Brecht, das Geld und schöne Frauen

Dass er in Klassenkampf und Exil keinen Grund sah, es sich nicht gut gehen zu lassen, hat Bert Brecht nie verhehlt. „Ich lebe luxuriös, mit der schönsten Frau Augsburgs, schreibe Filme“, notierte er als verbummelter Student im März 1921 im Tagebuch; da er zu diesem Zeitpunkt aber mehr uneheliche Kinder gezeugt als Bücher geschrieben hatte, war ihm das Prekäre seiner Existenz klar: „Wie lange noch und Gottes Geduld reißt, ich sitze auf dem Stein, und die Hunde schiffen mich an!?“ Am göttlichen Geduldsfaden entlang konnte Brecht jedoch das Leben eines Wohlhabenden führen.

Es war erst an seiner Tochter Hanne Hiob, dem schnöden Mammon zu entsagen. Wie jetzt bekannt wurde, hat sie vor ihrem Tod 2009 der Berliner Akademie der Künste ein Konvolut wertvoller Brecht-Handschriften vermacht, darunter Gedichte aus der „Hauspostille“, rund 150 Briefe und das Tagebuch aus dem Jahr 1921. „Ich bezweifle, dass wir sie hätten bezahlen können“, sagte Archivchef Erdmut Wizisla. Brecht zu teuer für die Ewigkeit – wenn das keine Dialektik ist.