Briefe von NS-Kunsthändler Gurlitt entdeckt

Güstrow..  Im mecklenburgischen Güstrow sind bei Abrissarbeiten verschollene Briefe und Fotos zweier führender Kunsthändler im Dritten Reich entdeckt worden. Die Fundstücke seien, in alten Reichspostsäcken verpackt, bei Abrissarbeiten unter einer Terrasse aufgetaucht, wie die „Schweriner Volkszeitung“ am Montag berichtete.

Bernhard A. Böhmer (1892-1945) und Hildebrand Gurlitt (1895-1956) pflegten enge Kontakte zu ranghohen Nazis wie Joseph Goebbels und waren maßgeblich am Handel mit als „entartet“ diffamierter Kunst beteiligt. Der Inhaber des Hotels „Kurhaus am Inselsee“, Erich-Alexander Hinz, entdeckte den „Güstrower Fund“. Er hatte das benachbarte Grundstück vor kurzem erworben und das marode „Hexenhaus“ abreißen lassen. Dabei fand er unter der Veranda die alten Reichspostsäcke, die er der Ernst-Barlach-Stiftung in Güstrow übergab.

Nach Angaben des Geschäftsführers der Stiftung, Volker Probst, sollen die Papiere gemeinsam mit der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ der Freien Universität Berlin ausgewertet werden.

Gurlitt geriet zuletzt in die Schlagzeilen, als bei seinem Sohn Cornelius im Jahr 2012 Hunderte Kunstwerke aus seiner Sammlung beschlagnahmt wurden. Er und Böhmer gehörten zu den wenigen Kunsthändlern, die im Auftrag der Nazis „entartete Kunst“ ins Ausland für die Devisenbeschaffung verkaufen durften.

Böhmer wohnte mit seiner Familie neben dem „Hexenhaus“, unter dessen Veranda die Dokumente entdeckt wurden. Beim Einmarsch der Roten Armee beging er mit seiner Frau Selbstmord.