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Clueso begeistert mit purem Pop-Genuss im Park

16.09.2012 | 13:50 Uhr
Begeisterte 15.000 Fans im Westfalenpark: Clueso.Foto: Franz Luthe

Dortmund.   Der Erfurter und seine Band erfreuen 15.000 Fans im Westfalenpark mit unendlicher Spielfreude und überraschenden Neu-Interpretationen seiner erstklassigen Songs. Alles in allem ein wunderbarer Konzertabend!

„Das haut mich völlig aus den Latschen. Ich bin total geflasht“, sagt Clueso ins Mikrofon. Mit glänzenden Augen blickt der sichtlich beeindruckte Erfurter auf die rund 15.000 Zuschauer im Westfalenpark, die ihn mitunter frenetisch feiern. Wie hätte er seinen Konzertsommer auch besser ausklingen lassen können, als mit dem größten Solo-Auftritt unter freiem Himmel in seiner knapp zehnjährigen Karriere. Und auch bei den Anhängern bleibt an diesem Abend kaum ein Wunsch offen. Bekommen Sie doch satte zweieinhalb Stunden lang ein erstklassiges Pop-Programm geliefert, das gespickt ist mit bekannten Radio-Hits.

Zum Start gleich voller Druck

Gleich zu Beginn machen Clueso und seine sechsköpfige Band alles richtig, indem sie mit druckvollen Nummern wie einer Rock-Funk-Version von „Keinen Zentimeter“ starten, so dass die Fans gegen die abfallenden Temperaturen in der Abenddämmerung antanzen können. Mehr Jan Delay als Philipp Poisel, mehr diskotauglicher Entertainer als verträumter Schmusebarde, lautet die Erfolgsstrategie des 32-Jährigen.

In seinen Werken schafft er es zudem, nur schwer überwindbare Gegensätze zu vereinen. Denn die Stücke sind durchweg tanzbar und offenbaren dennoch einen seltenen Tiefgang. Treibenden Beats und Gitarren stehen eine Posaune, die die pure Sehnsucht intoniert, sowie Cluesos charismatisch-sensible Stimme gegenüber. Die Melodien setzen sich sofort im Gehörgang fest, ohne dass dafür abgegriffene Harmoniefolgen vonnöten sind.

Glaubhafter Clueso

Nach Hits wie „Beinah“ oder „Straßen sind leer“ vom aktuellen Album „An und für sich“  fallen Clueso schnell die Sympathien des gesamten Parkpublikums zu. Dabei kommt ihm zugute, dass er so glaubhaft wie kaum ein anderer deutscher Künstler den„Netten Jungen von Nebenan“ verkörpert. Wenn er etwa ein verdutztes „Ach, ihr könnt mich sehen“säuselt, als er die beiden Video-Leinwände neben der Bühne registriert, kommt das kein Stück weit aufgesetzt rüber. Und auch als er eine Textpassage vergisst und das eigene Malheur spontan in neuen Versen verarbeitet, bringt das ein Lächeln statt eines Stirnrunzelns in die Gesichter der Fans.

Fans feiern Clueso

Diese Authentizität begleitet Clueso ebenso, wenn er seine feinsinnigen Texte singt oder rappt. „Lasst uns in die Musik reinkrabbeln und dann alles rauslassen“, ruft er dem Auditorium sein Credo zu. Dabei ist es ihm zu einfallslos, auf der Bühne einfach nur seine CD-Inhalte herunterzuspulen. Vielmehr interpretiert er seine eigenen Stücke mitunter völlig neu. So kommt „Mitnehm“ im Reggae- Dancehall-Gewand daher und „Cello“ muss ganz auf das gleichnamige Saiteninstrument verzichten. Mit Glanzpunkten wie „Gewinner“ steuert Clueso das Set dann souverän auf die Zugabe zu, die von einer beachtlichen La-Ola-Welle eingeleitet wird.

XXL-Zugabe instrumental-lastig

Wollte man überhaupt nach einem Haar in der feinen Konzertsuppe fahnden, so könnte  man allenfalls auf die etwas langatmigen Instrumental-Parts während der XXL-Zugabe verweisen, die die virtuosen Fähigkeiten seiner Mitstreiter in den Scheinwerfer-Kegel rücken. Alles in allem bot der Erfurter jedoch eine ähnliche Unterhaltungsqualität, wie die schwarz-gelben Kicker im nur wenige hundert Meter entfernten Stadion - ein glatter Sieg.

Marc Wiegand



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