Bistum macht Tebartz-van Elst verantwortlich

Limburg..  Das Bistum Limburg macht seinen früheren Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst für die Vermögensschäden verantwortlich, die im Zusammenhang mit der Errichtung des rund 31 Millionen Euro teuren Bischofssitzes entstanden sind.

„Wir haben ein Gutachten eines Kirchenrechtlers mit dem Ergebnis, dass der Bischof als Letztverantwortlicher in der Verwaltung und der Vermögensverwaltung Entscheidungen getroffen hat, die zu Vermögensschäden geführt haben“, sagte der Apostolische Administrator für das Bistum Limburg, Weihbischof Manfred Grothe, der „Frankfurter Rundschau“ (Donnerstag). Tebartz-van Elst war vor einem Jahr zurückgetreten.

Man habe das in Rom vorgetragen und werde nach Ostern nachfragen, so Grothe. Das Bistum selbst habe keine Möglichkeit, den Bischof zu verklagen; das müsse Rom machen. Es gehe dabei um das kirchliche Strafrecht. Ohne genaue Zahlen zu nennen, machte Grothe deutlich, dass das Bischofshaus „natürlich“ weniger wert sei als 31 Millionen Euro. „Wir müssen Werte abschreiben, weil Arbeiten doppelt ausgeführt werden mussten, aber auch, weil überhöhte Rechnungen bezahlt wurden. Wir werden versuchen, wenigstens dieses Geld bei den Empfängern einzuklagen.“

Das Bistum Limburg wird jedoch erst nach der kompletten Aufarbeitung der Affäre um seinen früheren Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst einen neuen Oberhirten bekommen. „Rom möchte, dass wir aufräumen und der neue Bischof in eine aufgeräumte Situation kommt“, sagte Manfred Grothe, der das Bistum seit dem Abgang des umstrittenen Bischofs leitet.

„Der neue Bischof soll jedenfalls nicht gleich verbrannt sein, wenn das Feld noch nicht bereitet ist.“ Erst müsse das Bistum zur Normalität zurückkehren und das erheblich beschädigte Vertrauen wieder aufgebaut werden.

Vor einem Jahr endete auf Druck des Papstes die Amtszeit von Bischof Tebartz-van Elst nach der Affäre um die Kostenexplosion seiner kostspieligen Residenz auf dem Limburger Domberg. Weihbischof Grothe aus dem Erzbistum Paderborn wurde danach vom Vatikan eingesetzt, das Bistum mit seinen rund 645 000 Katholiken in Hessen und Rheinland-Pfalz zu führen und die Geschehnisse aufzuarbeiten. Viele Mitarbeiter sprachen danach von einer Atmosphäre des Misstrauens und der Angst, die unter Tebartz-van Elst geherrscht habe.

Eine Kandidatenliste oder gar einen Zeitplan für den neuen Oberhirten gebe es bislang allerdings nicht, erklärte der 75-jährige Grothe. Er stehe aber in regelmäßigem Kontakt mit dem Vatikan und habe den Wunsch nach einem personellen Neuanfang hinterlegt. „Rom beobachtet unsere Arbeit sehr genau“ und werde den Startschuss für die Findungsphase geben. „Meine Vorstellungen von einem Zeitfenster sind für Rom aber nicht von Interesse.“

Nach dem ersten Halbjahr wollen Grothe und sein Vertreter Wolfgang Rösch einen Bericht vorlegen, in dem die wichtigsten Punkte der Aufarbeitung aufgeführt und die konkreten Schritte benannt werden, die die Kirchenleitung für eine anhaltende Befriedung des Bistums umsetzen will. „Bis zum Sommer soll der Prozess des Zurückschauens abgeschlossen sein, dann wollen wir nach vorne blicken“, kündigte der Weihbischof an, der nach eigenen Angaben im regelmäßigen Kontakt mit dem ehemaligen Limburger Bischof steht.