Bombenkrieg und Naziterror

Hagen..  Bombenfunde gehören im Ruhrgebiet schon so lange Zeit zu den Routinemeldungen, dass man hin und wieder fragen möchte, wann es vielleicht mal ein Ende damit haben könnte. Wenn man allerdings weiß, welche nach abertausenden Tonnen zählenden Unmengen von Bomben noch in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs auf das Ruhrgebiet niederprasselten, gibt man die Hoffnung auf ein baldiges Ende von Bombenfunden schnell auf.

„Battle of the Ruhr“

Im letzten halben Jahr des Krieges, ab Oktober 1944 also, ließen noch einmal so viele Menschen in den Kämpfen ihr Leben wie in den vorausgegangenen fünf Kriegsjahren. Das Buch „Bitter Ends“, das der Hagener Historiker Ralf Blank über diese Zeit geschrieben hat, listet mit brutal wirkender Genauigkeit die beinahe täglichen Bombenangriffe gegen das Ruhrgebiet zwischen Oktober 1944 und März 1945 auf. Der Titel verdankt sich indes einer Reportage im New Yorker Time Magazine, das den Widerstand der Deutschen im „Endkampf“ an der Ruhr beschreibt.

Am Abend des 6. Oktobers 1944 aber eröffneten die englischen und amerikanischen Bomberverbände mit einem Angriff auf Dortmund die zweite „Battle of the Ruhr“, nachdem es bei der ersten zwischen März und Juli 1943 bereits 20 000 Tote gegeben hatte. Monat für Monat, ja Tag für Tag listet Blank mit einer bislang noch nicht dagewesenen Genauigkeit auf, wie viel Hunderte oder gar Tausende Bomber jeweils aufstiegen, mit welchen Zielen, mit welcher Bombenlast und bei welchem Wetter. Die penible Aufzählung führt zu einer gewissen Monotonie, die dem Bombenkrieg allerdings nur auf den Buchseiten seinen Schrecken zu nehmen droht. Wo immer möglich, nennt Blank auch die jeweiligen Opferzahlen.

Das Unfassbare des Geschehens aber liegt in der Zähigkeit, mit der die Nazi-Herrscher im Revier trotz der nimmermüden Bombardierung von Eisenbahnknoten, von Waffenfabriken, Zechen und Hydrieranlagen (in denen Kohle zu Benzin verflüssigt wurde) immer noch ihre Kriegsmaschinerie in Gang hielten – so wurden im Dezember 1944 immer noch 290 000 Tonnen Rohstahl produziert.

Blank arbeitet hier sehr genau die Rolle solcher fanatischen Nazis und Karrieristen wie des Gau­leiters Albert Hoffmann heraus, deren Terrorregime am Ende auch zehnjährige Kinder und Greise im Urgroßvater-Alter für den „Volkssturm“ vereinnahmte.

Blank vergisst auch die zahlreichen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen nicht, die im Ruhrgebiet Produktion von Kohle und Stahl aufrechterhalten sollten und dem Bombenhagel mindestens so schutzlos ausgeliefert waren wie die Zivilbevölkerung, der immerhin noch der eine oder andere Luftschutzbunker zur Verfügung stand.