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Comics ohne Sprechblasen

10.09.2009 | 06:43 Uhr
Comics ohne Sprechblasen

Essen. Comic-Strips mit Stimmen und Geräuschen: „Motion Comics” und andere Varianten im Internet machen dem Papier Konkurrenz und erinnern dabei an Zeichentrickfilme, ohne durchgehend animiert zu sein.

Bislang konnten die Comic-Helden dem Fortschritt trotzen und in altbewährter Weise auf Papier daherkommen. Egal, ob sie nun Superman heißen, sich wie eine Fledermaus verkleiden oder unzerstörbare Krallen aus ihren Händen fahren lassen – geredet und gedacht wird in gezeichneten Blasen. Doch nun müssen Spider-Man und Co. erkennen, dass sich der Fortschritt selbst mit Superkräften nicht aufhalten lässt. Das Internet hat eine neue Art von Comics geboren. Papier ist überflüssig, Sprechblasen ebenso, die Zeichnungen sind nicht länger starr. „Motion Comics” nennen sich die bunten Wunderwaffen, mit denen die großen US-Verlage gegen sinkende Heftchen-Verkäufe ankämpfen. Bewegte Bilder, im wahrsten Sinne des Wortes.

Entfernt erinnern die Motion-Comics noch an die klassischen Papierhefte. Doch die nach wie vor statisch erscheinenden Zeichnungen vermischen sich mit Animationen. Da wehen die Haare im Wind, da neigen sich Köpfe. Eine Faust schnellt plötzlich nach vorne, Perspektiven verschieben sich. Sprechblasen, „splash”-, „pow”- und „bang”-Schriftzüge? Fehlanzeige! Synchronsprecher leihen den Charakteren ihre Stimmen, Geräusche kommen aus dem Lautsprecher. Die Comics der neuen Generation erinnern an einen Zeichentrickfilm. Nur ist dieser eben nicht durchgehend animiert.

Nächste Galaxie im Comic-Universum

Seit kurzem vertreibt der DC-Verlag Alan Moores düsteren Comic-Meilenstein „Watchmen” (Warner) als Motion-Comic bei iTunes und auf DVD, mittlerweile auch in Deutschland. Konkurrent Marvel setzt ebenfalls große Hoffnungen (und viele Dollars) auf die Mischung aus Animation und starren Bildern. Die X-Men und die hierzulande eher unbekannte Spider-Woman sind die ersten monatlichen Serien, die für das Internet animiert werden. Zu sehen sind die Episoden dann über iTunes (99 Cent pro Folge) oder mit Werbeunterstützung auf marvel.com. Längst hat der Marvel-Verlag seine Archive digitalisiert und Comicserien nur fürs Netz aufgelegt.

Wie diese zwei Verlage können auch andere Comic-Seiten im Internet ihr Geld nicht mehr mit den Bilderfolgen selbst verdienen: comics.com oder ucomics.com, die auch Klassiker des Genres bieten, setzen auf Werbebanner, auf T-Shirts, Bücher und anderes Comic-Drumherum, das nur einen Klick weiter im Online-Shop angeboten wird. Ebenso „Penny Arcade”, das 1998 im Netz startete. Andere Seiten bieten – mit Erfolg – Comics im Abonnement: Bei moderntales.com etwa kann man sich für 2,95 Dollar im Monat durch die Serien verschiedener Zeichner klicken. So sind die Motion Comics nur die nächste Galaxie im Comic-Universum, in dem auch ein Superman nach wie vor zu Hause ist.

Björn Goldmann

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