Brian Wilson: Neues vom alten Surferjungen

Brian Wilson
Brian Wilson
Foto: imago/Future Image
Was wir bereits wissen
Der 75-jährige Brian Wilson weckt mit seinem neuen Album „No Pier Pressure“ Erinnerungen an die legendäre Zeit der Beach Boys.

Es ist ja leider unmöglich, ein neues Album von Brian Wilson zu hören, ohne die unvergänglichen Klassiker im Hinterkopf zu haben, die ihm mit den Beach Boys gelungen sind. Und wer das Spätwerk des früheren Surferjungen verfolgt hat, weiß auch, dass es bis auf wenige Ausnahmen auf „That Lucky Old Sun“ nicht viel gab, was die sonnendurchflutete Strahlkraft der guten, alten Zeiten erreichte.

Brian Wilson kann mit seinen 73 Jahren ja auch gar nicht klingen wie der junge, frische Bursche von einst, obwohl es beim ersten Song „Beautiful Day“ den Anschein hat. Es gibt stimmungsvolle, leicht melancholische Pianoakkorde und Wilsons Stimme klingt tatsächlich jung – man merkt, dass hier im Studio ordentlich geschraubt wurde. Wer diese Klangkosmetik verzeiht, mag glatt an alte Tage denken.

Soundtrack zum Sonnenuntergang

Bei den meisten Songs lässt sich Wilson kräftig von Gastsängern unter die Arme greifen. Und – kaum verwunderlich – die besten davon sind jene, bei denen die Mit-Beach-Boys Al Jardine, David Marks und Blondie Chaplin assistieren. So ist „Whatever Happend“ ein wundervoller Song über den Wandel. Und er fühlt sich an wie ein Soundtrack zum Sonnenuntergang. Manche der anderen Gastauftritte sind ebenfalls gelungen, etwa das heiter hüpfende „Guess You Had To Be There“, das Kelly Musgrave im Duett mit Wilson singt. Oder „On The Island“, eine relaxte Nummer mit Orgel, Pfeifen und dem Indie-Duo „She And Him“.

Seinen schlimmen Tiefpunkt erreicht „No Pier Pressure“ schon bei seinem zweiten Song „Runaway Dancer“, bei dem Sebu von Capitol Cities alle Flaggen auf Disco setzt – und so den größten Fehlgriff in Wilsons Geschichte vertont.

Dass es sich um einen Einzelfall handelt und der Rest des Albums doch meist gelungen ist, mag da trösten. Ebenso wie „The Last Song“, was man lieber nicht als böses Omen deuten möchte, aber Wilsons anrührender Abschied von den Beach Boys ist: „Don’t be sad, there was a time and place for what we had“, singt er so, dass man am liebsten sofort wieder zu seinen alten Beach Boys-Platten greifen möchte.