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Weihnachtsmusik

CD-Tipps zu Weihnachten - Lautes für die Stille Nacht

07.12.2012 | 19:41 Uhr
CD-Tipps zu Weihnachten - Lautes für die Stille Nacht
Von wegen Stille Nacht: Mit Pauken und Posaunen klingt es allerorten in der Weihnachtsnacht.Foto: Getty

Essen.   Gerade zeitig zum Fest meldet die Musikindustrie, dass die CD nach wie vor das beliebteste Medium ist, um Musik zu verschenken. 69 Prozent aller Musik-Schenker wollen auf den Silberling zurückgreifen, ist ja auch schmucker als ein Streaming-Gutschein. Wir hätten da ein paar Vorschläge, wie das klingen könnte.

Uuuuuh, die Tanne ist voll, huh, huh, huh, Honey! Bei der Kombination John Travolta und Olivia Newton-John denkt man an den Hit aus „Grease“. Tatsächlich findet „You’re The One That I Want“ hier einen Nachfolger in „I Think You Might Like It“, ein fröhliches Weihnachtslied mit Glöckchen und Travoltas bescheidenem Organ. Weitere Gäste auf „This Christmas“ (Universal): Barbra Streisand, Tony Bennet und Chick Corea.

Kuschelrock Christmas 2012 (Sony) rockt auf drei CDs zwar fast nie, kuschelt aber auch nur selten mehr als saisonal angemessen. Wie wär’s mit Pop zum Weihnachtsputz (von Maria Mena bis Michael Jackson), Oldies von Frank Sinatra oder Dolly Parton zum Plätzchenbacken und Klassik zwischen Montserrat Caballé und Yo-Yo Ma zum Auf-die-Kerzen-Starren?

Was wäre die Weihnacht ohne Liliputaner-Elfen, Irokesen-Nikoläuse und Stripper-Engel? Gut, dass es Twisted Sister gibt! Die trashbeladenen Powerlocken-Metaller haben ihre Fest-Travestie „A Twisted X-Mas Live In Las Vegas“ (Eagle Vision)auf CD und DVD gebannt. Sie singen „White Christmas“, „Satan Claus!“ und ein Stoßgebet zum Fest: „We’re Not Gonna Take It“.

Puderzuckerweihnacht

Thomas Anders singt Englisch; erwartbar seicht, aber nicht zu süßlich für seine Verhältnisse. „Christmas For You“ (EMI) schielt auf den internationalen Weihnachtsmarkt und wärmt „Last Christmas“ auf. Es gibt Schlimmeres. Das finden wir auf der Bonus-CD, auf der wir die deutsche Sprache hassen lernen. Anders rezitiert den „Tannenbaum“ von Hans-Christian Andersen. Ein wahrer Nikograus!

Wenn Sie zu den Familien gehören, die sich auf kein Lied einigen können, hilft auch „Weihnachten in deutschen Stuben“ (Universal) nicht. Wo eben noch Thomaner sangen, röhrt plötzlich der 100-jährige (!) Jopie Heesters „O du fröhliche“. Welch bunter Teller: Hermann Prey neben Nana Mouskouri, der große Bach neben „Ave Maria“ vom Knödelmarkt der Tenöre. Über Geschmack lässt sich streiten, Weihnachten besonders.

Die hübschen Rotschöpfe von Celtic Woman sind der musikalische Inbegriff einer irischen Puderzuckerweihnacht. Dennoch findet man auf jedem ihrer drei Weihnachtsalben einen perfekt arrangierten Song, im Fall von „Home For Christmas“ (EMI) das Traditional „We Three Kings“, das herzerweichend ist. Grässlich hingegen: das durch Boney M. bekannt gewordene „Mary’s Boy Child“.

Briefe an den Weihnachtsmann

Wie schön, dass Heinrich VIII. nicht nur Gattinnen beseitigt hat, sondern auch zum Komponieren noch Zeit fand. Sein „Green Grows the Holly“, interpretiert von Calexico, ist emotionaler Höhepunkt von „Christmas Rules“ (Universal). Das sind 17 Stücke von zumeist jüngeren Künstlern (fun., The Shins), mal jazzig, mal mit Country-Einschlag, immer aber kuschelig entspannt.

Ein Ausreißer in der Reihe, aus gutem Grund: Auch in diesem Jahr haben The Killers eine Weihnachtssingle aufgenommen. Das tun die Mormonenrocker seit vielen Jahren. „I Feel It In My Bones“ (Universal) ist der coolste Weihnachtssong 2012. Aufgebaut wie ein Brief an den Weihnachtsmann, bei dem sich das ungezogene Kind entschuldigt, weil es von Alpträumen geplagt wird.

Ein Herz voller Soul

Wer hätte gedacht, dass Rod Stewarts samtenes Reibeisen so vielseitig einsetzbar ist? Auf „Merry Christmas, Baby“ (Verve/Universal) singt er jazzig und verswingt „Winter Wonderland“ mit Michael Bublé, wird schön soulig mit Mary J. Blige beim strahlend schönen „We Three Kings“. Und funkig groovt das Titelstück mit Cee Lo Green. Eine unpeinliche, gute Weihnachtsplatte.

Es begab sich, dass zusammen ins Studio gingen: Anna Prohaska (Sopran), Daniel Hope (Violine), Albrecht Mayer (Oboe), „Adoro“ sowie Augsburgs Domsingknaben plus Sinfonieorchester. „Frohe Weihnachten!“ (Universal), stellen sich aber nur teilweise ein. So würdig Chorknaben und Instrumentalisten musizieren, so stark fallen dagegen Martin Doepkes seifige Arrangements ab.

Was tun, wenn Weihnachten die Sonne brutzelt? Runter fahren an den Malibu Beach und Colbie Caillats bluesiger, sanft rockiger Version eines Strandfestes lauschen. „Christmas In The Sand“ (Universal) heißt das Album; so heißt auch Caillats charmante Eigenkomposition, bei der sie gitarrenbegleitet den Weihnachtsmann im Badeanzug beobachtet. Ein Fest-Tipp für die Surfer-Gemeinde.

Wie die Beach Boys auf Wasserskiern

Werfen wir allen Kitsch aus dem Rentierschlitten und legen den Indie-Sampler „Isn’t This World Enough“ (Nettwerk) ein, der rockig fröhliche Töne anschlägt, wenn die britischen Rifles den „Sleigh Ride“ dahingleiten lassen, als wären sie die Beach Boys auf Wasserskiern. Auch Familiy Of The Year („OMG It’s Christmas“) und Fun („Believe In Me“) hellen die Feststimmung auf.

Das, was uns immer fehlte, Cee Lo Green hat es: ein Herz voller Soul. Und mehr. Auf „Cee Lo’s Magic Moment“ (Warner) spannt der Sänger von Gnarls Barkley die weißen Rösser vor seinen Rolls-Royce-Schlitten und liefert das schwungvollste Album der Festsaison. Unter anderem hat er Christina Aguilera zu einer umwerfenden Version von „Baby It’s Cold Outside“ eingeladen. Weitere Gäste: Rod Stewart und die Muppets.

Unterm Baum mit Snoopy

An Heiligabend schneit es selbst auf Snoopys Hütte und Woodstock watschelt Spuren in den Schnee: Ja, die Peanuts feiern Weihnacht. Und wer ihre Zeichentrickabenteuer kennt, hat sofort auch den Jazzsound des Vince Guaraldi Trios im Ohr. Unvergleichlich locker und treibend klingt „A Charlie Brown Christmas“ (Universal), das erweitert und remastert erschienen ist. Ein wahres Jazzfest.

So schlicht ihr Titel, so gediegen zurückgenommen werden die großen alten „Weihnachtslieder“ (Carus) auf dieser wohl edelsten Neuproduktion gesungen. Jonas Kaufmann ist dabei, Christoph Pregardien, die großartige Dorothee Mields und führende deutsche Chöre. Das Ergebnis ist eine absolut kitschfreie Plattenzone, ohne Jingle Bells und Dioden-Nikolaus. Etwas für die wirklich stille Nacht!

Georg Howahl, Lars von der Gönna, Monika Idems und Arnold Hohmann



Kommentare
09.12.2012
16:38
CD-Tipps zu Weihnachten - Lautes für die Stille Nacht
von Japapapapeng | #1

"Wer hätte gedacht, dass Rod Stewarts samtenes Reibeisen so vielseitig einsetzbar ist?", wundert sich der Rezensent über eine Weihnachts-CD des Sängers. Dass er "jazzig und verswingt" singen kann, hat Rod Stewart in den Jahren 2002 bis 2010 durch fünf (!) Alben mit Liedern aus dem "Great American Songbook" hinlänglich bewiesen. Vielleicht sollte der Rezensent sich zukünftig kundig machen, bevor er seine eigene Verwunderung zum Anlass einer unkundigen Rezension macht.

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