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Bühnen suchen Bündnisse mit der Politik

20.01.2015 | 17:17 Uhr
Bühnen suchen Bündnisse mit der Politik
Ulrich Khuon, Intendant am Deutschen Theater Berlin (Mitte, zwischen Frank Hoffmann und Oliver Reese), fordert von den Theatern, nicht nur auf Kulturpolitiker, sondern auf alle Entscheidungsträger zuzugehen.Foto: Joachim Kleine-Büning/WAZ FotoPool

Dortmund.  Beim Treffen der deutschen Intendanten in Dortmund diskutierten 70 Theatermacher, wie den Sparzwängen der Kommunen zu begegnen sei. Für den Vorsitzenden Ulrich Khuon arbeiten die Theater gegen Demokratieverdrossenheit.

Nicht überall hat sich das Verhältnis zwischen politischen Entscheidungsträgern und Theatern verschlechtert, weiß Ulrich Khuon, Chef des Deutschen Theaters in Berlin und Vorsitzender der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein. Doch in den Kommunen, in denen Sparzwänge herrschten, sei es immer schwieriger, Bündnisse für die Kunst zu schmieden. Denn einzelne Akteure, an erster Stelle mancher Oberbürgermeister, wollten ohne weitere Beratung durchregieren, was nicht selten auf die Schließung ganzer Bühnensparten hinausliefe.

Deshalb müsse ein „neues Bündnis zwischen (Kultur)-Politik“ und Theater“ her. Darüber haben nun etwa 70 Vertreter der Intendantengruppe im Dortmunder Theater beraten. Viele Häuser würden die Kontaktpflege schon leisten, erklärt die Geschäftsführerin der Gruppe, Cathérine Miville. Doch mit jeder politischen Veränderung im Rat beginne die Arbeit eigentlich von vorn.

Ein Pakt gegen den Bund

Khuon wiederum sagt, es reiche längst nicht, nur die Kulturpolitiker ins Boot zu holen. Denn für die sei es oft schwer, sich in den Fraktionen zu behaupten. Die Theater müssten auf alle Entscheidungsträger zugehen. Andere Intendanten betonten, nützlich seien auch Bündnisse zwischen Kultur und Sport. Man wolle sich in Finanzdingen nicht gegenein­ander ausspielen lassen.

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Die Theatermacher sehen ihre Häuser als „öffentlichen Ort der Anwesenheit, des Zuhörens und Austausches“, so Khuon. Die Sehnsucht, etwas „jenseits des Internets“ zu erleben und zu diskutieren, sei riesengroß. „Mit diesem Engagement in der Zivilgesellschaft arbeitet das Theater auch gegen Demokratieverdrossenheit“, so Khuon. Das dürfte Politikern nicht gleichgültig sein.

Die Rolle des Theaters sieht er deshalb längst nicht mehr nur als Abspielort für alte Dramen. „Wir dürfen uns nicht einbaggern, müssen hinausgehen und das Publikum teilhaben lassen“. Informationen, Mitwirkung, Diskussionen, aber auch die vielen Mitmach-Projekte sieht Cathérine Miville längst als eigene Sparte jedes Hauses, zumal damit Sozialarbeit geleistet wird. Zwangsläufig richtet sich der Pakt mit der Kommunalpolitik auch gegen den Bund. Khuon: „Wir müssen klarmachen, dass Gesetze des Bundes nicht stets zulasten der Städte gehen dürfen.“

Martin Schrahn

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2015-01-20 17:17
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