Comedy Arts Festival - die mit dem Witz jonglieren
17.07.2011 | 17:38 Uhr 2011-07-17T17:38:00+0200
Moers. Tapfere Zuschauer, die nach fünf Stunden im Regengepladder noch Zugaben fordern – und, bis auf einen einzigen Ausfall, lauter Komödianten der Extraklasse: Das 35. Comedy Arts Festival in Moers riss alle Beteiligten zu Jubel hin.
Was ist schon Stomp? Im Vergleich zu Yllanas neuer Show „Sensormen“ handelt es sich um durchperfektionierte Trommelexperten, die nicht einmal halb so lustig sind wie die Komik-Riesen aus Madrid. Auf die ist Verlass: Wo sie auftauchen, ist Party. So auch beim 35. Internationalen Comedy Arts Festival in Moers, wo sie ihr Programm als Deutschland-Premiere zeigten – und mit stehenden Ovationen gefeiert wurden.
Wozu braucht man ein Schlagzeug, wenn es Stühle gibt, Schuhe, Bühnenboden, den eigenen Kopf und den des Mitspielers oder zur Not auch einen Zuschauer unterm Schutzhelm? Die drei Jungs von Yllana und der Drummer Bulbul droschen auf allem rum, was sich anbot. Mit einer ausgeklügelten Technik verfremdeten sie die Töne manchmal zu einem ganzen Orchester. Und die Truppe kann auch ganz poetisch, wenn sie sich in Mönchskutten schmeißen und an Laserstrahlen sphärische Harfenklänge erzeugen. Diese sensationelle Show war sicher der Höhepunkt beim diesjährigen Gipfeltreffen der komischen Künste.
Eine Meisterleistung lieferte aber auch das Publikum ab. Denn während Yllana am Freitag noch im Trockenen trommelt, pladdert am Samstag der Regen unaufhörlich auf die Zuschauer in der Open Air Arena ein – und sie lachen trotzdem. Singen, tanzen und fordern nach fünf Stunden im Feuchtbiotop noch eine Zugabe von Martin O. Der Schweizer ist sich selbst genug, er kann alles: E-Gitarre, Sopran, Bass, Drum, Fanfaren, Singvögel, einen Kirchenchor und eine Autobahn zu Ferienbeginn. Die Vielseitigkeit und die extracharmante Version von „Every Breath You Take“ auf Schwyzerdütsch unterscheidet ihn von vielen anderen, die im Moment auf den Loop-Zug der Soundeffekte aufspringen. Ein würdiger Gewinner des NRZ-Förderpreises.
Der Bochumer Kabarettist Jochen Malmsheimer überzeugte mit seinem Auftritt beim Comedy Arts-Festival derart, dass sich die Jury entschied, ihn mit dem traditionellen „Henriettchen“ auszuzeichnen, dem Preis, der nach dem schönsten Denkmal vom Moers benannt ist.
Neues auf den Markt der Musik-Comedy wirft auch das Klappstuhlorchester: Jonglieren im langsamen Dreivierteltakt zu Jazzmusik des Quartetts Zinco Roman – kein Problem für das Artisten-Duo Spot The Drop. Und niemand sollte meinen, langsamer wäre einfacher.
Langsam zaubert auch Paul Nathan aus San Francisco, lässt ein paar Leute auch ganz nah ran, damit sie gucken können, ob sie vielleicht doch hinter den Trick mit dem verschwundenen Taschentuch und dem zerschnittenen roten Band kommen. Niemals! Der Strippenzieher mit den brennenden Socken ist so perfekt, dass er selbst mit altbackenen Kartentricks die Zuschauer locker in die Tasche steckt.
Wie kamen die da hin?
Da staunte selbst der Moderator Sebastian Pufpaff: „Was so ein kleiner, dicker hässlicher Mann alles kann! Ich glaube, der kann wirklich zaubern. Und dann ist es wieder nicht so toll: Da könnte er auch Autos herbeizaubern statt Karten.“ Pufpaff bewies, dass er trotz Teleshopping-Vergangenheit das Zeug zu einem guten politischen Kabarettisten hat. Beißhemmung hat er jedenfalls nicht. Ebenso wenig wie ZDF-Anstaltsinsasse Jochen Malmsheimer, der gestern noch ein bisschen wortgewaltiger das Publikum schwindelig redete.
Einzig die Heidis, die im Dirndl Hula-Hoop zu Skihüttenmusik tanzten, ließen Fragezeichen zurück. Wie kamen die bloß in ein ansonsten rundes Programm?
Weitere Videos vom Comedy Arts Festival 2011 gibt es nach dem Klick.

23:17
Nee, was war das gestern ein Scheißwetter. 30 Jahre lang habe ich Gück mit dem Wetter beim Comedy Arts gehabt, nur gestern nicht. Aber es ist ja Sommer und der Regen ist warm.