Buchkritik: Frédéric Beigbeder mit "Oona & Salinger"

Oona O’Neill hier mit ihrer Tochter Victoria im Jahr 1952.
Oona O’Neill hier mit ihrer Tochter Victoria im Jahr 1952.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Der französische Autor Frédéric Beigbeder erfindet in "Oona & Salinger" die schöne Geschichte zu einer großen Liebe.

Essen.. Eigentlich zieht es Frédéric Beigbeder ja eh viel eher zu Frauen hin - als Bonvivant und Chefredakteur des Busenmagazins „Lui“. Es ist also nicht erstaunlich, wenn aus seinem Vorhaben, einen Film über J.D. Salinger zu drehen, am Ende ein Roman über dessen erste große Liebe Oona O`Neill geworden ist.

Mit seinem Filmteam steht Beigbeder 2007 vor dem Grundstück im neuenglischen Cornish, wohin sich der amerikanische Schriftsteller 1953 nach dem Erfolg seines Romanes „Der Fänger im Roggen“ zurückgezogen hat und jedes Interview oder Foto verweigert. Dann aber gibt Beigbeder auf. Weil er kalte Füße kriegt, meint das Team. Aus einem letzten Rest Anstand, sagt er selbst. Als die Männer in einer Kneipe ihren Frust runterspülen, sieht Beigbeder an der Wand das Foto einer jungen Frau: „Oona. Das klang wie ein lustvolles Stöhnen.“

Wenige Monate nur sind sie zusammen: der 21-jährige Salinger, der gerade seine ersten Geschichten veröffentlicht hat, und die 15-jährige Tochter des berühmten Dramatikers Eugene O`Neill. Eine unschuldige Liebe. Bis Salinger als Soldat in den Zweiten Weltkrieg flieht und sie, als sie 18 wird, den 54 Jahre alten Charlie Chaplin heiratet, in dem sie den gesuchten Vaterersatz findet.

Das romanhafteste Buch seines Lebens

In „Oona & Salinger“ erfindet Frédéric Beigbeder die Liebesgeschichte der beiden neu und spricht selbst von Faction – einer Mischung aus Fiktion und Fakten. Da sämtliche Anfragen bei der Familie Chaplin und bei Salingers Nachlassverwaltern erfolglos blieben, habe er „das romanhafteste Buch“ seines Lebens schreiben müssen: „Ich musste mir alles vorstellen und neu erfinden: die Dialoge, die Situationen, die Begegnungen.“

Nun wäre Frédéric Beigbeder, der sich gerne als Enfant terrible der französischen Literatur gibt, nicht Frédéric Beigbeder, wenn er nicht auch über sich schreiben würde. So wie der ehemalige Werbetexter es in „39,90“ (2001) getan hat, oder zuletzt in „Ein französischer Roman“ (2010), in dem er über seine wohlsituierte Familie sinnierte, nachdem er beim Koksen auf offener Straße verhaftet wurde. Mit Salinger verbindet Beigbeder eine Vorliebe für jüngere Frauen. 2014 heiratete der 49-jährige Franzose die 23-jährige Lara Micheli. Überhaupt verkehre er nur noch mit Jüngeren, schreibt Beigbeder in seiner Einführung. Deswegen habe er den Wunsch gehabt, dem „Begründer des infantilen Phantasmas“, wie er den Amerikaner nennt, zu begegnen: „Salinger ist der Schriftsteller, der die Menschen dazu gebracht hat, Abscheu vor dem Altern zu empfinden.“

Frédéric Beigbeder: Oona & Salinger. Piper, 304 S., 19,99 €