Ausstellung
Botticelli - Malen gegen die Vergänglichkeit
19.11.2009 | 07:28 Uhr 2009-11-19T07:28:00+0100
Frankfurt/M. Der erste Aktmaler der Kunstgeschichte - Sandro Botticellis Name hat einen magischen Klang. Er zeigt die italienische Renaissance von ihrer verschwenderischsten Seite. Das goldene Zeitalter der Medici wird in der großen Botticelli-Schau im Frankfurter Städel-Museum wieder lebendig.
Die Alten sind wieder mächtig gefragt. Nach Rubens in Brüssel, Caravaggio in Düsseldorf, Tizian in Wien, Grünewald in Karlsruhe und Mantegna in Paris wird nun Botticelli in Frankfurt in aller Breite vorgestellt.
Nicht, dass jetzt gleich die „Geburt der Venus” im Städel aufgetaucht wäre. Die bleibt in Florenz. Auch der „Frühling” wurde nicht nach Frankfurt verlegt. Alles bleibt hübsch ordentlich in den Uffizien.
Aber immerhin kommt von dort „Minerva und Kentaur”. Und auch sonst muss man nicht nach Berlin, Paris, London, Venedig oder Houston reisen. Das lässt sich jetzt in Frankfurt erledigen, wo an Hand erlesener Beispiele von Museen aus aller Welt Botticellis Kunst nachzuerleben ist.
80 Werke sind aufgeboten, die größte Botticelli-Schau im deutschsprachigen Raum: 40 Werke von ihm selbst, Gemälde und Zeichnungen, denen 40 Werke von Zeitgenossen wie Verrocchio, Lippi und Pollaiuolo gegenübergestellt sind.
Botticellis Name hat einen geradezu magischen Klang. Die italienische Renaissance zeigt sich von ihrer verschwenderischsten Seite. Das Goldene Zeitalter der Medici, allen voran Lorenzo der Prächtige, steht vor einem auf. Aber es lodern auch Flammen, in denen Bücher verbrennen und am Ende sogar der finstere Mönch Savonarola.
Kränklich, blass, schwermütig
Und immer wieder der Name Botticelli. Oder kennen Sie einen gewissen Alexander Fässchen? Oder einen Alessandro di Mariano di Vanni Filipepi? Genau so hieß Botticelli, als er um 1445 geboren wurde. Genannt wurde er nach seinem Bruder, bei dem er zeitweilig wohnte und der dick wie ein Fässchen war – auf italienisch „botticella”.
So viel man weiß, war er kränklich, vielleicht so blass und schwermütig wie viele seiner Figuren, aber dick war er nicht. Er war wohl auch nicht verehelicht und hatte keine Kinder. Aber seine Frauengestalten gehören zum Anmutigsten, was Malerei zu bieten hat. Nehmen wir nur die Bilder der Geliebten Simonetta. Er hat sie gleich mehrere Male porträtiert, so sehr war er von ihr beeindruckt. Doch war es nicht seine Geliebte, sondern die des Giuliano de' Medici.
Der hat in der Tat Geschmack bewiesen. Und mit ihm der Maler. Allein schon über die Haare ließe sich endlos erzählen. Etwa darüber, wie sie gelockt, gesteckt und geflochten sind, oder darüber, wie sich die Perlen, Bänder und Federn über das Haar verteilen, das sanft an Wangen und Hals entlang gleitet oder sich wie ein Pferdeschwanz munter vor dem Schwarz des Hintergrundes abhebt.
Feierliche Verehrung der Schönheit
So zeigt sich Simonetta Vespucci als „Weibliches Idealbildnis” (um 1480), das man im Städel-Museum als glücklichen Besitz preist. Tatsächlich ist es eines der schönsten Bilder der Schau – weil es auf geheimnisvolle Weise beides umfasst: eine sinnliche Plastizität wie aus dem Jetzt sowie eine feierliche Verehrung der Idee der Schönheit – deren einziger Fehler die Vergänglichkeit ist. Als hätte Botticelli ein Leben lang dagegen angemalt. Das gilt für die Bildnisse, erst recht für die nackte „Venus”. Es gilt für die mythologischen Sujets, deren „Minerva” wie eine Greta Garbo des 15. Jahrhunderts wirkt.
Nicht anders seine graziösen Madonnen, man betrachte nur die auf der Edinburgher „Anbetung”, ja, selbst bis hin zu einem eleganten, noch nie ausgestellten „Christus als Schmerzensmann”, dessen Heiligenschein – ungewöhnlich selten – aus lauter Engeln besteht. Gegen so viel Noblesse hatten auch seine Zeitgenossen wenig auszurichten.
Kaum vorstellbar, dass Botticelli, dieser scheue Riese der Renaissance, der kaum aus Florenz herausgekommen ist, gegen Ende seines Lebens zur Seite gedrängt schien, immer mehr verarmte und nur gebeugten Rückens, auf zwei Stöcken gestützt, gehen konnte. Es hätte nicht viel gefehlt, dass Botticelli als angeblicher Parteigänger Savonarolas mit verbrannt worden wäre.
02:59
Botticelli ist ein Hochgenuß für die Sinne. Zur Ausstellung empfehle ich Musik (Headset) von Jordi Savalls Hesperion, dem Taverner Chor, bzw Hilliard Ensemble.
Gruß