Das Berliner Betonschloss

Berlin..  Der Rohbau steht, Mitte Juni ist Richtfest: Das Berliner Schloss nimmt zügig Gestalt an. 2019 soll in seinen Mauern das „Humboldtforum“ eröffnet werden, bislang fehlt jedoch noch ein Großteil der Spenden für die millionenschwere Barock-Hülle. Obwohl das private Geld heute besser fließt als zu Baubeginn, fürchten Kritiker, dass am Schluss die Steuerzahler die Finanzlücke schließen müssen, damit aus dem Beton-Koloss ein Preußenschloss wird.

Die Schlossfreunde lassen sich davon nicht beirren: „Beim Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche kamen zwei Drittel der Spenden im letzten Drittel der Bauzeit.“ Der oberste Spendensammler, Wilhelm von Boddien, hat mit seinem Förderverein Berliner Schloss im letzten Jahr über 15 Millionen Euro eingesammelt. Seit der 35 Meter hohe Rohbau aus der Baugrube wächst, regt das Schloss die Fantasie an – und die Geldströme. Zum Vergleich: Im vorletzten Jahr flossen neun Millionen Euro, im Jahr davor fünf Millionen. Boddien traut sich inzwischen sogar zu, nicht nur die barocken Fassaden, sondern auch die historische Kuppel und die Innenportale mit Spendengeldern nachbauen zu können. Bei der Frauenkirche kamen am Ende mehr als 100 Millionen Euro zusammen – in Berlin haben sie das Spendenziel jetzt auf 105 Millionen Euro erhöht. Das wäre ein Sechstel der Gesamtkosten.

Steuer-Geld – oder weniger Barock

Auch die vom Bund mit dem Schlossbau beauftragte Stiftung verbreitet Zuversicht: „Wir gehen davon aus, dass wir das Spendenziel am Ende erreichen“, sagt Stiftungssprecher Bernhard Wolter. In den nächsten Wochen sollen die ersten Sandstein-Elemente für die Fassaden angeliefert werden, im April startet eine bundesweite Werbekampagne. Um die Idee des Humboldtforums zu erklären und neue Spender zu rekrutieren. Anzeigen, Plakate und Werbefilme werden eine halbe Million Euro kosten – Geld, das nicht aus dem Spendentopf und nicht aus dem Etat für den Schlossbau stammt, sondern aus den Mitteln der staatlichen Stiftung, wie Wolter betont.

Doch was, wenn das nötige private Geld für die barocke Hülle nicht zusammenkommt? Der letzte Bericht für die Haushaltspolitiker im Bundestag schließt das nicht aus, im Gegenteil: Bis Ende 2014 waren neben etlichen Sachspenden erst gut 15 Millionen Euro von den geplanten 80 Millionen für die Fassaden verbucht; dazu kamen knapp neun Millionen für die historische Kuppel und Innenportale – ein Drittel des Gesamtpreises. Falls im weiteren Verlauf nicht genügend Spenden zur Verfügung stehen sollten, „könnte es zeitweise zu einer Unterdeckung der Gesamtfinanzierung kommen“, heißt es im Bericht. Und dann?

Niemand wird sich am Ende mit einem halbfertigen Schloss blamieren wollen. Doch der Bauherr ist nicht so unvorsichtig, jetzt schon öffentlich über einen Plan B, eine Ausstiegs-Strategie nachzudenken. Das könnte zögernde Spender bremsen. Dabei gibt es im Ernstfall nur zwei Möglichkeiten: Frisches Geld aus dem Steuertopf – oder weniger Barock am Schloss.

Die Grünen beobachten den Schlossbau deswegen mit Skepsis: „Ich habe große Zweifel, ob die Stiftung das Spendenziel am Ende erreicht“, sagt Sven-Christian Kindler, Haushaltsexperte der Partei. Der Bauherr müsse sich einen Plan B überlegen. Doch das dürfe nicht der Bundeshaushalt sein. „Die Steuerzahler dürfen auf keinen Fall für zusätzliche Luxuselemente bei einem so fragwürdigen Prestigeobjekt die Zeche zahlen.“

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