Chaplin und Churchill werden im Roman zu Freunden

Komiker Charlie Chaplin (l.) und Staatsmann Winston Churchill hatten einen gemeinsamen Feind: den „schwarzen Hund“, die Melancholie.
Komiker Charlie Chaplin (l.) und Staatsmann Winston Churchill hatten einen gemeinsamen Feind: den „schwarzen Hund“, die Melancholie.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Michael Köhlmeiers Roman macht Chaplin und Churchill zu Freunden. In seinem neuen Buch „Zwei Herren am Strand“ spürt der Österreicher einem bizarren Bündnis zwischen dem Komiker und dem Staatsmann nach. Alles beginnt mit einer Strandparty im Santa Monica des Jahres 1927. Wie nahe sich die beiden in der Wirklichkeit gestanden haben, bleibt offen. Es gibt aber ein Foto, das belegt, dass sie sich wirklich kannten.

Essen.. In Michael Köhlmeiers Roman „Abendland“ hatten Charlie Chaplin und Winston Churchill darin nur einen kurzen Auftritt. Schade eigentlich, dachte sich der Österreicher, der von den Lebensläufen der beiden so gebannt war, dass er jetzt noch mal nachlegt. In seinem neuen Roman „Zwei Herren am Strand“ spürt er einem bizarren Bündnis zwischen dem Komiker und dem Staatsmann nach.

Bei einer Beach-House-Party in Santa Monica im Frühjahr 1927 fliehen die beiden vor dem Trubel an den Strand und lernen sich kennen. Chaplin hat nach der Scheidung von seiner Frau Lita einen Rosenkrieg hinter sich, Churchill ist kein Schatzkanzler mehr. „Sind Sie krank?“, fragt Churchill. „Sehe ich so aus?“, entgegnet Chaplin. „Wie sehe ich aus?“ Darauf Churchill: „Wie ein Mann, der an Selbstmord denkt.“

Beide leiden sie am „schwarzen Hund“, der Depression. Schon im Alter von sechs Jahren spielte Chaplin ebenso wie Churchill mit dem Gedanken, sich selbst umzubringen. Die ganze Vitalität, all die Lebensfreude, wie Churchill es im Buch ausdrückt, ist nur „Disziplin gegen den Tod“.

Vereint im Kampf gegen Hitler

Mehrmals treffen sie in den folgenden Jahren aufeinander. In New York, in Biarritz, in London. Gemeinsam kämpfen sie gegen Hitler, „der eine mit Lachen, der andere mit Krieg“.

Kino Eine unglaubliche Geschichte. Aber Michael Köhlmeier erzählt sie derart überzeugend, dass man ihm jedes Wort glauben möchte. Er schildert die schwere Kindheit der beiden. Vertieft sich mal mehr in die Biographie von Chaplin, mal mehr in die von Churchill, bevor er sie wieder aufeinandertreffen lässt. Und er tut das in einer objektiven Sprache, die eher an ein Sachbuch erinnert. Dadurch erscheint alles noch viel authentischer. Köhlmeier führt seine Leser an der Nase herum.

Was es mit der seltsamen Männerfreundschaft zwischen Chaplin und Churchill am Ende wirklich auf sich hat, ist schwer zu beurteilen. Ein Foto aus dem Jahr 1929 belegt, dass sie sich kannten. Was darüber hinaus Realität, was Fiktion ist, bleibt unklar. Auf dem Buch stehe „Roman“, sagt Köhlmeier selbst: „Dass muss genügen.“

  • Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand. Hanser, 254 S., 17,90 €