Boris Leisenheimers Herz schlägt für die Operette

Boris Leisenheimer liebt die leichte Muse. Unser Bild zeigt den Tenor mit Banu Böke in der Wuppertaler „Evita“.
Boris Leisenheimer liebt die leichte Muse. Unser Bild zeigt den Tenor mit Banu Böke in der Wuppertaler „Evita“.
Foto: Wuppertaler Bühnen / Uwe Stratmann
Was wir bereits wissen
Tenor Boris Leisenheimer entdeckt mit seinem Operettensalon eine fast vergessene Kunstform neu. Das Ensemble sucht weitere Spielorte in der Region.

Hagen/Wuppertal.. Die leichte Muse hat an den Theatern einen schweren Stand. Doch Opernsänger lieben die Melodien vom „Bettelstudenten“ bis zum „Zigeunerbaron“. Also macht der Hagener Tenor Boris Leisenheimer mit seinen Kollegen aus der Not eine Tugend. Mit ihrem Operettensalon entdecken sie eine fast vergessene Kunstform neu. Das Publikum ist begeistert.

„Wir machen Programme, die man sonst nicht mehr zu hören kriegt. Mal stellen wir konzertante Stücke wie den ,Tenor der Herzogin’ vor und mal Komponistenporträts. So probieren wir immer etwas Neues aus“, schildert Leisenheimer das Konzept.

Vergessene Gassenhauer

Einstweilen ist der Operettensalon in der Wuppertaler Villa Media beheimatet. Alle zwei Monate präsentiert das Ensemble dort Gassenhauer und Komponisten in intimem Rahmen. „Wenn es zu groß wird, geht der Charme verloren.“ Nun möchten Leisenheimer und sein Team das Format gerne auch in anderen Städten vorstellen, in Hagen oder dem Sauerland, und suchen nach weiteren Aufführungsorten.

Boris Leisenheimer ist ein Spezialist für diese Kunstform. Über 30 Aufnahmen von Operetten hat der junge Tenor für den WDR eingesungen. „Als ich Kind war, stand in Hagen der ,Vetter aus Dingsda’ auf dem Spielplan. Das war die Produktion, bei der mir klar wurde, dass ich Sänger werden will.“

Natürlich sind die Handlungen oft hanebüchen, und die Texte wirken heute gerne mal unfreiwillig komisch wie „Herr Meyer, Herr Meyer, wo bleibt denn bloß mein Reiher“ aus „So bummeln wir“ von Jean Gilbert. Aber die Partituren lassen keine Wünsche offen. Sie sind romantisch, spritzig, frech, gesellschaftskritisch, rührselig, flott und schmissig zugleich. Tenöre schätzen die kleine Oper daher von Herzen, und alle anderen Sänger auch.

Leisenheimer hat eine hervorragende Truppe um sich geschart. Tenor Dominik Wortig gehört dazu und die Hagener Sopranistin Stefanie Smits, die Wuppertaler Sopranistinnen Annika Boos und Dorothea Brandt sowie der Bariton Olaf Haye, der am Theater Hagen in den „Comedian Harmonists“ auf der Bühne steht. Am Klavier gibt Oliver Stapel den Ton an.

Glückliche Gesichter

„Die Operette ist so positiv! Man kann die Menschen direkt glücklich machen. Man sieht immer in strahlende Gesichter. Das fehlt mir heute am Theater zu sehr, die strahlenden Gesichter“, unterstreicht Leisenheimer, der derzeit an der Oper Münster engagiert ist. „Gesang soll die Menschen glücklich machen, das fehlt mir auch manchmal am Theater. Deshalb hatte ich die Idee zur Gründung dieser Reihe. Und es gab sofort tolle Sänger, die mitmachen wollten.“

Für Boris Leisenheimer bringt der Operettensalon nicht nur Musizierfreude mit sich, sondern auch Schatzgräber-Aufgaben. Denn es gibt mehr Stücke als nur die „Fledermaus“, aber die wollen erst gefunden werden. Gerade die Vertreter der oft sozialkritisch-satirischen Berliner Operette verdienen eine Wiederentdeckung.

Gute Erfahrungen hat das Ensemble damit gemacht, die Musiknummern – etwa aus „Gasparone“ von Carl Millöcker - mit neuen Dialogen zu versehen. Leisenheimer: „Das macht so viel Spaß zu proben und aufzuführen, und die Besucher haben auch viel Spaß. Die Operette ist für uns alle die große Liebe, die wir sonst auf der Bühne nicht ausleben dürfen.“

www.operettensalon.de