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Bochum, er hängt an dir

06.11.2008 | 11:34 Uhr
Bochum, er hängt an dir

Was will man über einen Mann sagen, über den eigentlich alles gesagt ist? Am Besten gar nichts – sondern lässt ihn lieber selbst zu Wort kommen. Deutschlands erfolgreichster Musiker wird am 6. Juni 2009 im Bochumer Stadion ein Benefizkonzert für die geplante Symphonie seiner alten Heimatstadt geben.

Lieber Herbert Grönemeyer, wo fühlen Sie sich eigentlich zu Hause?

Grönemeyer: Meine Wurzeln liegen im Ruhrgebiet, hier ist meine Mentalität gewachsen: Die Art, wie ich spreche, wie ich übers Leben denke. Ansonsten ist das etwas zerrissen. Ich lebe in London, aber auch in Berlin, wohin meine Tochter gegangen ist. So gesehen bin ich etwas heimatlos. Eigentlich ist meine Heimat da, wo meine Kinder sind.

Sie haben gut 20 Jahre in Bochum gewohnt, leben heute in London. Empfinden Sie sich noch als Revierbürger?

Info
"Ganz Bochum eine Symphonie"

Herbert Grönemeyer und die Bochumer Symphoniker: 6. Juni 2009, 20 Uhr, Rewirpower-Stadion Bochum.

Der offizielle Vorverkauf beginnt am Sa., 8. November.

Achtung: Exklusiver Vorverkauf heute und Fr. in den Leserläden und Geschäftsstellen dieser Zeitung (69,15-94,65 €).

Grönemeyer: Mit Sicherheit. Das merkt man doch auch an meiner Sprache. Wenn ich rede, hört man sehr schnell heraus, wo ich herkomme. Was auch gut ist.

Erkennen Sie denn Ihre alte Heimat überhaupt noch wieder? Im Stadtbild hat sich vieles verändert, Kohle und Stahl – die in Ihrer Jugend noch die Szenerie geprägt haben – sind fast verschwunden.

Grönemeyer: Ja, das gibt’s so gut wie gar nicht mehr. Aber in der Mentalität der Menschen ist all das sehr wohl noch verwurzelt. Dieses Kraftvolle. Das hat mich geprägt. Auch meine Unrast.

Wir sitzen hier, weil Sie sich für den Bau der Bochumer Symphonie einsetzen. Provokant gefragt: Braucht das Ruhrgebiet nach Dortmund und Essen wirklich noch eine Philharmonie? Das wäre dann die dritte im Umkreis von gut 35 Kilometern.

Video
Groenemeyer Pressekonferenz zur neuen Bochumer Symphonie

Grönemeyer: Das ist mir bewusst. Aber da bin ich sehr lokal gefärbt. Bochum ist eine Kulturstadt: Das Schauspielhaus hat einen ungewöhnlich großen Namen. Auch die Symphoniker haben sich über die Jahrzehnte einen guten Namen gemacht. Für mich ist das eine logische Fortsetzung. Und allein in dieser Stadt leben ja 400.000 Menschen. Als ich hier groß geworden bin, habe ich mich nicht nach Dortmund oder Essen orientiert. Jede Stadt hat ihren eigenen Stolz. Ich denke, das tut Bochum gut. Das hat die Stadt auch verdient.

Sie spielen im Juni 2009 mit den Bochumer Symphonikern für das Konzerthaus, verzichten komplett auf Ihre Gage. Wie viel Geld soll da zusammenkommen?

Grönemeyer: 28.000 Menschen passen ins Stadion, der so genannte "Breakeven-Point" – also die Gewinnschwelle - liegt bei 20.000 Besuchern. Wenn’s ausverkauft ist, müsste etwas über eine halbe Million für das Haus zusammenkommen. Deshalb sind die Karten auch deutlich teurer, als man das sonst von meinen Konzerten kennt.

Steht schon das Programm?

Grönemeyer: Nein. Das erarbeiten wir noch. Man muss sehen, welche Stücke funktionieren - und welche nicht den richtigen Druck entwickeln. Die Bochumer Symphoniker sind ein tolles Orchester, aber das ist schon ein neues Gefühl. Ähnlich so, als wenn ein Operntenor Rock singt. Man kann das nicht einfach so zusammenpacken – und dann funktioniert’s...

Man könnte sagen: Der Beat ist das Problem, oder?

Grönemeyer: Ja, genau. Streicher zum Beispiel sind nicht auf diese Beats geprägt. Sie phrasieren einfach anders. Und wenn man das nicht trifft, dann geht der ganze Groove raus.

Aber einige Stücke sind doch sicher gesetzt...

Grönemeyer. Sicher. Was mit Streichern gut kommt, ist "Flugzeuge im Bauch", "Bochum", "Der Weg". Auch "Halt mich", "Mensch" und "Ein Stück vom Himmel".

Man fragt sich manchmal, woher Sie die Energie für all Ihre Aktivitäten nehmen. Sie sind ja zweifacher Vater, darüber hinaus karitativ sehr engagiert, u.a. für Afrika und die Aktionsgemeinschaft "Deine Stimme gegen Armut" – mal ganz abgesehen von Ihrem musikalischen Wirken. Auf Ihrem Label "Grönland Records" bieten Sie Nachwuchskünstlern eine Chance. Dann allein 35 Stadionkonzerte in den letzten 15 Monaten – kann das ewig so weitergehen?

Grönemeyer: Bei der Open-Air-Tour 2007 ging’s mir wirklich nicht besonders gut. Ich hatte einen Nerv eingeklemmt, das hat einen üblen Drehschwindel ausgelöst. Als ich beim Konzert in Schalke auf dem Steg stand, dachte ich: "Ich halt das nicht aus, ich geh wieder nach Hause." Und nach dem Bochumer Gastspiel war ich zittrig, bibberig und fix und fertig.

Danach gab’s ja noch Gerede, weil Sie "Bochum" nicht zweimal gespielt haben.

Grönemeyer: Oh ja, das hat ja ganze Internet-Blogs tagelang ausgefüllt. Dabei war ich froh, das Konzert überhaupt zu Ende spielen zu können. Und ich bin wirklich kein Weichei. Tja, aber das saugt man im Ruhrgebiet halt mit der Muttermilch auf: diesen täglichen Überlebenskampf, wenn man’s mal etwas pathetisch ausdrücken will.

Müssen Sie irgendwann kürzertreten?

Grönemeyer: Ich bin nicht geschaffen für den Müßiggang. Aber das Alter – ich bin ja hoffentlich in der Mitte meines Lebens – fordert seinen Tribut. Ich muss lernen, alles etwas zu entschleunigen. Aber das liegt mir nicht so. Da komme ich ein bisschen schräg drauf.

Am 7. November erscheint Ihre neue Single "Glück", einer von zwei neuen Titeln des Doppel-Albums "Was muss muss". War es mal an der Zeit für die erste "Best of"-Platte Ihrer Karriere?  

Grönemeyer: Ich schlag mich nicht darum. Aber nach fast 30 Jahren kann man das mal machen. Das ist sozusagen die Halbzeitpause.

Zwischen den Alben "Bleibt alles anders" und "Mensch" lagen vier Jahre, bis zu "12" (2007) vergingen fünf. Wenn man das weiterdenkt: Kommt das nächste "echte" Grönemeyer-Album, also mit komplett neuem Material, 2013?

Grönemeyer: Nein, ich plane für Ende 2010, Anfang 2011. Außerdem gibt’s im Zuge von Ruhr.2010, also der Kulturhauptstadt, die Überlegung, ob ich nicht ein Musical schreibe. Aber da fehlt mir noch der passende Stoff. Selber Geschichten schreiben kann ich nicht.

Da bietet sich doch ein Ruhrgebietsmusical an.

Grönemeyer. Schon, aber Sie brauchen trotzdem den Stoff. Den zu finden ist nicht so einfach, wie man glaubt.

Haben Sie eigentlich eine Erklärung für Ihre unglaubliche Popularität? Sie selbst gelten als Querdenker. Ihre Texte sind eher intellektuell, auch Ihre Kompositionen – sollte man meinen – taugen eigentlich nicht unbedingt für die kommerziellen Hitparaden.

Grönemeyer: Das müssten Sie mir eigentlich erklären, ich kann’s nicht. Ich wundere mich selber. Das ist wie ein Traum. Wieso mögen die Leute das? Aber ich mache halt unglaublich gerne Musik. Wenn man Leute einlädt, dann bemüht man sich, ihnen etwas Schönes vorzusetzen. Etwas liebevoll Zubereitetes. Das versuche ich mit meiner Musik auch. Ich glaube schon, dass die Menschen was Vernünftiges zu essen haben möchten – für den Kopf, in diesem Fall. Ich glaube schon, dass die Leute gerne gefordert werden. Sie möchten ernst genommen werden. Das ist übrigens auch der Unterschied zwischen deutschem und englischem Fernsehen. In England haben Sie um 9 Uhr abends ein Quiz zwischen zwei Universitätsmannschaften. Da kann ich von 32 Fragen vielleicht eine beantworten. Aber wenn in Deutschland Volksmusiksendungen, "X-Men 15" oder "Hellboy" die beste Sendezeit belegen – was sollen sich die Leute denn sonst angucken?

Haben Sie eigentlich wieder cineastische Ambitionen? In Anton Corbijns Joy-Division-Film "Control" haben Sie eine Mini-Rolle gespielt.

Grönemeyer: Ich habe Anton immer eingeredet, dass er nicht nur fotografieren und Videos drehen, sondern unbedingt einen Film machen sollte. Ich hab’ ihn dann auch mitfinanziert. Er sagte aber: Das mach ich nur, wenn du selber mitspielst.

Das war dann also mehr ein Gag.

Grönemeyer: Ja, klar. Aber um Ihre Frage zu beantworten: Ich würde gern wieder einen Film drehen. Ich wäre jetzt soweit, dass ich es schon im nächsten Jahr machen könnte.

Aber ein konkretes Angebot haben Sie noch nicht?

Grönemeyer: Nichts, nein.

Wenn Sie in einer All-Star-Band spielen und sich die Mitglieder selbst aussuchen dürften – mit lebenden oder auch toten Musikern – wie würde die aussehen?

Grönemeyer: An der Gitarre sicherlich The Edge von U2. Es gibt keinen Musiker, der einen – sobald er die Saiten berührt – so sehr elektrisiert. Es gab bessere Gitarristen – Hendrix, Clapton, Prince – aber er hat einfach den „Magic Touch“.

Wer noch?

Grönemeyer: (denkt lange nach) Vielleicht Ringo Starr am Schlagzeug. Weil er in seiner Simplizität ganze Welten auftrommelt. Und auch als Typ fand ich ihn immer klasse. Ja (lacht), die beiden würden mir schon reichen!

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Frank Grieger

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Kommentare
09.11.2010
08:32
Bochum, er hängt an dir
von Tour Konzertkarten | #4

Ich finde, dass die Tickets ganz schön teuer sind....

04.08.2010
13:03
Bochum, er hängt an dir
von Grönemeyer Tour | #3

Bochum ist zwar Grönemeyers Wahlheimat, aber ursprünglich stammt er aus Göttingen, was oft übersehen wird. Im Übrigen wird es voraussichtlich wieder eine Herbert Grönemeyer Tour 2011 geben. Ein weiteres Konzert in Bochum steht dabei natürlich auf dem Pflichtprogramm.

11.11.2008
02:07
Bochum, er hängt an dir
von radieschen | #2

einmal überstunden zu kloppen iss nicht viel.

aber dauerhaft mehr steuern zu blechen für ein halbvolles haus das schmerzt.

aber davon weiß der exil-bochumer ja nix...

10.11.2008
09:50
Bochum, er hängt an dir
von radieschen | #1

aber da bin ich sehr lokal gefärbt. bochum ist eine kulturstadt.

so, und diese lokalfärberei kostet Uns jetzt ein vermögen. und belastet den ohnehin ruinierten haushalt dauerhaft.

die metropoleruhr ist eine kulturstadt und zwar eine von internationalem rang.

diese kleinstädterei ist einfach überholt.

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