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Comeback des Kunst-Schamanen Beuys

02.09.2010 | 18:32 Uhr
Comeback des Kunst-Schamanen Beuys
Die Ausstellung „Joseph Beuys - Energieplan“ auf Schloss Moyland. Foto: Thorsten Lindekamp / WAZ FotoPool

Moyland.Es geht wieder eine Beuys-Welle durchs Land, ganz ohne Anlass. Einer am Samstag öffnenden Ausstellung auf Schloss Moyland folgen schon bald Retrospektiven des Künstlers in der Kunstsammlung NRW und im Landesmuseum Münster.

Joseph Beuys. Foto: imago

Der florierenden Beuys-Konjunktur nach dem Tod des Kunst-Schamanen im Januar 1986 folgten zuletzt Jahre der Stille. Selbst der Kunstmarkt notierte stagnierende oder sinkende Preise für seine Werke. Doch jetzt geht, ganz ohne einen Jubiläums- oder sonstigen Anlass, wieder eine Beuys-Welle durch das Land, die staunen lässt: In der kommenden Woche eröffnet die Kunstsammlung NRW mit einem Beuys-Paukenschlag ihr millionenschweres „Quadriennale“-Kunstkonzert. Zwei Wochen drauf zeigt das Landesmuseum in Münster Kunst, die sich mit Beuys auseinandersetzt: „Neue Alchemie“.

Und schon am Samstag setzt sich das niederrheinische Museum Schloss Moyland an die Spitze der neuesten Beuys-Bewegung. Während der Kern des Schlosses umgebaut wird, wuchert man in der Vorburg mit den wahren Pretiosen des Hauses: Von den geschätzt rund 25 000 Zeichnungen des Künstlers lagern gut 6000 in den Tresoren der neugotischen Trutzburg – und 212 von ihnen bestreiten nun die Ausstellung „Energieplan “.

Fast immer ein heikles Geschäft

Joseph Beuys, Unbetitelt, undatiert (Datierungsvorschlag 1957), Stiftung Museum Schloss Moyland, © Joseph Beuys Estate/VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Mit den zarten Blättern aus Beuys’ Frühwerk ist gut auftrumpfen. Ihr Rang ist unbestritten. Jean-Christophe Ammann, der die Moyländer Ausstellung federführend kuratiert hat, ist sogar sicher: „Joseph Beuys ist der größte Zeichner des 20. Jahrhunderts.“ Dagegen ist die Ausstellung von Beuys-Installationen und -Aktionsreliquien fast immer ein heikles Geschäft. Ihnen fehlt die Aura des Originals. Und um ihnen gerecht zu werden, ist eine Ausstellung eigentlich das falsche Format, es müssten mindestens Seminare mit integrierter Filmvorführung sein. Nicht von ungefähr fragte jüngst eine kluge Vortragsreihe der Kunstsammlung NRW fast zaghaft: „Beuys ausstellen?“

Bei den Zeichnungen gibt es dagegen nur eine Schwierigkeit – das 50-Lux-Hindernis. Jean-Christophe Ammann spricht von „Tangostimmung“ und „Novemberlicht“. Um die mit Bleistift, Wasserfarben oder Tusche ohnehin oft zag und zart aufs Blatt gehauchten Werke vor dem Dahinbleichen zu bewahren, muss die Beleuchtung gedämpft werden. Zumal sich der Beuys’sche Kreativitätsstrom auf alles ergoss, was nicht rechtzeitig weglaufen konnte: karierte wie linierte Hefte, Kaffeetüten, Paris-Reiseführer, Zeitungsseiten und Transparentpapier.

Soziale Wärmeprozesse

KATALOG
Auf dem Weg zum Sammlerstück

Der Katalog zur „Energieplan“-Ausstellung ist auf dem besten Wege zum gesuchten Sammlerstück. Wegen des anhaltenden Streits Moylands mit dem Rechte-Verwerter VG Bild und den Beuys-Erben darf der Katalog nur verkauft werden, solange die Ausstellung läuft. Das gewichtige Werk von zwölf Beuys-Experten mit 100 Farbabbildungen von teils unveröffentlichten Zeichnungen kostet in der Ausstellung 39 Euro. Online kann es nur zusammen mit einer Eintrittskarte bestellt werden für 42,50 Euro.

Die „Energieplan“-Schau ist nicht gerade ein Menü von „Leckerbissen“, von denen es unter den frühen Zeichnungen von Beuys viele gibt. Die Arbeiten sind nach Themen wie „Aberglaube“, „Christuskraft“ oder „Soziale Wärmeprozesse“ gruppiert. Und es stimmt, dass der Schlüsselbegriff des „Energieplans“, den Moyland jetzt mit Macht in die Mitte rückt, von der Gemeinde der Beuys-Deuter bislang unbeachtet blieb. Am Ende aber schließt auch er nur ein Werk auf, das eine ganzheitliche Weltumarmung spiegelt.

Beuys fühlte mit dem Hirn und dachte „sowieso mit dem Knie“, wie er selbst behauptete. Auch in den Moyländer Zeichnungen wird alles eins, die wunderbaren „Hasen im Schnee“ mit dem „Aggregat“ und dem „Labor“. Oder „Dschingis Khans Zweite Flagge“ (Beuys hatte Witz!) mit Zeichnungen zu einem Auschwitz-Mahnmal und einer „Allegorie des Denkens“, die im Brustkorb eines Menschen einen Obelisken erstrahlen lässt.

Und ein paar „Leckerbissen“ voller sinnlicher Wucht, wie Beuys sie gerade mit sparsam aufgetragenen Wasserfarben aufs Papier zaubern konnte, bietet die Ausstellung selbstverständlich doch: Da ist das unbetitelte, feuerrot leuchtende Elch-Blatt, da sind „Mann und Frau“, die mit verdünnter Beize, Bleistift und Deckweiß einen ganzen Roman erzählen, und da ist das hinreißende Wasserfarbenblatt, auf dem fünf Tulpen und tanzende Schemen beweisen, dass es eben doch Feen und Elfen gibt.

  • Beuys: Energieplan. Schloss Moyland (Am Schloss 4). Bis 20. März 2011, Eröffnung: 4. September, 18 Uhr. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 11 bis 18 Uhr, samstags und sonntags 10 bis18 Uhr, ab 1. Oktober nur bis 17 Uhr.

Jens Dirksen

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Kommentare
08.09.2010
19:05
Comeback des Kunst-Schamanen Beuys
von hez | #5

Ich habe noch ein paar Fettreste.
Sind schon etwas ranzig.

03.09.2010
14:31
Comeback des Kunst-Schamanen Beuys
von ruhrpottfan | #4

comeback für wen?
für einige wenige kunstkundige die sich dei präsentationen aber von der allgemeinheit bezahlen lassen?
kunst kommt von können.
boys-kunst ist müll.

03.09.2010
11:54
Blockierter Kommentar.
von Silvia_Bogdanic | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

02.09.2010
21:31
Blockierter Kommentar.
von joker48 | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

02.09.2010
21:05
Comeback des Kunst-Schamanen Beuys
von CaptainWillard | #1

Tut mir ausgesprochen leid.

Mit den zarten Blättern aus Beuys’ Frühwerk ist gut auftrumpfen. Ihr Rang ist unbestritten. Jean-Christophe Ammann, der die Moyländer Ausstellung federführend kuratiert hat, ist sogar sicher: „Joseph Beuys ist der größte Zeichner des 20. Jahrhunderts.

Das ist völliges Pseudo-Kulturjournalisten-Gequatsche.

Der größte Zeichner des 20. Jahrhunderts war Otto Pankok. Einer der Professoren an der Düsseldorfer Kunstakademie, der überhaupt nichts von B. hielt und dem damaligen Wissenschaftsmininster Rau (Johannes Rau) empfohlen hat, den Filzhut rauszuwerfen.

Danach kommt einer der bedeutendsten Schüler von Otto Pankok. Günter Grass.

Ja - der Literaturnobelpreisträger.

B. war kein Schamane -B. war ein Scharlatan. Wer daran zweifelt, kann die 5 Euro Eintritt in Moyland berappen und sich persönlich überzeugen.

Jesus zerbricht das Gewehr Otto Pankok.

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