Community hautnah: Kneipe als Kulturgut

Essen. Seit dem Start des Online-Portals DerWesten ist Schwalbenalfred in der Community und dem Forum aktiv. Seine Beiträge, Ideen und Gedichte sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Community. Der ganz private Schwalbenalfred erklärt, was ihn bewegt und warum für ihn die Kneipe Kultur ist.

"Schätzke, wat is hier. Eierlikör?" mit einem kräftigen Handdruck begrüßt uns Schwalbenalfred auf der Terrasse des Irish Pubs in Essen, lacht und rührt Sahne in den Tee. Die Sonne blendet ihn, sodass er mit seinem Stuhl etwas weiter rutscht. Auf die erste Frage, wie er zu seinem Nickname kam antwortet er: "Das war ganz bescheuert. Kam durch ein Bundesliga-Tippspiel. Der Name sollte was mit Fußball zu tun haben." Bei „Schwalbenalfred“ handelt es sich nämlich nicht um einen Kleinroller oder gar einen Vogel, sondern um eine Schwalbe aus dem Fußballjargon. Alfred behielt den Nicknamen, an den er sich schon gewöhnt hatte, dann auch in DerWesten-Community.

Wie Schwalbenalfred zum Westen kam? Das war eigentlich ein Experiment. Als neugieriger Mensch, hatte er mehrere Tageszeitungen abonniert. Um zu schauen, ob er auch ohne Zeitungen auskommen kann, wollte sich eine Zeitungs-Auszeit nehmen und bestellte seine Zeitungen ab. Das Experiment schlug fehl, als er im Netz über das Portal DerWesten stolperte. Er vertiefte sich gleich in die Nachrichten und entdeckte auch schnell die Community.

Essen als Kulturhauptstadt

Alfred nimmt eine Zigarette aus der rot-weißen Schachtel und spielt an dem silbernen Feuerzeug. „Kulturhauptstadt 2010? Kultur hab ich doch schon immer gemacht. Nicht erst 2010.“ Gelebte Kultur nennt er es. Kultur, dazu zählt er ganz besonders die Kneipenkultur. „Einfach mal inne Kneipe gehen und Gespräche an der Theke führen.“ Nur durch das Reden miteinander könne Deutschland sozialer werden. Er zündet die Zigarette an und zieht den Aschenbecher zu sich heran.

Wenn Schwalbenalfred Fremden die Stadt zeigt, dann macht er immer einen kurzen Halt an einem Büdchen. Denn das gehöre zu Essen wie der Grugapark oder die Zeche Zollverein. Heute nenne man das typisch gesellige Miteinander ja Afterworkparty. „Son Quatsch! Diese tollen neuen Erfindungen mit schicken Namen sind nix für mich“, sagt Alfred lachend. Er mag das Bodenständige und lamentiert lieber ganz schnörkellos in der Kneipe um die Ecke über das letzte Spiel seines Vereins Rot-Weiß Essen - so wie es im Ruhrgebiet schon immer üblich war - und trinkt dabei sein Feierabendbier. Das findet er echter und lebendiger.

Einige Passanten grüßen Alfred, einer schlägt ihm auf die Schulter. „Das war ein ehemaliger Puffbesitzer“, flüsterst Alfred, „ist aber schon lange nicht mehr im Geschäft.“ Er zwinkert und zieht an seiner Zigarette. Ein anderer in schwarzer Lederjacke und hellblauer Jeans winkt ihm zu. Das sei der Ire. „Der ist etwas irre, aber nett.“

"Mit nem Köpper ins Wasser"

Woher er so viele vor allem verschiedene Leute kennt? „Ich trau mich einfach“, sagt Alfred, „und mache auch mal ungewöhnliche Dinge. Mein Lebensmotto ist sozusagen: mit einem Köpper ins Wasser.“ So lernt man einfach die interessantesten Leute kennen und erlebt immer wieder Neues. Das muss auch gar nicht weit weg oder teuer sein. Einfach mal die Gedanken spielen lassen und überlegen, was man nie tun würde. Und dass solle man dann einfach mal machen. Meist sei das Leben von Vorurteilen geprägt. Und wie es so oft bei Vorurteilen sei, stimmten sie nicht.

Schwalbenalfred rät jedem mal ein Pfarrfest zu besuchen, auch wenn man kein passionierter Kirchgänger sei. Auch Sommerfeste im Altenheim sind sein Geheimtipp - längst nicht so langweilig, wie man vielleicht vermuten könnte. "Tu was du wirklich willst und veränder auch mal deinen Blickwinkel", das ist der Aufruf, den Alfred startet und wozu er die Menschen ermutigen will.

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