Brillanz unter Kontrolle beim Klavierfestival Ruhr

Im Salzlager auf der Kokerei Zeche Zollverein: Der junge Pianist Rafał Blechacz und das Kammerorchester Amsterdam Sinfonietta.
Im Salzlager auf der Kokerei Zeche Zollverein: Der junge Pianist Rafał Blechacz und das Kammerorchester Amsterdam Sinfonietta.
Foto: HO
Was wir bereits wissen
Der junge Rafal Blechacz beim Klavierfestival Ruhr. Der erste Auftritt des Kammerorchesters Amsterdam Sinfonietta ist ein voller Erfolg.

Essen.. Die Amsterdam Sinfonietta ist ein Kammerorchester der besonderen Art. Weil das Ensemble, je nach Besetzung bis zu 30 Köpfe stark, ohne Dirigent auskommt. Das aber ist kein Manko: Die Homogenität vor allem des Streicherkorpus ist bestechend, die Bläser musizieren auf den Punkt.

Nur wer genau hinschaut, entdeckt, wie die Erste Geigerin Candida Thompson winzige Impulse gibt. Sie reichen aus, um einen so schillernden wie süffigen Gesamtklang zu erreichen. Sodass dieser erste Auftritt der Amsterdam Sinfonietta beim Klavier-Festival Ruhr ein schöner Erfolg wird.

Elan trifft Eleganz

Dazu beigetragen hat nicht zuletzt der junge Pianist Rafal Blechacz, der in einer Mischung aus jugendlichem Elan und aristokratischer Zurückhaltung Mozarts A-Dur-Konzert (Nr. 23) interpretiert. Heraus kommt eine romantische Lesart in gepflegter Manier, die gefällt, wenn auch nicht unbedingt mitreißt. Denn Blechacz spielt brillant, gleichzeitig aber sehr kontrolliert.

Klavierfestival Schade ist zudem, dass das Orchester die Klangbalance durch bisweilen auftrumpfendes Spiel vernachlässigt. Besser wird’s, wenn die Holzbläsersoli in schönster Poesie dahinfließen. Insgesamt kommt die Amsterdam Sinfonietta mit der Akustik im Salzlager der Essener Zeche Zollverein gut zurecht, passt sich klug dem Nachhall an, sodass etwa Sibelius’ „Szene mit Kranichen“ ihren Zauberklang aufs Feinste entfalten kann.

Das Ensemble, ganz auf der Spur des Nordischen Tons, interpretiert zudem Einojuhani Rautavaaras finnisch-volkstümliche Suite „Pelimannit“ ungemein stilsicher. Teils schillernd romantisch oder surrealistisch, teils wild, dann melancholisch ziehen diese Bauerntänze an uns vorbei.

Das Unterfangen indes, Griegs dunkles, leidenschaftliches, im Finale funkensprühendes Streichquartett mit streichersymphonischer Kraft auszustatten (inklusive Kontrabässe), ist eher Belastung denn ästhetischer Zugewinn.