„China 8“-Mammutschau zeigt Hintergründiges in Tusche und Öl

In der Kunsthalle Recklinghausen zu sehen: Zhou Zixis Gemälde "Xiaogang Grotto 001".
In der Kunsthalle Recklinghausen zu sehen: Zhou Zixis Gemälde "Xiaogang Grotto 001".
Foto: China 8
Was wir bereits wissen
"China 8", das größte Gegenwartskunst-Panorama weltweit, läuft in Museen an Rhein und Ruhr. In Recklinghausen und Gelsenkirchen gibt's Experimente und Kritik.

Gelsenkirchen/Recklinghausen.. Von den neun „China 8“-Ausstellungen sollte man pro Tag mindestens zwei besuchen, und eine der sinnvollen Kombinationen wäre die Fortführung der Tuschmalerei in die Gegenwart im Kunstmuseum Gelsenkirchen und die aktuelle Malerei in der Kunsthalle Recklinghausen.

Die experimentierfreudigeren Werke sind in Gelsenkirchen zu sehen. Das fängt bei tropfenförmigen Schlieren aus schwarzem Porzellan an, die hier über zwei Etagen wie Tränen oder aufgelöste Schriftzeichen an der Wand herunterzutropfen scheinen. Und das hört mit kalligrafisch überschriebenen Nackt-Fotos nicht auf. Yang Yongliang nutzt Video-Bildschirme und baut darauf eine scheinbar traditionell gezeichnete Felsen- und Fluss-Landschaft aus Wolkenkratzern und modernem Großstadtgetriebe zusammen; nach siebeneinhalb Minuten verschwindet sie wieder in dem Nebelqualm, aus dem sie aufgetaucht war.

Tradionelle Malerei, Tuschzeichnungen und Collagen

Xu Bing spielt ebenfalls mit traditioneller Malerei – die bräunlichen und bläulichen Schimmer seiner idyllischen Landschaft auf einem sechs Meter breiten Leuchtkasten stammen von Plastiktüten, von Zivilisationsmüll, wie man feststellen kann, wenn man den Leuchtkasten von hinten einsieht.

Da sind aber auch die hauchzarten Tuschzeichnungen in surrealer Manier oder die Straßenbarbiere von Peking, die fast fotorealistisch auf eine Handrolle gezeichnet sind. Technische Perfektion und Witz sind schließlich vereint in Shao Fans „Portrait“ eines grimmigen Hasen mit sehr menschlicher Haltung. Ausstellung

Im „Panorama der Malerei“ in Recklinghausen wiederum verblüffen weniger die abstrakten Positionen als vielmehr die überquellenden, überdeutlichen Warenwelt-Collagen eines Yue Minjun oder der „Peking-Platz“ von Lv Sanchuan, dessen bewegte Demonstrationsmassen wahrscheinlich nur in der spätestimpressionistischen Malweise überhaupt darstellbar waren. Abstrakte Farbfeldvariationen oder kühl realistische Raumerkundungen wirken wie Variationen westlicher Muster. Zhou Zixis hintergründig-realistische „Grotten“-Gemälde aber thematisieren Verfolgung, Unterdrückung, Exekutionen – mutig.