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Bittersüßer Liebestod und Siegfrieds Idylle

20.06.2007 | 09:32 Uhr

Hagen. Einen reinen Wagner-Abend erlebt man im Sinfoniekonzert selten. Umso glücklicher war das Publikum jetzt über das Angebot der Hagener Philharmoniker, die Stadthalle in ein Klein-Bayreuth zu verwandeln. Im Mittelpunkt des Programms stand die Orcheste

Das Stück stellt enorme Anforderungen an den Dirigenten, der ein Zeitmaß finden muss, mit dem er das gut einstündige Werk ohne Spannungsverlust ausbalancieren kann und das gleichzeitig Wagners Notentext ohne szenische Hilfe zum Sprechen bringt. GMD Dr. Antony Hermus hat den Atem, der den Tristan von den revolutionären ersten Akkorden bis zum Liebestod mit vielen schillernden Schattierungen aufblühen lässt.

Hermus unterstreicht den Charakter der Partitur als Nachtstück, er modelliert die dunklen Orchesterfarben mit viel Gespür für satte Streichergrundierungen, gelegentlich durch die Holzbläser wie traumverloren aufgehellt. Im ersten Abschnitt spielt das Werk mit Raumklang-Effekten, die Königs-Hörner sind hinter der Bühne positioniert. Den zweiten Abschnitt entwickelt Hermus um das berühmte "O sink hernieder, Nacht der Liebe" zu einer erregend pulsierenden orchestralen Verführung.

Der Liebestod nähert sich auf Samtpfoten, eingeleitet durch das Englisch-Horn-Solo, das Rebecca Bröckel mit exquisitem Sinn für Tongebung und Artikulation gestaltet. Überhaupt spielen die Musiker brillant, wenn auch mit einigen Intonations-Unsicherheiten in den Flöten. Sie genießen jede Note und machen jeden Akkord zum sinnlichen Ereignis. "Tristan & Isolde. An Orchestral Passion" wurde aufgezeichnet und soll als CD erscheinen.

Bittersüße Tristan-Stimmung prägt die fünf "Wesendonck-Lieder" Wagners, die Hermus in der Orchesterbearbeitung Hans Werner Henzes interpretiert. Damit verabschiedet sich die wunderbare Wagner-Sängerin Liane Keegan; die Mezzosopranistin kehrt in ihre australische Heimat zurück. Liane Keegans modulationsfähiger Mezzosopran deutet die Texte um Liebe und Leiden mit dunkel-irisierendem Timbre und strahlenden Spitzenton-Akzenten aus, allerdings ist die schlechte Akustik der Stadthalle den "Wesendonck-Liedern" nicht besonders zuträglich. Selbst die kleine Kammerbesetzung übertönt die Sängerin, hier hätte Hermus das Orchester noch mehr zurücknehmen müssen.

Kein sinfonischer Wagner-Abend ohne "Siegfried-Idyll", der einzigen Orchesterfassung seiner Opern, die der Komponist selber geschrieben hat. Auch hier glänzen die Streicher, vereint Hermus horndunkle Trauer und Waldvogel-Rufe zu geheimnisvoll pochenden Harmonien.

Das bestimmende Thema des letzten Sinfoniekonzerts dieser Saison war im Publikum das jüngst vom Rat der Stadt Hagen beschlossene Sparprogramm, das es dem Theater in Zukunft sehr schwer machen wird, Auslastung und Niveau zu halten. So verhehlte auch GMD Antony Hermus seine Enttäuschung über die Entscheidung nicht. "Kultur ist kein Luxus, wir Menschen brauchen Kultur wie die Luft, die wir atmen und das Wasser, das wir trinken", appellierte Hermus an die Treue seiner Zuhörer.

Von Monika Willer

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