Cyber-Mobbing ohne Ausweg bei Anne Will
20.10.2011 | 07:30 Uhr 2011-10-20T07:30:00+0200
Essen.Wie kann man Kinder vor Hetze im Internet schützen? Nach dem schockierenden Fernsehfilm „Homevideo“ diskutierte Anne Will mit ihren Gästen über die Folgen von Cyber-Mobbing. Wohl aber Vorbeugung, wenn man es richtig macht. Empörte Pamphlete und feurige Plädoyers blieben aus. Stattdessen bleibt eine große Ratlosigkeit – auf dem Podium und beim Publikum.
Ganz still ist es im Studio, als Anne Will ihre Zuschauer am Mittwochabend begrüßt. „Wir machen Dich fertig – Mobbing im Internet“ ist das Thema. Die Diskussionsteilnehmer blicken ernst in die Runde. Denn auch wenn die von der ARD vorgeschaltete Fernsehproduktion „Homevideo“ eine extrem drastische Geschichte erzählt, von einem Jugendlichen, dessen privater Film ins Internet gerät, der schließlich Selbstmord begeht: Cyber-Mobbing ist kein medial überdrehtes Thema, das nur aus Sensationsgier auf allen Kanälen erscheint. Es ist ein Thema, das viele Eltern in Deutschland beunruhigt .
Michael Winterhoff, Kinder- und Jugendpsychiater, bringt es gleich zu Beginn der Sendung auf den Punkt: „Cyber-Mobbing bietet einen neuen Raum für alte Auffälligkeiten.“
Hänseleien hat es immer schon gegeben. Der eine hatte die falschen Klamotten, der andere eine krumme Nase. Kinder können grausam sein, diese Erkenntnis ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Doch die Unterhaltung zeigt, dass die Dimensionen von Mobbing sich geändert haben.
Behörden zu beschäftigt?
Der Anwalt für Medienrecht Christian Schertz weiß über viele Fälle aus seinem Berufsalltag zu berichten. Es sei nach wie vor schwer, juristisch gegen Rufmord im Internet vorzugehen. Nicht, weil das Internet ein „rechtsfreier Raum“ sei, sondern weil die Behörden mit anderen Dingen beschäftigt seien, „wie dem Schützen von Urheberrechten.“ Bei einer Straftat stehe schließlich das öffentliche Interesse im Vordergrund, und ein Ermittlungsverfahren werde nur dann eingeleitet, wenn die Betroffenen selbst zur Polizei gingen.
Lisa Loch hatte Erfolg: Die heute 26-jährige nahm 2001 an einer Misswahl teil. RTL berichtete von der Veranstaltung, der Beitrag fiel in die Hände von Stefan Raab – und kurze Zeit später machte er sich in seiner Sendung „TV Total“ über ihren Namen lustig. Mit dem Satz „Mein Name ist Lisa Loch und ich bin 16 Jahre alt“ wurde sie zum Gespött im Fernsehen, in der Schule, in ihrem gesamten sozialen Umfeld. Sie zog vor Gericht. 70 000 Euro Schmerzensgeld bekam sie zugesprochen.
„Natürlich hat der Rückhalt meiner Familie mir sehr geholfen, aber vor Gericht Recht zu bekommen, zu beweisen, dass hier Unrecht geschehen ist, das hat mir sehr gut getan.“ Mehr Zuspruch von ihren Lehren hätte sie sich gewünscht, sagt Lisa Loch. „Soziale Kompetenz sollte doch eine Grundvoraussetzung für jeden Lehrer sein“.
Der Mann, der Schüler fit macht
Wolfgang Kindler hat diese soziale Kompetenz. Zumindest trainiert der Lehrer aus Recklinghausen seine Schüler in einer freiwilligen Anti-Mobbing-AG. Ein kurzer Einspieler zeigt, wie er mit seinen Schülern über „Homevideo“ diskutiert. Auf Augenhöhe, in einem Rollenspiel. Das einzige Mittel, das Kinder und Jugendliche vor Attacken aus dem Internet schützen kann, sei der Unterricht in Medienkompetenz.
Das meint auch Anke Domscheit-Berg, die ansonsten mit ihrer Meinung recht allein dasteht. Sie plädiert für ein freies Netz, berichtet, dass auch sie viele bösartige Kommentare über sich lesen muss. Und darüber hinwegsehen kann. Der Unterschied: Sie ist kein Kind, kein Teenager, der sich allein gelassen fühlt.
Wer glaubt, bbing sei nichts als ein inflationär gebrauchter Begriff für eine Modeerscheinung, hat spätestens bei der Geschichte von Manuela Horn einen Kloß im Hals. Ihr Sohn Joel nahm sich das Leben. Mit dreizehn Jahren. Ein bislang nicht ermittelter Täter hatte Joel auf seiner Facebook-Pinnwand übel beschimpft und beleidigt. Eine Situation, mit der der Junge nicht mehr umzugehen wusste. Die platte Argumentation, die Eltern sollten stets überwachen, was ihre Kinder tun, greift hier nicht: Manuela Horn macht nicht den Eindruck einer Mutter, die keinen Zugang zu ihrem Kind hatte. Sie ringt um Fassung, als sie das Schicksal ihres Sohnes erzählt. Und fordert die Politik auf, endlich zu handeln. Ein starker Auftritt.
16:58
Das Internet kann man nicht reglementieren bzw. durch Vorschriften Regeln. Das ist bei Kinderpornographie und anderen Dingen ähnlich.
Das Internet ist eine wilde Wiese, auf der sich auch solche Schuppis bewegen und ihr Unwesen treiben. !!! DAS IST SO !!! und wird sich nur marginal ändern lassen!
Kann Anne Will ja demnächst mit einer Expertenrunde über das Sexualleben der Blaualge diskutieren, wird bestimmt erfolgreicher.
By-by M_B
16:28
Solange die Kiddies jeden Krampf und Pups ins Internet stellen, z.B. bei SchülerVZ wird gegen dieses Problem kaum etwas zu machen sein. Da können Lehrer und Eltern noch so viel über Medienkompetenz predigen. Gib mir mein Smartphone, damit ich in bin.Über die Konsequenzen wird nicht nachgedacht, vielen fehlt ja auch aufgrund des Alters die Reife dafür.
13:33
#6 von fummel: Sie sollten mal Fielmann aufsuchen. Und versuchen Sie bitte nicht, Ihren eigenen Horizont auf andere zu übertragen, auch wenn Sie sich logischerweise nicht vorstellen können, das es noch Menschen mit Niveau gibt. Und jetzt wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei der Gewinnung völlig neuer Einsichten. Nur Mut, für Bildung ist es (fast) nie zu spät...
11:43
#4 an wohlzufrieden
Der einzige Ausweg ist, bei Anne Will abzuschalten,
und dann Stefan Raab einschalten.
Toller Tipp.
10:29
#2 sie haben von den sachen eine ahnung wie ein blinder von farbe.ich bin hausmeister an einer hauptschule .der schüleranteil ist 70% ausländer und der rest deutsche.es ist aber an realschulen und gymnasien noch schlimmer.wenn ich die pausen beobachte komm ich mir vor wie in einem film aus einem amerikanischen knast in der freistunde.es kümmert sich kein lehrer um die zahllosen schlägereien und rempeleien.ein schüler hat mir erzählt das er immer verprügelt wurde ,die lehrer haben ihm gesagt er soll sich verstecken,der vater meinte:da wo die anderen arme haben hast du keine leberwürste.hau drauf und wehr dich.quittung für den jungen, der richter verurteilte ihn zu 50 sozialstunden und gab ihm den tip er soll sich bei probleme an den lehrer oder die eltern wenden.so ist die wirklichkeit.
10:23
Der einzige Ausweg ist, bei Anne Will abzuschalten.
09:45
@ #2
Das Problem ist, dass Teenager so eine starke Persönlichkeit noch nicht haben können. Die reift in diesem Alter erst noch. Mobbing bei Jugendlichen ist nichts, worauf man ein Kind so vorbereiten kann, dass es alleine mit dieser Situation umgehen kann.
09:13
Wie bei anderen Gefahren gilt auch hier, der beste Schutz ist eine Erziehung zu selbstbewussten, starken Persönlichkeiten.
08:37
Ach, das überrascht mich jetzt aber. Sonst hat doch Anne Will mit ihren Experten für jedes Problem dieser Welt eine perfekte Lösung. ;o)