Das aktuelle Wetter NRW 8°C
Literatur

"Das Geräusch des Werdens" ist ein aufregendes Romandebut

28.06.2012 | 16:58 Uhr
"Das Geräusch des Werdens" ist ein aufregendes Romandebut
Gestrandet im Berliner Mauerpark: In der Hauptstadt laufen die Fäden in Aléa Toriks Roman zusammen.Foto: dapd

Essen.  Eine Autorin, die sich Aléa Torik nennt und ein Spiel mit ihrer Identität betreibt, schrieb eines der aufregendsten Romandebüts des Jahres. Darin geht es um Liebe auf den ersten Blick und um die Frage, was unser Leben bestimmt: die Herkunft, der Zufall, der Name?

Wer bin ich und wenn ja, stimmt das denn? Das Namenausdenken gehört zum Handwerk jedes Literaten, und manche erfinden sich gleich selbst neu. Pseudonyme sind heute meist klangvoller Selbstschutz für Ausflüge ins Triviale: Die Publizistin Cora Stephan schreibt als Anne Chapelet Krimis, hinter Iny Lorentz versteckt sich ein Ehe- und hinter Anne Hertz ein Schwesternpaar.

Zuletzt mischte ein Krimi von „Jean-Luc Bannalec“ die Szene auf; die „Welt“ ermittelte, dass kein anderer als Jörg Bong, Programmgeschäftsführer des angesehenen S.Fischer Verlags, den süffigen Bretagne-Krimi verfasst haben soll. Er hat nicht dementiert.

Dass ein Pseudonym aber weit mehr sein kann als ein Feigenblatt- Versteck, nämlich Teil eines raffinierten Spiels mit Schall- und Rauchzeichen, beweist eines der aufregendsten Debüts des Jahres. Aléa Torik nennt sich eine, die 1983 in Siebenbürgen geboren sein will, zum Thema Fiktionalität promoviert und ein lesenswertes Blog betreibt.

Ihr Roman „Das Geräusch des Werdens“ erzählt vielstimmig von zwei Welten: dem rumänischen Dorf Marginime und der Metropole Berlin. Im Mittelpunkt steht Marijan, ein blinder Fotograf; das muss kein Widerspruch sein in der phantastischen Welt Aléa Toriks.

Marijan verliebt sich Hals über Kopf in Leonie, deren Vater Valentin wie er aus Marginime stammt, ein Zufall, von dem nur der Leser erfährt. Valentin wollte einst nach Paris, stieg aber versehentlich am Bahnhof Zoo aus und traf dort mit Liv die Liebe. Gleich zweimal gelingt Aléa Torik, eine Liebe auf den ersten Blick vollkommen glaubwürdig scheinen zu lassen. Zauber- und lebhaft entspinnt sie Schicksal um Schicksal in Dorf und Stadt, sinnenfroh und fabulierfreudig geht sie der Frage nach, was das Leben bestimmt: die Herkunft, der Zufall, der Name?

Für das nächste Jahr ist ihr zweiter Roman angekündigt, der Titel lautet: „Aléas Ich“. Wir sind gespannt. Sehr.

Aléa Torik: Das Geräusch des Werdens. Osburg Verlag, 366 S., 19,95 €

Britta Heidemann



Kommentare
Aus dem Ressort
Blaue Stunde zum Herbstanfang auf Poesiepfad im Mühlbachtal
Poesiepfad
„Blaue Stunde“ bei Arnsberg-Rumbeck: Der 38. Poesiepfad im Mühlbachtal steht zum Herbstanfang für eine Stunde der Begegnung, mit der Natur und sich selbst. Die Veranstalter laden zu einer besonderen poetischen Reise ein. Der Rundweg der ausgewählten Lyrik führt dabei ins eigene Innere.
Die Tragik des gestohlenen Lebens
Theater
Stephan Kimmig setzt am Bochumer Schauspielhaus zum Auftakt der neuen Saison Anton Tschechows „Onkel Wanja“ allzu kantenscharf in Szene. Er mag die Bewegung und die Eindeutigkeit. Doch die Darsteller retten die Substanz des Stücks.
Pariser Orangerie zeigt Gemälde von Emile Bernard
Ausstellung
Die Pariser Orangerie zeigt mehr als 100 Gemälde und Papierarbeiten des Malers und Romanautor Emile Bernard. Sie will damit den Künstler rehabilitieren. Denn Bernard stand als Impulsgeber im Schatten Gauguins. "Bernard ist zeitlebens verkannt worden", sagte der Kurator Rodolphe Rapetti.
Tausende Menschen wollen in Bochum den Day of Song feiern
Musik
Der „Day of Song“ bricht Teilnehmerrekorde. In Bochum wollen am nächsten Samstag (27. September) 2600 Menschen singen. Eine zentrale Veranstaltung wird es vor dem Rathaus geben. Das Programm reicht vom Steigerlied bis zur Hymne „Bochum“. Überall in der Stadt wird Musik sein.
Die Magie der alten Meister im Theater-Konzert
Konzert
Es war die Magie der alten Meister: Peter Bursch trat mit seiner All Star Band zusammen mit Streichern der Duisburger Philharmoniker im Duisburger Theater auf. Und es waren die ganz großen Hits, die präsentiert wurden und die das Publikum begeistert aufnahm.
Umfrage
Jeder dritte Deutsche fordert ein Verkaufsverbot für Weihnachtsgebäck im Spätsommer . Und Sie?

Jeder dritte Deutsche fordert ein Verkaufsverbot für Weihnachtsgebäck im Spätsommer . Und Sie?