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Darstellerduell in der Trümmerwüste

24.01.2015 | 00:11 Uhr

Bochum. Viel Hoffnung steckt nicht in den düsteren Stücken von Sarah Kane. Ihr Debüt „Zerbombt“ hat Regisseur David Bösch am Schauspiel Stuttgart eingerichtet, im Austausch mit einer Bochumer Produktion ist die Inszenierung nun in den Kammerspielen zu sehen. In der Hauptrolle: Maja Beckmann, seit knapp zwei Jahren am Neckar engagiert.

Sarah Kane stand in den 90ern für junges, radikales Theater mit drastischen Gewaltbildern. „Zerbombt“ schrieb sie unter dem Eindruck des Massakers von Srebrenica. Kurz nach Kanes Selbstmord 1999 war das Stück schon mal in Bochum zu sehen und löste bei einigen Zuschauern mit derben Gräueltaten und Blutfontänen leichte Übelkeit aus.

Heute geht David Bösch subtiler ans Werk. Statt die Gewalt platt abzubilden, spürt er dem Schmerz der Figuren nach und blendet die beiden im Stück dargestellten Vergewaltigungen aus. Das ist trotzdem nicht „Kane light“, weil der Horror im Kopf der Zuschauer weiter lebt.

Besonders packend gelingt ihm die erste Hälfte. Als derangiertes Pärchen Cate und Ian liefern sich Maja Beckmann und der starke Robert Kuchenbuch ein Darstellerduell auf hohem Niveau. Die Szenen einer kaputten Ehe gipfeln in Hass, Quälerei und der kompletten Zerstörung: Zentner von Bauschutt machen aus der Bühne eine Trümmerwüste. Der Auftritt des namenlosen Soldaten, den Manolo Bertling als überraschend zartes Kerlchen gibt, markiert den düsteren Wendepunkt.

Mit Brit-Pop, Nebel, viel Getöse und drei exzellenten Schauspielern zeigt Bösch den Theaterschocker als surrealen Alptraum und verschenkt trotz empfindsamer Handschrift nichts von der radikalen Wut. Starker Tobak, stark gespielt.

Sven Westernströer

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2015-01-24 00:11
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