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Bildschöne Erkenntnisse zum Tisch in der Kunst

13.06.2010 | 16:20 Uhr
Bildschöne Erkenntnisse zum Tisch in der Kunst

Oberhausen. Zwischen Altar und Theke, zwischen Pop Art und Porzellan: Die Schau „Zu(m) Tisch” in Oberhausen rückt vor dem großen Tafel-Gang zum „Stillleben“ auf der A40 ein Möbelstück ins Rampenlicht.

Das Ruhrgebiet bittet zu Tisch! Und welch kommunikative Kraft so eine große Tafel hat, wird man spätestens am 18. Juli wissen, beim „Stillleben“ auf der A 40. Vorab stellt die Ludwig Galerie Schloss Oberhausen den Tisch aber schon einmal ins kulturhistorische Rampenlicht und deckt uns mit allerlei bildschönen Erkenntnissen rund um das traditionsreiche Möbel ein. Die Ausstellung „Zu(m) Tisch” betritt damit nicht nur Neuland in der Kunstgeschichte, sondern versammelt auch die vielfältigen Schätze der Ludwig-Sammlung aufs Glanzvollste - nicht nur das kostbare Tafelsilber.

Tafel-Gang von der Antike bis heute

Über drei Etagen ist die Tische-Schau opulent angerichtet, ein Tafel-Gang von der Antike bis heute, von der Pop Art bis zum Porzellan, von der mittelalterlichen Monstranz bis zum Video. Aus Aachen und Bamberg, aus Köln und St. Petersburg kommen die kostbaren Leihgaben. Und Museums-Chefin Christine Vogt hat sie in einen abwechslungsreichen Zusammenhang gesetzt. Zeit- und genreübergreifend werden da Entsprechungen gefunden, aber auch Kontraste hergestellt. Und manchmal wird auch einfach nur mit den Pfunden der Ludwig-Sammlung gewuchert.

So wird niemand Bernhard Heisigs mattstrahlendes Blumenstillleben gleich neben Anett Stuths Hochglanz-Fotografie einer Bar-Theke suchen. Oder die attische Augenschale aus dem 6. Jahrhundert neben Daniel Doukes Fruchtrollen-Objekt von 2007. Aber wirkungsvoll ist das doch. Man sieht hochklassige Malerei, viel „Leipziger Schule”, der das Sammler-Paar Irene und Peter Ludwig früh ihre Aufmerksamkeit schenkten. Sighard Gilles „Fete in Leipzig” beispielsweise, mit Übervater Heisig in der Mitte.

Der Tisch als Versammlungsort, als Platz fürs Planen, Feiern, Debattieren, das ist natürlich eine Bestimmung. Aber die Oberhausener Schau kennt noch mehr Funktionen. Man begegnet dem Spieltisch und dem Beistelltisch, dem Schanktisch und dem Schreibtisch. Und welche Rolle der Tisch im religiösen Kontext hat, ahnen nicht nur die, die bis heute ihr Tischgebet sprechen. Oberhausen zeigt beispielsweise kostbaren Altarschmuck wie eine Monstranz aus dem frühen 16. Jahrhundert, einen Hostienbehälter oder eine Abendmahl-Darstellung von Albrecht Dürer.

So zentral der Tisch - gerne massiv - heute im Raume steht, so zweitrangig hat ihn dabei eigentlich die Kunstgeschichte behandelt. Allein die Stillleben räumen dem Tisch einen zentralen Bildraum ein. Jo-seph de Brays Fastenstillleben „Lob des Pökelherings” gerät dabei zum Symbolbild der Endlichkeit, mit Austern und Zitrone. Das Tischlein-deck-dich des 21. Jahrhunderts fällt dagegen weit karger aus. Wolfgang Tillmanns Frühstücks-Tafel ist ein nüchternes Foto-Arrangement aus Filterzigarette und Margarinerest. Und Ben Willikens „Abendmahl” ist nur noch ein Abruf unseres kollektiven Bildergedächtnisses, eine puristisch-leere, klinisch-weiße Tafelhalle. Die festliche Tafel, die mit graviertem Glas, kunstvoll ge-schnitztem Besteck und edlem Porzellan auch für Status steht, verliert ihre Bedeutung.

Wo es um Kunst und Essen geht, darf Daniel Spoerri natürlich nicht fehlen. Der Schweizer Eat Art-Künstler ist mit einem „Fallenbild” vertreten, einer in die Horizontale gestellten Kaffeetafel. Und die Kunstsammlung NRW hat Günter Weselers „Atemobjekt” von 1975 ausgeliehen. Wem das haarige Allerlei auf Weselers Tellern allerdings zu lebendig scheint, der wird den Tisch lieber für Staatstragendes nutzen. Und mit den Akteuren in Siegfried Koepfs Video „Integration” die Nationalhymne klopfen. Wie es sich für eine Tischmusik gehört.

Martina Schürmann


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