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Boschs Visionen von Himmel und Hölle in ‘s-Hertogenbosch

15.02.2016 | 18:49 Uhr
Boschs Visionen von Himmel und Hölle in ‘s-Hertogenbosch
Ausschnitt aus Boschs „Jüngstem Gericht“.Foto: CBRP

‘s-Hertogenbosch.   Er starb vor 500 Jahren: Der Maler Jheronimus Bosch wird von seiner Heimatstadt ‘s-Hertogenbosch mit einer großen Ausstellung und Brimborium gefeiert.

Jheronimus Bosch überall: Am Marktplatz, an dem auch sein Werkstatt-Haus steht, projizieren sie ab März nach Sonnenuntergang die irrwitzigen Gestalten seiner Gemälde auf die Fassaden; im Theater lässt Nanine Linning, deren Kompanie das Ballett am Theater Heidelberg bildet, ihre gespenstisch kostümierten Tänzer aus Bosch-Bildern heraus- und um das Publikum herumkriechen; und wer dem Bosch-Rummel auf die innerstädtischen Kanäle von ‘s-Hertogenbosch ausweichen will, kommt vom Regen in die Traufe: Auch hier, am Ufer grinsend, aus dem Wasser linsend – drastische Schreckgestalten aus der variationsfrohen Höllenfantasie jenes Malers, der vor 500 Jahren starb.

Den Geburtstag des Künstlers, der um das Jahr 1450 zur Welt kam, kennt man ebensowenig wie eine Erklärung dafür, warum er zu diesem Ausnahmemaler wurde, der jetzt der Fremdenverkehrsbilanz seiner Heimatstadt in Brabant, gut anderthalb Autostunden vom Ruhrgebiet entfernt, neue Glanzlichter aufsetzen soll.

Eigentlich hieß er Jeroen van Aeken, sein Großvater, auch schon Maler, kam von Nimwegen in diesen katholischen Teil der Niederlande, in den die Holländer aus dem erzprotestantischen Norden noch heute pilgern, wenn sie Karneval feiert wollen. In ‘s-Hertogenbosch lag noch das Konfetti auf den Straßen, als letzten Freitag König Willem Alexander die große Bosch-Ausstellung im Noordbrabants Museum eröffnete, wo von den 25 bekannten Gemälden Boschs 17 zu sehen sind (von den Ikonen fehlen nur „Die sieben Todsünden“ und „Die Versuchung des heiligen Antonius“, der „Garten der Lüste“ ist als Kopie seiner Werkstatt da) und die 20 erhaltenen Zeichnungen fast vollständig. Nicht einmal zu seinen Lebzeiten waren so viele Bilder von Bosch in der Stadt versammelt, die er zeitlebens nicht verlassen haben soll. Sie kommen aus dem Prado in Madrid (wo Ende Mai die größte Bosch-Ausstellung des Jahres eröffnet wird), aus Venedig und Washington, Berlin und Wien, Rotterdam und Boston, New York und Paris.

Schon Ende des 15. Jahrhunderts wurden dem Maler die Bilder aus der Hand gerissen, kaum dass die Farbe trocken war. Jheronimus Bosch, wie er seine Bilder unterzeichnete, damit die Kunden wussten, wohin sie reisen mussten, könnte sich in „Den Bosch“ noch heute blind zurechtfinden, weil die Straßenzüge der Innenstadt seither unverändert blieben.

Unverändert groß dürfte auch das Staunen des Publikums über den schier endlosen Einfallsreichtum von Boschs Malmotiven sein. Der tiefgläubige Katholik, der ähnlich kritisch zum Klerus seiner Zeit stand wie Erasmus von Rotterdam oder Thomas Morus, pochte darauf, dass nichts vorherbestimmt sei: Der Mensch entscheide selbst mit seinem Lebensweg darüber, ob es nach dem irdischen Dasein in die Hölle oder den Himmel geht.

Malte für Bürger und Fürsten

Bosch malte sichtlich am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, die Zentralperspektive setzt sich gerade erst durch und die Zeiten sind extrem bewegt: Bücher können erstmals gedruckt werden und verändern die Welt, Kolumbus entdeckt Amerika, reformatorische Bewegungen grummeln in den Kirchen von Prag bis Amsterdam. Und Bürger werden immer wohlhabender, einflussreicher. Für sie, aber auch für hochherrschaftliche Fürsten wie Herzog Philipp den Schönen malt Bosch. Und niemand malt wie Bosch, dessen Vorstellungskraft vielleicht gerade daran wuchs, dass er daheimblieb. Seine reichen Nachbarn, die als Kaufleute viel herumkamen, erzählten ihm, was sie gesehen hatten, Bücher wie die „Weltchronik“ des Nürnberger Gelehrten Hartmann Schedel standen ihm wohl auch zur Verfügung – sonst hätte er wohl kaum gebirgige Landschaften oder Giraffen malen können.

Warum er sich aber seine vielen Wolpertinger, Mensch- und Tier-Mischwesen, Küchenkesselmonster und bis auf den heutigen Tag surreal wirkende Szenen ausgedacht hat? „Armselig ist der Geist, der immer von den Funden anderer Gebrauch macht und sich selbst nichts ausdenkt“. Das ist, einer der wenigen überlieferten Sätze von Bosch, festgehalten auf einer Zeichnung.

Ein Wald mit Ohren

Ein künstlerisches Bekenntnis – das Bild dazu zeigt einen Wald mit Ohren hinter einem Feld, aus dem Augen blicken. Gespenstisch. Dabei hat Bosch nur ein gängiges Sprichwort seiner Zeit wörtlich genommen: Dass Felder Augen und Wälder Ohren haben, sollte den Menschen nahelegen, sich auch in aller Heimlichkeit stets so zu verhalten, als würde man gesehen und gehört. – Ob die NSA doch eine Erfindung von Jheronimus Bosch ist?

Jens Dirksen

Kommentare
16.02.2016
11:31
Boschs Visionen von Himmel und Hölle in ‘s-Hertogenbosch
von gerron | #1

"gut anderthalb Autostunden vom Ruhrgebiet entfernt,! Aber Herr Dirksen, wo genau (Museumsname, Adresse) und ab wann bis wann kann man die Ausstellung...
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Boschs Visionen von Himmel und Hölle in ‘s-Hertogenbosch
Boschs Visionen von Himmel und Hölle in ‘s-Hertogenbosch
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http://www.derwesten.de/kultur/boschs-visionen-von-himmel-und-hoelle-in-s-hertogenbosch-id11567817.html
2016-02-15 18:49
Kultur