wichtigsten aufgezählt.

Festival Was dem „Sonic Seducer“ seit 1995 gelingt: Er bringt all dies in einem Heft unter. Der Mann, dem diese Quadratur des Kreises allmonatlich mit seinem Redaktionsteam gelingt, heißt Thomas Vogel (43). „Ich beschloss damals, mein eigenes Gothic-Fanzine zu gründen, weil es kein Magazin gab, das meinen Musikgeschmack in angemessener Form abbildete. Neben Gothic hatte ich mir auch die neu aufgekommenen Crossover-Bands und Gothic-Metal-Formationen erschlossen.“

Type O Negative als Titelgeschichte der ersten Ausgabe

Vogel hatte den richtigen Instinkt: Er begeisterte sich etwa für die skandalumwitterte US-Band Type O Negative, deren Album „Bloody Kisses“ einen Meilenstein des Düstermetals markiert hatte. Nur waren gerade alle Deutschlandkonzerte und -interviews abgesagt worden. So fuhr Vogel zum ersten Europakonzert nach Belgien, spazierte ungehindert in den Backstage-Bereich – und wurde zum gutgelaunten Sänger Peter Steele geführt, der ihm spontan ein Interview gab. Damit war gelungen, woran die gesamte deutsche Metal- und Indiepresse gescheitert war: Die Type-O-Negative-Geschichte zierte die erste Ausgabe.

Einzelhandel Eine Ausgabe, die Vogel noch selbst aus der Druckerei abholte – das Gewicht zwang seinen VW Derby in die Knie und kostete ihn den Auspuff. Er verteilte das Magazin eigenhändig in großen Musikgeschäften und auch wegen der Exklusiv-Geschichte musste er oft nachliefern.

Fünf Jahre bis zum Durchbruch von „Sonic Seducer“

Es sollte von da an noch fünf Jahre dauern, bis dem „Sonic Seducer“ der echte Durchbruch gelang. Im Dezember 1999 hievte Vogel die finnischen Gothic-Rocker Him mit Sänger Ville Valo auf dem Titel. Der durchtrainierte, tätowierte Jüngling ließ sich dazu auch mit nacktem Oberkörper ablichten. Dass bei diesem Fotoshooting vier Frauenhände gierig nach ihm tasteten, sollte zum Sinnbild werden. Denn kurz darauf ging der Song „Join Me (In Death)“ auf Platz 1, das Album folgte, gerade die weiblichen Fans rissen das Magazin aus den Regalen. „Plötzlich war das Heft ausverkauft. Damals konnten wir viele neue Leserinnen für unser Magazin und auch für die darin enthaltene Musik begeistern.“

Seitdem hat Vogel viele Bands aus dem Reich der schwarzen Musik emporsteigen und wieder versinken gesehen. Davon zeugt auch der Blick auf die Wand des Redaktionsflurs. Dort hängt jede einzelne Titelseite, gerahmt und jeweils vom dort abgebildeten Künstler signiert, worauf Vogel stolz verweist. Nach 20 Jahren wird der Platz dort langsam eng – für die nächste Etappe muss der „Sonic Seducer“ wohl anbauen.

Mehr Infos: www.sonic-seducer.de